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CD-Besprechung

Remembering JFK
50th Anniversary Concert

Remembering JFK<br />50th Anniversary Concert

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 5

Besprechung: 08.06.11

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Ondine ODE 1190-2D

2 CD • 2h 06min • 2011

Die Feste feiern, bevor sie verfallen: Den cantus firmus der Branche scheint man für diese Veröffentlichung im dreifachen forte gesungen zu haben, und das im Sekundkanon mit der nicht minder beliebten Weise „Jedes Geschäft ist besser als kein Geschäft!“ Anders kann ich mir nicht erklären, wie jemand auf den Gedanken kommen konnte, den 50. Jahrestag des Inaugurationskonzertes für John F. Kennedy zum Thema einer CD-Produktion zu machen, die nicht einmal das historische Programm mit neuen orchestralen und solistischen Mitteln nachspielt, sondern das völlig irrelevante Jubiläum im ? allerdings betörenden ? Breitwandsound dreier Stücke begeht, deren Aufführung nur durch raffinierte Winkelzüge zu begründen ist.

Gewiß wird man argumentieren, daß Leonard Bernsteins Fanfare zur Inauguration John F. Kennedys ganz unbedingt den historischen Aspekt repräsentierte und man nur deshalb seine sinfonischen Tänze aus der West Side Story hinzugefügt habe, weil die vierzig Sekunden, die „Lennie“ vor fünfzig Jahren vermutlich beim Frühstück hingekritzelt hat, einfach zu wenig für die ASCAP-Abrechnung gewesen wären. Ferner dürfte Remembering JFK (An American Elegy) des vor wenigen Wochen in Tel Aviv verstorbenen amerikanischen Komponisten Peter Lieberson damit zu rechtfertigen sein, daß die darin verwendeten Texte aus Reden Kennedys stammten und der, als Schauspieler jenseits aller Kritik stehende Richard Dreyfuss (Der weiße Hai, Was ist mit Bob?, Stake out) mit authentischen Worten von demselben „Weltfrieden“ spricht, den Sandra Bullock als Miss Undercover so bewegend zum Ziel der Menschheit erklärt. Und schließlich sollten wir begreifen, daß der Klavierspieler Tzimon Barto das Concerto in F nur darum so arg verschleppt, weil es sich bei der Darbietung um eine besondere Feierlichkeit handelte und der prickelnde Jazz zwangsläufig „tiefergelegt“ und „verbreitert“ werden mußte: Sage und schreibe 38 Minuten brauchen die Musiker des National Symphony Orchestra unter der Leitung von Christoph Eschenbach, um auch den letzten Tropfen Sentimentalität aus einer doch gar nicht wehmütigen Partitur herauszuquetschen ...

Doch nicht alles ist verloren. Immerhin gibt es als Bonus eine zweite CD, die das Gedenkprogramm in den Schatten stellt: die live-haftige Rundfunkübertragung vom 19. Januar 1961, die eigentlich nur noch von den Londoner Hoffnung Festivals üübertroffen wurde. Man denke sich einen Moderator – prachtvolle Mikrophonstimme übrigens –, der immer wieder erklären muss, dass das Konzert nicht in der ursprünglich beabsichtigten Reihenfolge stattfinden kann, weil ein Schneesturm kolossalen Ausmaßes über Washington tobt. Die Programmhefte konnten nicht geliefert werden, diverse Musiker kommen erst im Laufe der Veranstaltung auf die Bühne, Nachzüügler im Publikum haben die Gelegenheit, zwischendurch ihre teuren Plätze einzunehmen: Hätte John F. Kennedy diese Omen begriffen, dann wäre er noch am selben Abend hinter Lyndon B. Johnson zurückgetreten.

So aber bekam er nach dem Star Spangled Banner eine Festouvertüre namens From Sea to Shining Sea des Komponisten John La Montaine zu hören, an deren Stelle man vielleicht besser die Grand Grand Overture für Staubsauger, Bohnermaschinen und Riesenorchester von Malcolm Arnold gespielt hätte, und Randall Thompson steuerte den ersten Satz seiner Kantate The Testament of Freedom (1943) bei, in dem sich die Männerstimmen des Georgetown University Glee Club mit dem National Symphony Orchestra zu knapp dreieinhalb Minuten amerikanischer Musik vereinten. Alles wird mit höflichem Beifall bedacht. Bis sich endlich Earl Wild an den Flügel setzt und das Solo der Rhapsody in Blue spielt. Da vergessen wir bereitwilligst Wind, Wetter, wunderliche Werkauswahl von einst und jetzt und lassen uns fortreißen von einem Pianisten, der nicht nur ein exorbitanter Virtuose war, sondern dazu ein solches Temperamentsbündel, dass er – ich erinnere hier nur an die völlig konkurrenzlosen Rachmaninoff-Konzerte mit Jascha Horenstein und dem Royal Philharmonic Orchestra – jede noch so vertraute Klavierstimme zu einem aberwitzig neuen Erlebnis machte. Und das nicht, weil er um jeden Preis hätte originell sein wollen, sondern weil das, was er aus seinen Partien heraushörte, herausmeißelte und heraussang, in eben diesen Partien auch vorhanden war. Sein Gershwin vom 19. Januar 1961 ist ein Paradebeispiel dafür und zugleich der überaus versöhnliche, dankbar entgegengenommene Abschluß einer ansonsten etwas eigentümlich konzipierten Doppel-CD. Die nachfolgende Benotung versteht sich als bloße Annäherung an die besten Teile.

Rasmus van Rijn [08.06.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L. Bernstein Fanfare for the Inauguration of John F. Kennedy 00:00:40
2 P. Lieberson Remembering JFK (An American Elegy, Texte: Ausschnitte aus Reden Präsident Kennedys) 00:15:30
3 L. Bernstein Sinfonische Tänze (aus: West Side Story) 00:23:08
12 G. Gershwin Concerto in F für 2 Klaviere und Orchester 00:38:06
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
2 J.St. Smith The Star-Spangled Banner 00:01:19
4 J. La Montaine From Sea to Shining Sea (Ouvertüre) 00:07:36
6 R. Thompson The Testament of Freedom (1. Satz) 00:03:19
8 G. Gershwin Rhapsody in Blue für Klavier und Orchester 00:15:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Tzimon Barto Klavier
The National Symphony Orchestra Orchester
Earl Wild Klavier
Christoph Eschenbach Dirigent
Howard Mitchell Dirigent
 
ODE 1190-2D;0761195119020

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