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CD-Besprechung

Michael Korstick
The Beethoven Cycle Vol. 6

Michael Korstick<br />The Beethoven Cycle Vol. 6

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 25.06.09

Klassik Heute
Empfehlung

OehmsClassics OC 619

1 CD/SACD • 66min • 2007

Es gibt diese äußerst seltenen Fälle, die schon nach wenigen Takten den Eindruck vermitteln, als passe hier einfach alles, ohne dies an bestimmten Punkten festmachen zu können. Teil 6 von Michael Korsticks Beethoven Zyklus, beginnend mit dem pochenden Bass der Pastoral-Sonate, gehört dazu. Seine Interpretation eben dieser Sonate Nr. 15 D-Dur op. 28, sowie die der Variationen op. 34 und op. 35 sind kann man nur als wissend und verantwortungsbewusst bezeichnen. Exzentrik sucht man vergebens. Vorausgesetzt, man versteht die immer wieder scharfkantig und mit unerbittlicher Härte herausgemeißelten Ton- und Akkordfolgen nicht als etwas um einer persönlichen Note willen Extravagantes, sondern als einen Aspekt von Michael Korsticks kompromissloser Werktreue, die keinen einzigen Ton, auch keine noch so unscheinbare Vortragsanweisung unterschlägt. Dass dem Blick des Pianisten nichts entgeht, dafür sei als Beispiel die letzte der sechs Variationen F-Dur op. 34 mit ihrem über fast die gesamte Klaviatur verteilten Triller- und Passagenwerk genannt. Gerade diese Triller zeugen nicht nur von Korsticks phänomenaler Anschlagskultur, sondern auch von seiner Fähigkeit zu feinsten Klangmodulationen, der man aufgrund seiner glasklaren und manchmal schneidenden Artikulation leider nur selten gewahr wird.

Die Liebe zum Detail innerhalb eines großen epischen Gestaltens, verbunden mit andächtiger, aber schnörkelloser Innigkeit, gleichzeitig auch mit einer fast provokanten Leichtigkeit im Freilegen der kompositorischen Strukturen und der formalen Schlüssigkeit eines jeden hier in bester Klangqualität vorliegenden Werks: Michael Korsticks dem ersten Anschein nach nüchterne, gleichwohl von kaum zu überbietender Ausdrucksintensität geprägte Beethoven-Vermittlung wirkt geradezu narkotisch. Mit welcher Übersicht und inneren Ruhe er den unterschiedlichen Stimmungen der grandiosen Eroica-Variationen entgegentritt, wie selbstverständlich er deren zum Zerreißen gespannten Kräfte bändigt und sie bis hinein in die Schlussfuge in eine jederzeit bezwingende Lesart überführt, das ist beinahe unfassbar. Ebenso das Betonen oft extremer Gegensätze in Ausdruck und Dynamik, was vor allem den motivischen Entwicklungen der Pastoral-Sonate op. 28 eine Eindringlichkeit und unbedingte Gespanntheit beschert, wie sie mir so noch nicht begegnet ist. Korstick zelebriert im Kopfsatz eben keine idyllische Atmosphäre, keinen langsam sich entfaltenden oder gar gesanglichen Erzählton. Er setzt weniger auf organische Steigerungswellen, als vielmehr auf den Kontrast und das eruptive Moment als Mittel der Gliederung und Spannungserzeugung. Und bewahrt sich doch auch – unter den Folgesätzen besonders im marschähnlichen Andante – eine gewisse Nachdenklichkeit. So, als sei er auf der Suche danach, wie diese Musik zu Beethovens Zeit geklungen und auf das Publikum gewirkt haben mag. Wie Michael Korstick sie (auf einem modernen Instrument) spielt, das – so jedenfalls mein Eindruck schon nach den ersten paar Takten dieser exzellenten Beethoven-Einspielung – hat aber nicht einfach etwas mit dem Streben nach absoluter Texttreue zu tun. Vielmehr vermittelt seine Kunst ein scheinbar instinktives Wissen um den stets richtigen „Ton“.

Christof Jetzschke [25.06.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klaviersonate Nr. 15 D-Dur op. 28 (Pastorale) 00:26:51
5 Sechs Variationen über ein eigenes Thema op. 34 00:13:56
12 Variationen und eine Fuge über ein eigenes Thema Es-Dur op. 35 (Eroica-Variationen) 00:25:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Michael Korstick Klavier
 
OC 619;4260034866195

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