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CD-Besprechung

Plays & Operas for the Radio

Edition RadioMusiken Vol. 3

Plays & Operas for the Radio

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 02.03.17

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 839-2

2 CD • 2h 17min • 2006, 2007, 2009, 2010, 2011

Auch die dritte Folge der RadioMusiken - eine Co-Produktion der Staatsoperette Dresden mit MDR, Deutschlandradio und cpo - enthält wieder einige historische Fundstücke. Thema sind diesmal die um 1930 entstandenen musikalischen Funk- und Hörspiele, die damals eine neuartige Gattung darstellten, die später aber nicht weiterentwickelt wurde. Der Radiopionier und Hochschulprofessor Max Butting sah in einem programmatischen Aufsatz deren dramaturgische Grundvoraussetzung darin, dass der Inhalt der Stücke ausschließlich aus dem Gehörten sich erschließen müsse, ohne hinzugefügte Regieanweisungen und Erklärungen. Einigkeit bei Schöpfern und Produzenten bestand darin, dass sie sich in Form und Inhalt an ein Massenpublikum richten mußten, eine Trennung von U- und E-Musik durfte es folglich nicht geben. Interessanterweise waren es gerade junge Vertreter der musikalischen Avantgarde, die diese Herausforderung gerne annahmen.

Das musikalische Funkspiel Sabinchen von Robert Seitz und Paul Hindemith ist eine artistisch-spielerische Adaption der berühmten Moritat vom tugendhaften Hausmädchen, das sich vom bösen Schuster aus Treuenbrietzen zum Diebstahl verführen lässt und zum Dank dafür den Hals aufgeschlitzt bekommt. Hindemiths Musik baut auf der Melodie des Küchenliedes auf, die er variiert und verfremdet. Im von Seitz hinzuerfundenen Schlußbild im Gefängnis wird die Schauerballade ironisch gebrochen und ihre Umwandlung in ein modernes Hörspiel selbst zum Thema gemacht. Eine definitive Partitur Hindemiths liegt nicht vor, deshalb hat Ernst Theis die Instrumentierung der originalen Berliner Funkfassung rekonstruiert. Dieses Original von 1930 (von dem vier Minuten nicht erhalten sind) ist der 1. CD als Bonus hinzugefügt und vermittelt trotz klanglicher Einbußen das Zeitkolorit aufs Lebendigste. Es macht zugleich erkennbar, wie nah das Ensemble der Dresdner Staatsoperette diesem Stil und diesem Kolorit gekommen ist.

Das lässt sich ohne Abstriche auch von den anderen Stücken behaupten. Auch die Wiedergabe des Hörspiels Mord (1929, eine Auftragsarbeit des Frankfurter Rundfunks) vermittelt den Geist der Entstehungszeit. Der Berliner Schönberg-Schüler Walter Gronostay (1906-1937) hat eine Kolportagestory um einen Fabrikdirektor, der seine untreue Frau und ihren Liebhaber erschießt, in die rundfunkwirksame Form einer musikalischen Reportage gebracht, die mit rhythmischen und dynamischen Mitteln Spannung aufbaut und die dem Chor nicht nur kommentierende, sondern auch vokal illustrierende, also gleichsam instrumentale Funktionen zuweist.

In eine ganz andere Welt führt fünf Jahre später der erst 24jährige Heinrich Sutermeister, der zu dieser Zeit von Carl Orff wie von Werner Egk stark beeinflusst war, mit seiner Radio-Oper Jorinde und Joringel. Trotz Kammerbesetzung greift er orchestral gewaltig in die Saiten, das Radio ist hier nur Medium für eine Mischung aus traditionellen Gattungen wie symphonische Dichtung und Oper. Die Stationen der Handlung werden durch einen Erzähler verbunden (die damals 85jährige Lyrikerin Dagmar Nick, Tochter des Komponisten Edmund Nick, entledigt sich hier dieser Aufgabe souverän).

Ergänzend zu diesen dramatischen Gebilden enthält die Kassette das oratorisch konzipierte Berliner Requiem von Kurt Weill und Bertolt Brecht (1928/29), das auch schon in anderen Einspielungen vorliegt, sowie Bänkel und Balladen op. 31 von Wilhelm Grosz (1894-1939), vier Cabaret-Gesänge für mittlere Stimme und Kammerorchester auf Texte von Joachim Ringelnatz und Carola Sokol. Anfang und Ende der Kollektion stellt die Radio-Ouvertüre des später in Auschwitz ermordeten Pavel Haas (1899-1944) in einer deutschen und einer tschechischen Version dar, die unter Einsatz eines Männerquartetts das Medium selbst zum Thema macht, indem sie den Klang, die Welle, das Mikrophon und den Lautsprecher besingt.

Ein pauschales hohes Lob ist den Interpreten zu zollen. Wie in den vorausgegangenen Folgen der Edition erbringt das Orchester der Staatsoperette Dresden unter Ernst Theis wieder eine mitreißende, zugleich außerordentliche präzise Leistung, der auch der Chor und die zahlreichen Solisten nicht nachstehen. Wieder ist das Booklet, mit zeitgenössischen Fotos sowie Zeichnungen von Marcellus Schiffer reich illustriert, überaus informativ, so dass man auch diese Folge der RadioMusiken vorbehaltlos empfehlen kann.

Ekkehard Pluta [02.03.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 P. Haas Radio-Ouvertüre op. 11 (Predehra pro rozhias, tschech. Fssg.) 00:09:49
2 P. Hindemith Sabinchen (Musikalisches Funkspiel) 00:18:15
6 W. Gronostay Mord (Ein Hörspiel) 00:12:38
7 K.  Weill Berliner Requiem (Kleine Kantate nach Texten von Bertold Brecht) 00:19:54
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W. Grosz Bänkel und Balladen op. 31 für mittlere Stimme und Kammerorchester 00:17:21
5 H. Sutermeister Jorinde und Joringel (Radio-Oper) 00:34:55
14 P. Haas Radio-Ouvertüre op. 11 (dt. Fssg.) 00:09:53

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Orchester der Staatsoperette Dresden Orchester
Ernst Theis Dirigent
 
777 839-2;0761203783922

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