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CD-Besprechung

Fugenbrücke
Werke für Violoncello & Klavier

Fugenbrücke<br />Werke für Violoncello & Klavier

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 04.07.12

Kaleidos KAL 6315-2

1 CD • 70min • 2011, 2012

„Fugenbrücke" nennt sich eine Produktion, auf der sich die Cellistin Katharina Deserno und der Pianist Nenad Lei Werken von Ludwig van Beethoven und dem 1943 geborenen Konrad Lang widmen. Konrad Lang wiederum setzt sich in seinen Kompositionen mit Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven auseinander, insbesondere mit Bach als wichtigem Impuls für sein kompositorisches Schaffen. Das folgende Zitat aus dem CD-Booklet bezieht sich zwar eindeutig auf Beethoven letzte Cellosonate, die Sonate D-Dur op. 102 Nr. 2, einem Meilenstein der Celloliteratur, es hat aber in gewisser Weise auch seine Gültigkeit für zwei der drei hier eingespielten Schöpfungen Konrad Langs: „Die Rückbesinnung auf die Fugentechnik in der Auseinandersetzung mit der Musik Bachs wird hier von Beethoven als Brücke zu revolutionärer Neuheit inszeniert. Die Verwendung einer musikalischen Form wie der Fuge, die den Kompositionsprozess steuert, wird von Beethoven nicht als Begrenzung, sondern als Grenzüberschreitung eingesetzt. So entsteht trotz – oder gerade durch die formale Struktur – etwas ganz Neues, fern von jeglicher Gefälligkeit." Was das fugierte, etwas spröde Finale der Beethoven-Sonate mit seiner Kombination des Fugenthemas mit einem weiteren Thema angeht, so ist dem nichts hinzuzufügen.

Und bei Konrad Lang? Seine Sonate für Violoncello und Klavier aus dem Jahr 2007, eine Hommage an Beethoven und Bach, verwendet die klassische Sonatenform und benutzt traditionelle Satzbezeichnungen, ist aber ebenfalls alles andere als gefällig. Der Kopfsatz mit zwei Themenkreisen voller rhythmischer Unruhe ist von einer merkwürdigen Strenge und Regelhaftigkeit, die jedoch fortwährend in die Irre führt. Das b-a-c-h-Motiv, das später im Finale den Kern des Fugenthemas bilden wird und überhaupt – laut Konrad Lang – den Dreh- und Angelpunkt des ganzen Werkes darstellt, erscheint bereits hier und vermischt sich mit den Gedanken beider Themenkreise. Und das alles inmitten einer nicht nur sehr kraftvollen, sondern vehementen und verstörenden Tonsprache, der ein deutlicher Hang zum Experimentellen und Improvisatorischen eigen ist. Dagegen wirkt die lyrische Gegenwelt des Adagio fast schon tonal. Im wiederum leicht verstörenden Finale trifft das strenge Fugenthema mit seinem b-a-c-h-Kern auf alle bisherigen Themen, die nun die Funktion von Kontrasubjekten übernehmen. Auch wenn man meint, die Themen aller Sätze in ihrem ständigen Kommunikationsprozess hin und wieder zu erkennen, so bieten sich doch kaum wirkliche Orientierungspunkte. Die Sonate ist mir insgesamt zu mathematisch ausgezirkelt, so dass ohne Kenntnis des Notenmaterials die Auseinandersetzung Konrad Langs mit Bach und Beethoven nicht wirklich nachvollziehbar ist.

Tatsächlich interessant wird die Auseinandersetzung mit Bach und Beethoven des Software-Entwicklers, Unternehmensberaters und Komponisten Konrad Lang in seiner Fugenbrücke für Violoncello solo (2011). Hier dialogisieren miteinander – klanglich wunderbar voneinander abgesetzt und somit stets bestens nachzuverfolgen – das Thema auf Beethovens Fugenfinale und das b-a-c-h-Thema aus dem dritten Satz der Lang-Sonate. Mehr noch: Beide Themen werden – bisweilen recht ironisch – schrittweise immer weiter ineinander geschoben, bis schließlich nach jedem einzelnen Ton von Thema zu Thema gewechselt wird. Was mir bei Konrad Langs Sonate etwas schwierig erschien, nämlich im Sinne des oben angeführten Zitats von einer Grenzüberschreitung und von revolutionärer Neuheit zu reden, hier in der Fugenbrücke ist es durchaus möglich. Komplettiert wird das Programm von Langs Rhythmischen Etüden für Klavier: teils einem Flickenteppich ähnliche Gebilde, teils ein Spiel mit freien Assoziationen.

Zweifellos handelt es sich bei den Konrad Lang-Werken um sehr ambitionierte Kompositionen. Insgesamt muss man auch von einer sehr beziehungsreichen und anspruchsvollen Produktion sprechen, in der Katharina Deserno und Nenad Lei mit einer fein ausgehorchten Duo-Kunst Beethoven nichts schuldig bleiben, mit viel Temperament der Musik Konrad Langs so manches Geheimnis zu entlocken suchen und es damit immer wieder schaffen, die doch sehr vehemente und leicht verstörende Tonsprache Konrad Langs etwas verständlicher zu machen.

Christof Jetzschke [04.07.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Lang Sonate für Violoncello und Klavier 00:23:16
4 L.v. Beethoven Sonate Nr. 5 D-Dur op. 102 Nr. 2 für Violoncello und Klavier 00:20:19
7 K. Lang Fugenbrücke für Violoncello solo 00:05:24
8 Rhythmische Etüden für Klavier 00:20:17

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Katharina Deserno Violoncello
Nenad Lečič Klavier
 
KAL 6315-2;4260164631526

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