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CD-Besprechung

W.A. Mozart

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 2091

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 19.01.15

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BIS 2091

1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2013

Ein Jahr nach Abschluss seiner monumentalen Gesamteinspielung der Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs legt Masaaki Suzuki jetzt Mozarts Requiem vor und kombiniert diese Komposition, die bekanntermaßen infolge von Mozarts Tod ein Fragment geblieben ist, mit einem Meisterwerk der geistlichen Musik aus der Salzburger Epoche des Komponisten: den Vesperae solennes de Confessore.

Dass Mozart sein Requiem im Schatten von Todesahnungen geschrieben habe, ist inzwischen in das Reich romantischer Verklärungen verwiesen worden; allerdings scheint das Stück den Komponisten bis in die letzten Stunden seines Lebens im Bann gehalten zu haben, berichtete doch Constanzes Mozarts Schwester Sophie: „Sein Letztes war noch, wie er mit dem Munde die Pauken in seinem Requiem ausdrücken wollte, das höre ich noch jetzt“.

Um die bereits geleistete Vorauszahlung für das Requiem nicht zurückzahlen zu müssen, das ein Graf Walsegg für seine im Alter von 20 Jahren verstorbene Frau in Auftrag gegeben hatte, war Mozarts Witwe natürlich an der Fertigstellung des Stücks äußerst gelegen; sie baute dafür auf zwei Wiener Komponisten, die mit Werk und Schaffensprozess des Verstorbenen vertraut waren: Zunächst wandte sie sich an Joseph Eybler (1765-1846), der direkt in Mozarts Autograph weiter arbeitete, den Auftrag aber vor der Einfügung der noch nicht komponierten Teile aus unbekannten Gründen zurückgab. Erst nach dem Rückzug Eyblers kam Franz Xaver Süßmayr (1766-1803) zum Zuge: Er verfügte, wie zuvor Eybler, über Notizen von Mozarts Hand und will noch in den letzten Lebenstagen des Komponisten mit ihm die Vervollständigung des Requiems besprochen haben. Süßmayr fertigte für seine Vervollständigung eine völlig neue Partitur des Stückes an, in die er Mozarts Arbeit übertrug und für die er auch Eyblers Ergänzungen teilweise verwendet hat. Nach Abschluss seiner Arbeiten setzte Süßmayr Mozarts Namen unter die Partitur – das Werk war nunmehr bereit, dem Auftraggeber als fertiges Stück überreicht zu werden, das im Ganzen vom Nimbus des Verstorbenen zehren konnte. Obwohl das Requiem KV 626 inzwischen in verschiedenen Editionen existiert, ist Süßmayrs Vervollständigung bis heute die am häufigsten aufgeführte Version geblieben.

Masaaki Suzuki hat sich entschieden, für seine Einspielung durch seinen Sohn Masato aus den verschiedenen überlieferten Fragmenten eine neue Fassung des Stückes erstellen zu lassen, über die Suzuki junior im Beiheft ausführlich Auskunft erteilt – der Arbeit Joseph Eyblers, der als der bessere Komponist einzuschätzen ist, wurde, wo immer möglich, der Vorzug vor derjenigen Süßmayrs gegeben.

Mozart war am 9. Mai 1791 zum unbesoldeten Adjunkten von Leopold Hofmann, Kapellmeister am Wiener Stephansdom, ernannt worden, was einer Designation für die Nachfolge in diesem Amt gleichkam. Anlässlich dieser Ernennung äußerte er sich erfreut darüber, sich wieder seinem „Lieblingsfach“, der geistlichen Musik, zuwenden zu können. Der kurz nach dieser Ernennung erfolgte Auftrag für das Requiem dürfte ihm folglich sehr gelegen gekommen sein, konnte er sich doch mit einer repräsentativen Totenmesse in eine gewaltige Tradition der Kirchenmusik einordnen und zugleich seinen in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg einer musikalischen Neuorientierung auf der Grundlage der Tradition entschieden fortsetzen: Christoph Wolff beleuchtet in seinem Text im Beiheft diese Aspekte zur Einordnung des Requiems, und auf diesen Ansatz gründet Masaaki Suzuki auch seine Interpretation. Manchen Freund älterer Aufnahmen, auch solcher der historisch informierten Ausführungspraxis, mag Suzukis Wahl eher zügiger Tempi und straffer Artikulation befremden, doch beeinträchtigen diese in keiner Weise die Würde des Werkes, sie verdeutlichen vielmehr die durchgängige kontrapunktische Polyphonie, mit der Mozart „eine Einbindung Händelscher und Bachscher Ideen und Prinzipien [in seine] ureigene Musiksprache“ (so Wolff) erreicht. So entsteht vor den Ohren der Hörer ein ergreifendes geistliches Musikdrama, das die Objektivität der liturgischen Feier dennoch zu jeder Zeit wahrt.

Eine Besonderheit dieser Aufnahme ist die Einspielung einer alternativen Version des „Tuba mirum“, in der die Posaune lediglich in der einleitenden Fanfare des Stückes zum Einsatz kommt, der üblicherweise weiterhin von der Posaune vorgetragene Teil der Partie wird allerdings vom Fagott gespielt; man hat diese in Süßmayrs 1800 bei Breitkopf & Härtel veröffentlichten Fassung niedergelegte Notation bisher stets als fehlerhaft deklariert. In dieser Einspielung erklingt die bisher übliche, allein von der Posaune gespielte Version auch im Kontext des Gesamtstückes, als Anhang wird allerdings auch die Alternativfassung mit Fagott präsentiert und dem interessierten Hörer so Gelegenheit gegeben, sich einen eigenen Eindruck davon zu verschaffen, ob nicht der Wechsel der Instrumente einen dramaturgischen Wechsel zwischen der himmlischen Posaune und der irdischen Sphäre der Gräber darstellt.

Die Einfügung der Vervollständigung einer 1960 in der Staatsbibliothek entdeckten Skizze einer Amen-Fuge am Ende der Sequenz ist seither in etlichen Aufnahmen des Requiems übernommen worden. Masato Suzuki räumt zwar ein, dass eine Zugehörigkeit dieses Fragments zum Requiem musikwissenschaftlich nicht endgültig erwiesen ist, stellt aber dennoch eine kurze Version dieser Fuge als würdevollen Abschluss an den Schluss der Sequenz.

Als erstklassiges Beispiel für Mozarts Salzburger Kirchenmusik ergänzen die Vesperae solennes de Confessore diese Einspielung seiner letzten Komposition vorzüglich: Der Komponist selbst hielt große Stücke auf das Werk und hat sich die Noten 1783 vom Vater nach Wien bestellt, um die Vespermusik dort für den Kreis des Baron van Swieten aufzuführen.

Masaaki Suzuki hat sich für sein kirchenmusikalisches Doppelporträt Mozarts ein hervorragendes Solistenquartett ausgesucht – Carolyn Sampson, Marianne Beate Kielland, Makoto Sakurada und Christian Immler ergänzen einander ideal, sowohl stimmlich wie auch in Hinsicht darstellerischer Intensität. Chor und Orchester des Bach Collegiums Japan für ihre steten exzellenten Leistungen auch in diesem Fall Lob auszusprechen, ist durchaus mehr als Pflichterfüllung – es kennzeichnet das „Tüpfelchen auf dem i“ einer rundum geglückten und beglückenden Produktion.

Detmar Huchting [19.01.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Requiem d-Moll KV 626 00:46:06
16 Vesperae solennes de confessore C-Dur KV 339 00:24:48

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Carolyn Sampson Sopran
Marianne Beate Kielland Mezzosopran
Makoto Sakurada Tenor
Christian Immler Bariton
Bach Collegium Japan Ensemble
Masaaki Suzuki Dirigent
 
2091;7318599920917

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