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CD-Besprechung

Franz Liszt
Works for Violin and Piano Vol. 2

Franz Liszt<br />Works for Violin and Piano Vol. 2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 23.09.11

hänssler CLASSIC 98.634

1 CD • 54min • 2011

Liszts Œuvre für Violine und Klavier – größtenteils handelt es sich um Umarbeitungen früherer Werke, etwa Klavierstücke oder Lieder – fristet im Konzertbetrieb wie auf Tonträgern ein kaum oder gar nicht beachtetes Dasein. Leider. Denn was der Geiger Friedemann Eichhorn und sein Klavierpartner Rolf-Dieter Arens auf Folge 2 ihrer Gesamteinspielung der Werke Franz Liszts für diese Besetzung präsentieren, braucht sich keineswegs verstecken. Zwar hat das Klavier trotz einer überwiegend gleichberechtigten Partnerschaft weitaus mehr zu tun als die Violine. Aber auch der Geiger sieht sich technischen und klanglichen Anforderungen gegenüber, die – angeregt durch Liszts Freundschaft mit den Geigenvirtuosen Charles Pilippe Lanfont, Joseph Joachim und Ede Reményi – bisweilen Paganinische Dimensionen erreichen. Umso bewundernswerter ist es, dass Eichhorn und Arens technisch, musikalisch und emotional nicht nur ohne Fehl und Tadel, sondern auf ein und derselben Wellenlänge agieren. Absoluter Gleichklang, selbst in der Klangfarbenvielfalt und in einzelnen Tonmodulationen bestimmt beispielsweise ihre Wiedergabe des aus Il penseroso (2. Buch Années de Pèlerinage) abgeleiteten Stücks La Notte, womit sie punktgenau dessen von Friedemann Eichhorn im CD-Booklet folgendermaßen beschriebene emotionale Grundhaltung und Entwicklung treffen: „Der Trauermarsch ist zunächst an Dunkelheit und Morbidität kaum zu überbieten, bis Liszt im Mittelteil die dunklen Klangwolken gleichsam aufreißt und die Komposition dolcissimo in gleißendes Licht taucht."

Innig und sehr beredt, mitunter hoch expressiv gestalten Eichhorn und Arens auch den Rest des Programms, ohne dass sich jemand in den Vordergrund spielt oder spielen müsste. Pralles Leben spricht aus der Rapsodie hongroise XII, einer in Sachen Form und Stimmführung sehr weit gehenden Bearbeitung der zwölften Ungarischen Rhapsodie für Klavier solo. Mit beeindruckendem Spielwitz steigern sich Eichhorn und Arens in ihrer durchaus beseelt zu nennenden Deutung von einem intimen zu einem leidenschaftlich erregten Dialog. Ebenso in dem Duo sur des thèmes polonais, einer großen Fantasie, deren nie erlahmende Spannung von beiden Künstlern auch mit Hilfe wunderbarer klangfarblicher Facetten und bestens ausgeloteter Stimmungswechsel hervorragend abgebildet wird. Zwei unbeschwert gefühlvolle Walzer und die schmerzhafte Zelle in Nonnenwerth – jeweils sehr elastisch in ihrer Lesart – zeigen Eichhorn und Arens noch einmal als zwar recht kultivierte, aber in erster Linie doch als fantasievolle und brillante Gestalter. Als Zugabe gibt es noch das angeblich von Walther von der Vogelweide bei einem Sängerfest auf der Wartburg vorgetragene Lied Der Mönch und die Nonne (aus den Wartburg Liedern S345) oben drauf, mit dem Tenor Uwe Stickert und einer hinzugefügten Violinstimme – ein Schmankerl, dass die Stimmung der gesamten CD recht eindrücklich widerspiegelt.

[23.09.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Liszt Rapsodie hongroise Nr. 12 S 379a 00:10:38
2 Die Zelle in Nonnenwerth S 382bis 00:06:15
3 Zwei Walzer S 126b 00:02:55
4 Duo sur des thèmes polonais S 127 00:19:29
5 La notte S 377a 00:10:29
6 Walther von der Vogelweide S 345/3a 00:04:09

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Friedemann Eichhorn Violine
Rolf-Dieter Arens Klavier
Uwe Sticker Tenor
 
98.634;4010276024699

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