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CD-Besprechung

Allan Pettersson: Sinfonie Nr. 6

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 1980

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 29.08.12

Klassik Heute
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BIS 1980

1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2012

Man wird hundert- oder tausendmal auf jemanden einreden oder gar einprügeln können, um ihn von einer bestimmten Denkweise, einem neuen Fernsehgeräät oder der Überlegenheit einer Weltanschauung überzeugen zu wollen, und hat doch niemals die Garantie, dass das, was der oder die Getroffene(n) fortan mit mehr oder minder virtuoser Zungenfertigkeit aus dem Munde sprechen, mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis beziehungsweise die Wiederholung weitverbreiteter, austauschbarer Allgemeinplätze ist. Der Sprung vom Nachplappern hinüber zu unerschütterlicher Gewißheit hingegen vollzieht sich oftmals durch Kleinigkeiten, immer aber mit einem innerlich vernehmbaren "Klick", der letztlich nichts anderes markiert als den mentalen – manch einer sagt auch: spirituellen – Moment, in dem der inwendige Lichtschalter umgelegt und ein bislang erahntes oder auch unbekanntes Gebiet in aller Deutlichkeit erstrahlt. Selbst vermeintlich nüchterne Charaktere wie Paul Hindemith erlebten im Akt des Erschaffens diesen Blitzschlag, der eine nächtliche Landschaft erhellt. Künstler wie Sergiu Celibidache haben mit ganz eigenen Methoden darauf hingearbeitet, den Funken funkeln zu lassen. Und auch Christian Lindberg ist in seiner jüngsten Begegnung mit Allan Petterson der Schritt von der hervorragenden Wiedergabe zum "EinLeuchten" gelungen. Wobei ich mit allem Nachdruck betonen möchte, daß man derlei nur für sich selbst herausfinden und an sich selbst bemerken wird: Wenn plötzlich die Worte fehlen, die Schulweisheit verstummt ("Allan Petterson gehört zu den bedeutendsten Komponisten Schwedens und des 20. Jahrhunderts" usw.usw.usw.) und wenn an die Stelle eines durchaus vorhandenen Grundinteresses die Erkenntnis tritt, daß jemand soeben zum Teil des eigenen musikalischen Universums geworden ist ? dann ist es "passiert" wie eben in dieser Einspielung, die sich den drei Streicherkonzerten Pettersons (BIS CD 1690 und 1590) sowie dem phänomenalen Doppelalbum mit den Symphonien Nr. 1 und 2 (BIS CD 1860) nicht nur nahtlos anschließt, sondern noch einmal eine Steigerung der ohnehin schon höchstkarätigen Leistungen bietet.

"Christian Lindberg glüht förmlich, wenn er über sein langjähriges Verhältnis zu Petterssons Werken spricht", schrieb ich in meinem Text zu der letztgenannten Publikation, "und wenn er am Pulte des Symphonieorchesters Norrköping steht, scheint zwischen ihn, die Musiker und die Komposition tatsächlich keine Briefmarke mehr zu passen: Der ganze Mensch und der ganze Raum bilden eine bis zum Bersten mit Klang erfüllte, eingeschworene und beschwörende Einheit im Dienste eines besessenen Komponisten, dessen Persönlichkeit sich schemenhaft über dem gesamten Geschehen ausbreitet" (Klassik Heute 20508). Das kann ich jetzt natürlich nicht "sehen" wie seinerzeit auf der DVD, die der Aufführungsfassung der ersten Symphonie gewidmet ist. Aber es ist vom ersten bis zum letzten Moment zu spüren, daß die einstündige Sechste unter mindestens denselben, wenn nicht gar noch intensiveren Bedingungen eingespielt wurde – was sich mir beim Höören in einer Fülle bildhaft-assoziativer Querverbindungen mitteilte. "Schilten" fiel mir ein, der in einer bemerkenswert unaufhaltsamen Sprache dahinströmende Roman des unglückseligen Hermann Burger; Dmitri Schostakowitschs vierte Symphonie schien mir auf einmal Ableger zu treiben (und gehört als Ahnfrau gewiß in die Reihe der Vorfahren, ob Petterson sie nun kannte oder nicht); die gewaltig-konsequente Expansion eines Universums, in dem Zeit keine Rolle spielt – durch und durch fesselnd all das und noch verblüffender, wenn sich auf einmal hinter den kolossalen Ereignissen ein völlig unerwarteter Antrieb zeigt: das Vergnügen am Spiel mit der Musik nämlich, das Christian Lindberg im dritten Drittel der Symphonie in den Vordergrund stellt. Diese rund zwanzigminütige "Coda" entfaltet, wenn in ihr ein eher leichtfüßiger Andante-Puls schlagen darf, mit ihren simplen Zweitonmotiven den unwiderstehlichen Sog purer Entdeckerfreude: Ich spüre förmlich die Lust an immer neuen Kombinationen des immer Gleichen, die tiefe Begeisterung eines Schaffenden, der völlig in seinem Tun aufgeht und der hier alle Zeit der Welt zur Verfügung hat, um das Werden mitzuverfolgen, während er doch selbst "werden läßt". Deshalb ist es auch nicht nötig, zu analysieren, wie das Ganze gefügt ist. Wir hören es doch, wenn wir bereit sind, uns darauf einzulassen.

Rasmus van Rijn [29.08.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Pettersson Sinfonie Nr. 6 00:59:18

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Norrköping Symphony Orchestra Orchester
Christian Lindberg Dirigent
 
1980;7318599919805

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