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CD-Besprechung

cpo 777 735-2

1 CD • 57min • 2011

12.07.2012

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Annton Bruckner und Mario Venzago – diese Paarung hat sich bereits bei den Einspielungen der „nullten", ersten, vierten und siebten Sinfonie als ungemein an- und aufregend erwiesen. Umso gespannter war ich auf Venzagos Sicht der Sinfonie Nr. 2 c-Moll, ein Werk, welches 1872 von den Wiener Philharmonikern als unspielbar abgelehnt, von diesen aber ein Jahr später unter der Leitung des Komponisten selbst zu einem großen Triumph geführt wurde; einem Werk, dessen formale Gestaltung auf Unverständnis stieß, das als episodenhaft abgestempelt wurde und schnell den Beinamen „Pausensinfonie" weg hatte und sich bis heute schwer tut auf den internationalen Konzertpodien.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: Noch nie habe ich einer Interpretation der zweiten Sinfonie mit ihren zahlreichen und miteinander verwobenen Einfällen und Themen von der ersten Sekunde an so gebannt gelauscht wie der Mario Venzagos und der Northern Sinfonia. Kammermusikalisch transparent und doch mit einem sehr dichten Klang, dazu regelrecht leichtfüßig durchmessen Venzago und das relativ klein besetzte Spitzenorchester des Sage Gateshead dieses Werk. Vitalität, Energie, Hochspannung und eine faszinierende Klarheit der Zeichnung, wohin das Ohr reicht. Nie empfand ich die Wahl und Behandlung der Tempi, die sensibel gesetzten Rubati, die agogischen Feinheiten, auch die Länge der so oft gescholtenen, aber aufgrund der Themenfülle so notwendigen Pausen, überhaupt die gesamte weit ausholende Bewegungsdynamik sowie die dynamischen Entwicklungen und Staffelungen an sich sinnstiftender.

Nie erlahmende Intensität, verbunden mit einer jederzeit spürbaren Liebe zum Detail ist aber nur die eine Seite der Medaille. Viel bewundernswerter ist, mit welch akribischer orchestraler Feinarbeit und mit welch klarem Ton Venzago den Klang an sich zu erforschen sucht – nicht nur innerhalb des wie aus dem Nichts entstehenden Beginn des Kopfsatzes mit seinem berühmten wie geheimnisvollen Tremolo. Auch das unglaublich ausdrucksstarke Andante wird zu einem elektrisierenden Klangerlebnis. Das doch recht konzentrierte und energische Scherzo nimmt Venzago fast schon tänzerisch; darüber hinaus lässt er – wo nötig – sogar einen feinen Wiener Charme durchblitzen (selbstverständlich auch in der Polka des Kopfsatzes, mit der Bruckner einmal mehr seine Nähe und Liebe zur Wiener Tanzmusik bekundet). Schließlich das Finale, in dem Venzago weniger auf rhythmische Wucht setzt, denn – etwa unter Zuhilfenahme subtiler Phrasierungen – auf eine fast schon fiebrig zu nennende Spannung.

Kurzum: Hier beweist jemand einen unverwechselbaren Charakter und ein unverkennbares Profil. An dieser Bruckner-Sichtweise kommt niemand vorbei; an dieser Interpretation sowie an denen der bereits erschienenen Produktionen werden sich zukünftige Einspielungen messen lassen müssen.

Christof Jetzschke [12.07.2012]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Bruckner
1Sinfonie No. 2 c minor WAB 102 (Pausensinfonie)

Interpreten der Einspielung

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