Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Joseph Beer

Polnische Hochzeit

Joseph Beer

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 31.10.16

cpo 555 059-2

2 CD • 1h 41min • 2015

Der Name des Komponisten Joseph Beer war mir bis dato kein Begriff, ebenso wenig der Operettentitel Polnische Hochzeit. Auch in den geradezu enzyklopädisch ausführlichen Standardwerken zum Genre von Volker Klotz und Albert Gier fand ich keinen Hinweis. Stefan Frey, ein anderer Cicerone durch die Welt der Operette, hat nun in seinem Booklet-Text diese Bildungslücke gefüllt. Beer (1908-1987), Sohn eines Bankiers aus Lemberg, soll schon als Kind komponiert haben und schloß seine Ausbildung am Wiener Konservatorium, wo u. a. Joseph Marx sein Lehrer war, 1930 mit Auszeichnung ab. Er galt als eine große Hoffnung auf dem Gebiet der Operette, doch die Annexion Österreichs durch die Nazis verhinderte die Wiener Premiere seiner 1938 in Zürich uraufgeführten Polnischen Hochzeit, er selbst musste nach Frankreich emigrieren und konnte dort bis Kriegsende untertauchen. Danach hat er noch einiges geschrieben, aber keine Operetten mehr. Allerdings plante er bis zu seinem Lebensende eine Neufassung der Polnischen Hochzeit unter dem Titel La Polonaise.

Joseph Beer, gerade mal 25 Jahre alt, als er mit Der Prinz von Schiras debutierte, stand für einen Generationenwechsel in einer Gattung, die von älteren Herren wie Lehár und Kálmán dominiert war, doch keineswegs für einen Paradigmenwechsel. Seine zweite Operette Polnische Hochzeit wirkt – wie Frey zutreffend schreibt - „wie das Resumee einer ganzen Ära“. Das Libretto der ausgebufften Profis Fritz Löhner-Beda (er war Beers entscheidender Förderer) und Alfred Grünwald, in dem der Freiheitskämpfer Graf Boleslav nach vielen Intrigen und Wirrnissen seine geliebte Jadja bekommt, die an seinen reichen alten Onkel Staschek verhökert werden soll, gibt dem Komponisten reichlich Gelegenheit, mit polnischen Tänzen wie Mazurka, Krakowiak und Polonaise aufzuwarten, doch findet auch jüdische Folklore in die Partitur Eingang und gelegentlich blitzen Jazzelemente auf. Beer mixt diese disparaten Stilelemente mit großer Virtuosität und nicht ermüdender Einfallskraft auch im Melodischen (einige Nummern kann man gleich mitsingen), so dass die Stimmungskurve in den gut anderthalb Spielstunden nie absinkt.

Die Wiederaufführung des Stücks beim Wiener Operettensommer 2012, die einer Ausgrabung gleichkam, da die Partitur lange als verschollen galt, muß ein großer Erfolg gewesen sein. Die konzertante Wiedergabe im Münchner Prinzregententheater, die hier auf CD vorliegt, löste – wie man hören kann – beim Publikum wahre Begeisterungsstürme aus. Die sind für den Rezensenten in gewissem Maße nachvollziehbar. Denn das Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer spielt mit rhythmischer Verve und musikantischem Elan auf und die Sänger werfen sich mit Gusto in ihre Rollen, so dass echte Theateratmosphäre entsteht, was auch der glücklichen Bewältigung der Dialoge zu verdanken ist, die sonst meist einen Schwachpunkt bei solchen Produktionen darstellen (Regie: Ralf Eger). Das in der Operette traditionelle zweite Buffo-Paar ist hier von Buch und Musik deutlich aufgewertet und Susanne Bernhard als resolute Gutsverwalterin Suza räumt mit dem erforderlichen Bühnentemperament entsprechend ab, kann aber mit ihrem reifen (Mezzo)Sopran auch sängerisch punkten. Der Bariton Mathias Hausmann als Praktikant (und ihr Liebling) Casimir steht ihr nur wenig nach. Kraftvoll in komödiantischer wie stimmlicher Hinsicht präsentieren sich die beiden „Alten“: Friedemann Röhlig als Baron Oginsky und Michael Kupfer-Radecky als heiratswütiger Graf Staschek. Martina Rüping ist mit leichtem, aber nicht soubrettigem Sopran eine adäquate Besetzung der Braut Jadja, Nikolai Schukoff trumpft als Boleslav fermatenselig mit Spitzentönen auf. Doch wie schon in den Aufnahmen von Giuditta (cpo) und Der Zigeunerbaron (Pentatone) klingt die Stimme immer ein bisschen wie in ein Korsett geschnürt. Sie kann nicht so ausschwingen, schmelzen und schmeicheln, wie man sich das bei einem echten Operettentenor wünschen würde.

Ekkehard Pluta [31.10.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Beer Polnische Hochzeit (Operette in drei Akten und einem Vorspiel)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Martina Rüping Jadja, Tochter des Barons Oginsky - Sopran
Susanne Bernhard Suza, Gutsverwalterin des Barons Oginsky - Sopran
Florence Losseau Stasi, Bedienstete auf dem Gut Oginsky - Mezzosopran
Nikolai Schukoff Graf Boleslav Zagorsky, Neffe des Grafen Staschek Zagorsky - Tenor
Michael Kupfer-Radecky Graf Staschek Zagorsky, reicher Gutsbesitzer - Bariton
Mathias Hausmann Casimir von Kawietzky, Gutspraktikant bei Oginsky - Bariton
Bernhard Spingler Sergius Korrosoff, Hauptmann der russischen Gendarmerie - Bassbariton
Friedemann Röhlig Baron Mietek Oginsky, Gutsbesitzer - Baß
Alexander Kiechle Stani, Bediensteter auf dem Gut Oginsky - Baß
Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz Chor
Münchner Rundfunkorchester Orchester
Ulf Schirmer Dirigent
 
555 059-2;0761203505920

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc
Film La Mélodie