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CD-Besprechung

Suites & Roses

Vileta Dinescu & Johann Sebastian Bach

Suites & Roses

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 21.11.19

Kaleidos KAL 6344-2

1 CD • 76min • 2018

Die Cellistin Katharina Deserno präsentiert„Suiten und Rosen“ auf ihrer Solo-CD. Schlägt man das Beiheft auf, wird man Zeuge einer offensichtlich innigen Künstlerfreundschaft, denn die beiden Texte, die Katharina Deserno und Violeta Dinescu über ihre Zusammenarbeit verfasst haben, lassen keine Zweifel daran, dass hier eine Komponistin und eine Interpretin in idealer Konstellation zueinandergefunden haben. Dinescus Kleine Suite und die Cellofassung des zunächst für Flöten verfassten Miniaturenzyklus Sieben Rosen sind Deserno zugeeignet, der auch weitere Stücke Dinescus ihre Entstehung verdanken. Da sich die Rosen bei ihrer Erstaufführung um Johann Sebastian Bachs Solosuiten „rankten“, und die Kleine Suite sich „manchmal ganz eindeutig, manchmal subtil verborgen“, auf diese Werke bezieht, erschien es nur folgerichtig, sie ihnen auch auf dem Tonträger gegenüberzustellen.

Der Titel Sieben Rosen verweist zwar in erster Linie auf ein Gedicht von Brecht, allerdings spielt der Bezug zur Natur allgemein für Violeta Dinescu eine große Rolle. Häufig ist in der Geschichte die Pflanzenwelt metaphorisch mit der Musik in Beziehung gesetzt worden, da sich zahlreiche Möglichkeiten bieten, Gemeinsames hervorzuheben. Dabei lassen sich zwei Gruppen von Metaphern unterscheiden. Zum einen ist da die Stringenz des biologischen Lebenszyklus, die Entwicklung vom Saatkorn zum fruchttragenden Gewächs, wobei auch der anschließende Zerfallsprozess auf Komponisten inspirierend wirken kann. Zum andern können die Blüten einer Pflanze Auge und Nase des Menschen Momente sinnlichen Reizes verschaffen, ähnlich der Art, wie das nicht zufällig „Klangfarbe“ genannte Phänomen auf die Ohren wirkt.

Dinescus Rosen sind farbenfrohe, duftende Blüten. Dem Violoncello wird eine Vielzahl unterschiedlicher Klänge entlockt, die dem Ohr reizvolle Momente bereiten. Ja, die Komponistin fügt mit der menschlichen Stimme noch eine klangfarbliche Schattierung hinzu. So ist Katharina Deserno auf der CD auch als Sängerin zu hören, die gelegentlich ihr Instrumentalspiel mit kurzen vokalen Einzeltönen oder Melismen ergänzt. Dinescus Gespür für klangfarbliche Wirkungen wird an diesen Stellen, wenn der Ton des Instruments seine Resonanz in der Singstimme findet, besonders deutlich. In der Suite hat sie ganz ähnliche Einfälle in etwas größerer Form ausgeführt.

Dass letztlich sowohl die Rosen, als auch die Suite einen eher monotonen Eindruck hinterlassen, liegt daran, dass in beiden Werken der andere vegetative Aspekt der Musik, das stringente Wachsen und Werden, gänzlich ausgespart bleibt. Vor allem zeigt sich dies daran, dass sie eigentlich kein Tempo besitzen. Wenn in der Suite ein Satz mit „Vivo“, ein anderer mit „Agitato“ überschrieben ist, so klingen sie trotz kleineren Notenwerten doch nicht lebhafter als das dazwischenliegende „Tranquillo“, das selbst kein eigentlich ruhiges Stück ist. Die Musik ist durchgehend in einem rezitativischen Tonfall gehalten, der es nie zur Ausformulierung echter Tempokontraste kommen lässt. Dies ist es vor allem, was Dinescu von Bach trennt.

Wenn Katharina Deserno in ihrem Vorwort schreibt, Dinescus Werke würden „uns vielleicht auch die Bach-Suiten noch einmal anders hören“ lassen, so scheint mir das der Schlüssel zu ihren Bach-Interpretationen zu sein. Auf ihrem Weg durch die Suiten BWV 1007 und 1008, auf dem sie oft ein Tempo rubato anschlägt, findet die Cellistin viele interessante Momente, und mitunter meint man zu hören, wie sie über ihre Entdeckungen erstaunt und kurz innehält, um gleich darauf von der nächsten sich mitreißen zu lassen. Bach gerät ihr zu einem zauberhaften Labyrinth, wobei namentlich ihre Darbietungen der Allemanden und Sarabanden die Frage aufkommen lassen, ob sie den Weg durch dasselbe weiß.

Deserno ist, wie sie in den genannten Dinescu-Stücken und der die CD beschließenden Abendandacht unter Beweis stellt, eine empfindsame Musikerin, die sich auf das Herausarbeiten von Klangfarben trefflich versteht, und somit für eine Musik, die vorrangig davon lebt, eine ideale Interpretin. Doch die Stringenz, mit der Bach seine Formen entwickelt, ist von Anderen besser vermittelt worden.

Man tut im Übrigen gut daran, die Hülle der CD sacht, wie eine Rose, anzufassen, da die Scheibe nur in eine Lasche aus Pappe eingelassen und sonst nicht fixiert ist. Sympathisch berührt die liebevolle Ausstattung des Beihefts mit Abbildungen der Handschriften Bachs und Dinescus, sowie, als Deckblatt, einem durch Desernos Dinescu-Interpretation inspirierten Gemälde von Hans-Werner Berretz.

Norbert Florian Schuck [21.11.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 V. Dinescu Sieben Rosen 00:10:08
8 J.S. Bach Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007 für Violoncello solo 00:19:21
14 V. Dinescu Kleine Suite 00:18:36
19 J.S. Bach Suite Nr. 2 d-Moll BWV 1008 für Violoncello solo 00:22:41
25 V. Dinescu Abendandacht für Trompete solo 00:04:57
 
KAL 6344-2;4260164634428

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