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CD-Besprechung

Ludwig van Beethoven

Complete Works for Solo Piano - Volume 11

Ludwig van Beethoven

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 25.05.12

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 1673

1 CD/SACD stereo/surround • 74min • 2010

Ronald Brautigams musikalische und philologische Kompetenz für das Reich der Beethovenschen Klavierwerke ist mit der Gesamteinspielung der 32 Sonaten hinreichend und wohl kaum widersprochen belegt. Jetzt wechselt er das Terrain und widmet sich in Folge elf zum ersten Mal den Schätzen der unterhaltsamen, experimentellen, improvisatorischen und verwegen durchkonstruierten, in vielen Passagen hochvirtuosen Variationskomplexen. Sie sind im Katalog des Beethovenschen Schaffens in der Mehrzahl nicht mit offiziellen Opuszahlen gekennzeichnet, gehören also zur reichen Überlieferung von frühen Arbeiten, zum Komplex der von Beethoven nicht voll anerkannten Stücke, von Gelegenheitskompositionen, aber auch von solchen Projekten, bei denen es heute immer noch schwer fällt, ihre Rückstufung in der Wichtigkeits- und Anerkennenstabelle zu begreifen.

So zögere ich nicht, etwa die Variationen über den russischen Tanz Das Waldmädchen (WoO 72) oder die – hier noch nicht berücksichtigten – 32 c-Moll-Variationen (WoO 80) zu den vollgültigen Hinterlassenschaften zu rechnen – auf ähnlichem Niveau wie etwa mit die F-Dur-Variationen op. 34. Und die Repertoirevorlieben der beruflich konzertierenden Pianisten (und auch der Tonträger-Katalog) zeigen ja auch, wie attraktiv die in Frage kommenden Interpreten aller Altersstufen die genannten Stücke einschätzen. Emil Gilels beispielsweise setzte sich eine Zeit lang für die zum Teil auch nachdenklichen Waldmädchen-Verwandlungen ein. Nicht überschaubar ist die Zahl jener Pianisten, die mit den c-Moll-Variationen ihre Technik, ihr Temperament und ihre spielerisch-kontrollierte Triebhaftigkeit unter Beweis stellen, bald im offiziellen Abendverlauf, oft aber auch als Starkstrom-Hit mit heftig schwankender Energieamplitude, wenn es um erhöhte Saaltemperatur im Zugabenfinale geht …

Ronald Brautigam findet einen meiner Ansicht nach ebenso lehrreichen wie ergötzenden Ausgleich zwischen manueller Genauigkeit in allen Belangen technischer, nicht selten auch etüdenmäßiger Problemstellungen. Es ist ihm aber auch gegeben, den jeweils grundierenden Gedanken prägnant, atmosphärisch aufgeladen und dadurch anregend vorzustellen. Wie stets in seinen Einspielungen sind ihm die verwendeten Instrumente in hohem Maße dienlich, um mechanische Spritzigkeit und farbliche Front- und Zwischenwerte für eine Fülle von schillernden, hier besonders nötigen Wechselwirkungen gleichsam nach Belieben abzurufen. Dabei verliert er nie die gestalterische Übersicht und hütet sich auch, die technisch verlockenden Mobilitätsepisoden mit Impulsivität zu überfrachten. Die angesprochenen Instrumente stammen von dem prächtig arbeitenden Hammerflügel-Bauer Paul McNulty, dessen Kostbarkeiten im Rahmen dieser Folge von historischen Vorarbeiten der Firma Walter & Sohn, bzw. von Conrad Graf angeregt wurden.

Am Ende dieser Variationenfolge stehen die großformatigen Es-Dur-Inventionen über das berühmte „Eroica“-Thema, dessen tänzerische Entkrampfung Beethoven auch anderweitig verwertet hat. Brautigam zeigt sich allen manuellen Verschärfungen, zeigt sich den anspruchsvollen Links/Rechts-Kombinationen im Wechselspiel der Hände gewachsen, ja mehr noch: jederzeit findet er Zeit und Raum, den ihm anvertrauten Variationstypen bis hin zur Fugentheatralik eigene Richtung und unverwechselbaren Duft zu verleihen. So darf sich der Hörer sich ebenso sicher wie inspiriert durch das Werk geleitet fühlen. In der kleinen Reihe mir erinnerlicher Hammerklavier-Einspielungen dieser Variationen op. 35 reihe ich diese ganz oben ein – und im gesamten Angebot nimmt sie unter so charaktervollen Darbietungen wie jenen von Richter, Gould, Gulda, Korstick, Arrau oder Uhlig einen Platz an vorderster Stelle ein.

Vergleichsaufnahmen – Eroica-Variationen: Gulda (Genf 5.1951 /Archipel Records ARPCD 0336), Petersen (Genuin 86076), Gould (6.2.1961 Sony DVD 88697952109; 5.10.1952 CBC Records PSCD 20306), Gilels (Melodya 10 01132 /Moskau 20.10.1980, DG 453 733-2), Uhlig (Hänssler 98.599), Monnet (Doron music DRC 5031), Korstick (Oehms OC 619), Gulda (RIAS Berlin 17.1.1959 /Audite 21.404), Gulda (ORF 1957 /Orfeo C 808109 L), Pletnev (DG 457 493-2), Tiberghien (Harmonia mundi HMC 901775), Arrau (Philips 462 358-2, Naxos 8.110603 /1941)), Yudina (Great Pianists Philips 456 994-2).

Peter Cossé [25.05.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven 12 Variationen über den russischen Tanz a. d. Ballett Das Waldmädchen v. Wranitzky A-Dur WoO 71 WoO 71 00:09:36
2 Acht Variationen über Une fièvre brulante aus Richard Coeur de Lion v. Grétry WoO 72 00:06:07
3 Zehn Variationen über ein Thema von Salieri WoO 73 (La stessa, la stessissima) 00:09:23
4 Sieben Variationen über Kind, willst du ruhig schlafen WoO 75 00:10:15
5 Acht Variationen über Tändeln und Scherzen WoO 76 00:08:02
6 6 leichte Variationen über ein eigenes Thema G-Dur WoO 77 00:07:08
7 Variationen und eine Fuge über ein eigenes Thema Es-Dur op. 35 (Eroica-Variationen) 00:21:45

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ronald Brautigam Fortepiano
 
1673;7318599916736

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