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CD-Besprechung

Benjamin Godard

Symphonic Works

cpo 555 044-2

1 CD • 69min • 2015

21.03.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die Inflation der Superlative, die uns im Bereich der ausübenden Musiker völlig unüberschaubare Scharen „aufregendster” und „vielseitigster” Nachwuchskünstler beschert – diese Unart hat sich längst auch in den Nischen des Repertoires ausgebreitet, weshalb auch der „gutmütigste” Rezensent darum ersucht, einen Einwand gegen die Auffassung vorbringen zu dürfen, es handle sich bei den hier versammelten Orchesterstücken tatsächlich um Meisterwerke im tiefsten und umfassendsten Sinne des Wortes. Gewiss war der fleißige, umtriebige Benjamin Godard ein Meister der Stimmungszeichnungen, des salontauglichen Flitterkrams und jener größeren Formate, die ihre mit viel unterhaltsamem Gestus polierte Oberfläche wirkungsvoll im Konzert- oder im Kammermusiksaal funkeln lassen. Und mit dieser Würdigung sollte man sich zufrieden geben, denn auch derartige Leistungen wollen erst einmal vollbracht werden. Offenbarungen indes, wie sie das eigentliche Meisterwerk zu bieten hat, darf man von Godard auch auf dem Gebiete seiner sogenannten Symphonik nicht erwarten: Er tendiert zur angenehmen Suite, versteht sich ganz zweifellos auf den virtuosen Umgang mit dem großen Orchester und führt dabei eine lockere, gelegentlich zu regelrechtem Swing hinübergleitende Feder, deren glücklichste Strecken wirklich angenehm in die Ohren fallen. Dazu gehören vor allem der Kopfsatz und das elfengleiche Scherzo der B-Dur-Symphonie op. 57 und das Presto der fünfsätzigen Symphonie gothique op. 23, ein als Gigue kostümiertes Intermezzo, dem sich als Finale eine breitbeinig dahinschreitende Verneigung vor den Figuren und Persönlichkeiten des hohen Barock anschließt – so etwa hätte es klingen müssen, wäre Georg Friedrich Händel am Ende des 19. Jahrhunderts durch eine Zeitreise auf die Champs Elysées befördert worden.

Von den Trois Morceaux op. 51, einer fürwahr disparaten Kollektion orchestrierter oder auch für Klavier arrangierter Piècen, macht die „Marche funèbre” interessanterweise den größten Eindruck. Demgegenüber sind die einstigen Schlager – die „Kermesse” und die „Brésilienne” – doch ziemliche Hauruck-Kreationen: Das Volksfest pendelt durch verschiedene Episoden bis zur Eizelle des „River Kwai-Marsches”, und an der Stelle der zu erwartenden Samba hören wir einen niedlichen böhmischen Tanz der Mirlitons.

Dass der Vergnügungswert der Produktion dennoch beträchtlich ist, liegt nicht nur an der einen oder anderen unfreiwilligen Komik der Kompositionen (die „gotische Symphonie” etwa hat ein paar modale Kadenzen, bewegt sich vornehmlich in großen Taktarten und beendet ihren zweiten Satz sogar mit einem Organistenschwänzchen), sondern in ganz besonderem Maße an dem gut aufgelegten Münchner Rundfunkorchester, das unter der Leitung von David Reiland eine sehr gute Figur macht: Mal mit nassforschem Schwung, mal mit geradezu anrührender Sentimentalität, dann wieder mit kesser Eleganz oder beinahe meditativer Innerlichkeit gelingt es den Beteiligten, aus dem, was an Substanz vorhanden ist, durchaus genießbare Hors d’œuvres zu zaubern. Als Hauptgericht sei indessen eines jener Meisterwerke empfohlen, in denen Benjamin Godard seine symphonischen Anregungen fand.

Rasmus van Rijn [21.03.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Benjamin Godard
1Sinfonie Nr. 2 op. 57 00:29:09
5Marche funèbre op. 51 Nr. 1 00:07:47
6Brésilienne op. 51 Nr. 2 00:03:29
7Kermesse op. 51 Nr. 3 00:08:40
8Symphonie gothique op. 23 00:19:38

Interpreten der Einspielung

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