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CD-Besprechung

Leupold Trio - Con chitarrone

Italian sonatas from early renaissance to baroque

Challenge Classics CC72369

1 CD • 75min • 2010

20.12.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wenn man für die Aufführung generalbassbegleiteter Sonaten als Gegenpart zum Soloinstrument ein Cembalo wählt, dann ist das historisch betrachtet keineswegs falsch, aber es ist auch nicht unbedingt richtig. Denn im Generalbasszeitalter, im Frühbarock und im Barock wäre der Verzicht auf zusätzliche weitere Continuoinstrumente wie das Violoncello oder die Gambe, aber auch auf die Laute oder die Barockharfe gleichsam als „Sparmaßnahme“ verstanden worden, lag doch den ausführenden Musikern daran, den Part des Generalbasses abwechslungsreich und farbig auszugestalten.

Wenn das Leupold Trio in seiner neuen Einspielung italienischer Sonaten aus Renaissance und Barock auf das Cembalo verzichtet und zur klanglichen Unterfütterung der solistischen Partien von Violine und Violoncello einen Chitarrone einsetzt, also eine Basslaute, deren überlanger Hals zusätzlich noch tiefe Bordunsaiten aufnimmt, so ist das alles andere als farblos. Denn ein solch vollklingendes, auch „Erzlaute“ genanntes Instrument erlaubt im Gegensatz zum Cembalo ein sehr differenziertes Spiel mit Dynamik und Klanggebung, was der vorzügliche Lautenist Sören Leupold nachdrücklich zu unterstreichen vermag.

Die Wahl dieses Instruments erweist sich in allen für die Einspielung ausgewählten Werken aus einem Entstehungszeitraum von mehr als einem Jahrhundert, von Girolamo Frescobaldi, Dario Castello und Biago Marini bis hin zu Johann Rosenmüller, Domenico Gabrielli, Arcangelo Corelli und Antonio Vivaldi, als ein richtungsweisendes gestalterisches Element, das in die Darstellung einen frischen Schwung, viel Abwechslung und einen immensen Farbenreichtum bringt. Dass diese Aufnahme so überzeugend gelungen ist, liegt aber auch an den beiden Solopartnern Leupolds, der Geigerin Eva Stegmann und dem Cellisten Wouter Mijnders. Sie alle gehen den ganz unterschiedlichen Werken mit Elan wie auch Einfühlungsvermögen auf den Grund, sie entdecken dabei überraschende Aspekte, die man in dieser Musik nicht ohne weiteres vermuten würde, und sie verstehen es, den Hörer ganz in die Musik hineinzunehmen und ihn mit diesen Werken vertraut zu machen. Immer wieder führen sie ihn gleichsam auf das eigentliche musikalische Ziel hin. Das ist überwältigend.

Beide Solisten spielen überdies auf überragendem Niveau, voller Präsenz, Vitalität und Strahlkraft die Geigerin etwa in der Sonata seconda aus Dario Castellos „Sonatae concertatae in stile moderno“, und der Cellist fasziniert in Domenico Gabriellis Sonata in G mit einem edel aufblühenden Ton und mit runder Wärme geführter Klangsättigung. Wenn die beiden Solisten dann noch in Antonio Bertalis Sonata a due in einen geschmeidigen Dialog treten, in Biago Marinis Romanesca per violino solo e basso se piace mit einer breiten Palette der Tonbildung deren tänzerischen Elan herausstellen, wenn sie die variative Kraft in Arcangelo Corellis Sonata Nr. 12 La Follia in höchster Vielschichtigkeit und umwerfender Lebhaftigkeit nachzeichnen – dann ist das Hörglück perfekt. Und dies auch, weil die Tontechnik (Andreas Neubronner, Tritonus) all dies in einer fantastischen Plastizität eingefangen hat.

Thomas Bopp [20.12.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Costanzo Festa
1Canzona Nr. 4 00:04:00
Dario Castello
2Sonata seconda (aus Sonatae Concertate in Stil Moderno) 00:05:55
Gregory Huwet
3Fantasie 00:04:36
4Sonata G-Dur 00:06:00
Antonio Bertali
5Sonata à 2 00:08:14
Biagio Marini
6Romanesca per violino solo e basso se piace 00:05:11
7Sonata ottava (aus Sonatae Concertate in Stil Moderno) 00:05:13
Dario Castello
8Sonata III in d (a 2) 00:04:57
John Dowland
9Lachrimae 00:04:21
Giovanni Paolo Cima
10Sonata per il violino (aus Concerti ecclesiastici) 00:04:10
11Sonata RV 44 00:10:55
Arcangelo Corelli
15Violinsonate d-Moll op. 5 Nr. 12 (La Follia) 00:11:03

Interpreten der Einspielung

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