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CD-Besprechung

W.A. Mozart

Ondine 1 CD ODE 1204-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
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Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 21.11.12

Klassik Heute
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Ondine ODE 1204-2

1 CD • 66min • 2011, 2012

Die Frage stellt sich unwillkürlich: Handelt es sich hier um den Start einer Gesamtaufnahme oder doch umfangreicheren Darstellung der Violinsonaten Mozarts – womöglich sogar unter Einbeziehung der Variationsfolgen und der vollendeten bzw. im Nachhinein ergänzten Solostücke? Ich erlaube mir jedenfalls, den beiden Interpreten – dem Pianisten Lars Vogt und dem Geiger Christian Tetzlaff – ernsthaft zuzureden, ein solches Unterfangen ins Kalkül zu ziehen. Und dies richtet sich auch an die beiden Produzenten des in letzter Zeit sehr aktiv und auch erfolgreich agierenden Ondine-Labels, Reijo Killunen und Christoph Franke. Zwei Gründe beflügeln mich, eine solche Zukunftsperspektive in Betracht zu ziehen. Der eine gründet sich auf der nicht unbedingt günstigen Repertoire-Gesamtsituation. Ältere Aufnahmeprojekte wie jene mit Clara Haskil und Arthur Grumiaux, mit Lili Kraus und Szymon Goldberg, mit Ingrid Haebler und Henryk Szeryng oder auch mit Paul Badura-Skoda und David Oistrach sind jüngeren Kreisen kaum oder gar nicht bekannt. Etwas neuere wie jene mit Alexander Lonquich und Frank-Peter Zimmermann eröffnen im Bereich der gestalterischen Möglichkeiten nur ein enges, wenn auch auf schlanke, kristallklare Weise fesselndes Spektrum. Und die vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichten Teileinspielungen mit Badura-Skoda und dem jungen Salzburger Thomas Hubertus Irnberger bezeichnen in ihrer beschwingten, man darf getrost sagen: musikantischen Umsichtigkeit den polaren Verhaltenstypus des einerseits hochroutinierten, andererseits anschmiegsamen, wachsamen Zöglings – dies allerdings auf erfreulichem geigerischen Niveau.

Den zweiten Grund formuliere ich mit besonderer Genugtuung, denn Vogt und Tetzlaff sind mit den drei Sonaten KV 379, 454 und 525 äußerst vielschichtige, in allen Fragen der Detail- und Sequenzcharakteristik aufmerksame, ja oft auch erfinderische Ausdeutungen gelungen. Es genügt schon, die an den Beginn des CD-Programms gesetzte B-Dur-Sonate KV 454 unter die gleichsam hörende Lupe zu nehmen. Hier ist in den schönen, sozusagen lauernden Largo-Eingangstakten eine ungemein angespannte Atmosphäre zu verspüren – und dies im bestmöglichsten Sinn des Wortes „angespannt"! Die Beiden wecken mit erlesenen Einzelregistrierungen und Klangverbindungen ihrer je eigenen Artikulationsmöglichkeiten das Interesse für die kommende, wie unausweichliche Erregung des Allegro-Abschnitts. Selten habe ich in diesem Bereich einer Mozartschen Violinsonate eine schon am Beginn so pulsierende, wie wegweisende Energie eines Duos erlebt, so dass jegliche Gefahr gebannt bleibt, diesen Satz in zwei Teile auseinander driften zu lassen.

Lars Vogt habe ich in letzter Zeit im Konzertsaal, aber auch Rundfunkaufnahmen und -übertragungen gehört. Er ist mir deutlich flexibler im modulierenden Anschlag vorgekommen, insgesamt liebevoller mit dem musikalischen Gegenstand umgehend, fast scheint es, als ob er sich auch im erhöhten Tempo mehr Zeit nehmen möchte. Und auch bei dieser Gelegenheit bemüht er sich um sinngebende Kantabilität, wobei die Beredsamkeit des melodischen Ablaufs stets aufmerksam beachtet wirkt. Zusammen mit Tetzlaff – und mit dessen schönem, aber zugleich den Linienverlauf stets interpunktierendem Ton – erreicht Vogt ein Höchstmaß an Anschaulichkeit, an Prägnanz der verschiedenen Motiv- und Themen-Charaktere. Allenfalls in den schnellsten Sätzen – den rahmenden Segmenten der Sonate KV 526 – irritieren mich ein wenig Tetzlaffs gefährlich gleitende Skalenschlenker, wobei ich gar nicht entscheiden möchte, ob dies als kleine Unart zu kritisieren oder als ein bewusstes darstellerisches Element zu akzeptieren sei.

Vergleichsaufnahmen: Walter Barylli – Paul Badura-Skoda (Westminster WL 5130/LP), Perlman – Barenboim (DG 415 102-2), Szeryng – Haebler (Philips 416 902-2), Mutter – Orkis (DG 00440 073 4213 /DVD), Lili Kraus – Szymon Goldberg (EMI TOCE 6175-79), Bilson – Luca (Nonesuch 9 79112-2), Messiereur – Bugunia (Calliope CAL 9664), Kang – Mednik (Classics clipe CLCL 108), Irnberger – Badura-Skoda (Gramola 98904), Zimmermann – Lonquih (EMI).

Peter Cossé † [21.11.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Sonate B-Dur KV 454 für Violine und Klavier 00:21:08
4 Sonate G-Dur KV 379 KV 373a für Violine und Klavier 00:21:08
7 Sonate A-Dur KV 526 für Violine und Klavier 00:22:56

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Christian Tetzlaff Violine
Lars Vogt Klavier
 
ODE 1204-2;0761195120422

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