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CD-Besprechung

Robert de Visée Musique pour la chambre du Roi

Sieben Suiten für den "Sonnenkönig" Ludwig XIV.

Christophorus CHR 77306

1 CD • 68min • 2008

29.05.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Ich habe mich stets befleißigt, mich dem Geschmack der kunstfertigen Meister anzupassen, indem ich meine Stücke, soweit dies in meinen schwachen Kräften stand, im Stil des unübertroffenen Meister Monsieur de Lulli komponierte. Diese Worte stellte Robert de Visée (ca. 1660 – ca. 1732) im Jahr 1682 seiner ersten gedruckten Notenausgabe voran, bekannte sich hiermit eindeutig zum goût français und bewies gleichzeitig noch diplomatisches Geschick, indem er sich vor Jean-Baptiste Lully (1632-1687), dem allmächtigen Surintendant de la Musique du Roy, verbeugte. Schon durch seine musikalischen Fähigkeiten zählt Visée gewiss zu den besten Meistern des französischen grand siècle auf der Laute, der Theorbe und der Gitarre; doch dürfte auch diese Untergebenheitsgeste dazu beigetragen haben, dass er seit 1698 ganz in die Nähe der prachtvollen Versailler Hofhaltung des Sonnenkönigs rückte: Er wird als Gitarrist vor Ludwig XIV. erwähnt, spielte auch vor dem Dauphin und wirkte an der Seite so berühmter Persönlichkeiten wie Antoine Forqueray und François Couperin in den Kammerkonzerten beim Prinzen von Condé und der Madame Maintenon mit. Den begehrten Titel eines Maître de guitarre du Roy erhielt Visée freilich erst 1719, als der Sonnenkönig bereits vier Jahre tot war – aus der letzten Gehaltsanweisung an den Musiker im Jahr 1732 kann das früheste Todesjahr Visées geschlossen werden, dessen genaue Lebensdaten nicht überliefert sind.

1716 gab Visée eine instrumentierte Fassung von Stücken für Laute bzw. Theorbe solo heraus, die offensichtlich vorher zur abendlichen Unterhaltung Ludwigs XIV. erklungen sind. Nur ein Jahr nach dem Tod des Sonnenkönigs durfte also jeder, der es sich leisten konnte, die Musik zu eigenem Vergnügen kaufen, die zuvor der exklusiven Privatunterhaltung des allem Profanen enthobenen Monarchen gedient hatte. Obendrein wendete sich diese Veröffentlichung an ein breites Publikum, da die Bearbeitungen des komplizierten Lautensatzes für ein Melodieinstrument mit Bass eine willkommene Vereinfachung darstellte. Der abgehobene Glanz von Versailles hatte sich offensichtlich ebenso überlebt wie die schwer zu beherrschende Solomusik für Laute und Theorbe, die im weiteren Lauf des 18. Jahrhunderts sogar ihre bedeutende Rolle als Begleitinstrumente einbüßten – die letzte Erwähnung einer Theorbe im Pariser Opernorchester datiert aus dem Jahr 1726.

Diese Suiten vereinen mit Grazie und Eleganz alle rhetorischen und affektiven Kunstmittel, durch die französische Kammermusik dieser Epoche sich auszeichnet. Tänze und Charakterstücke vereinen sich zu einem Reigen, der die Zeitgenossen sicherlich noch zu weit mehr aktuellen Assoziationen einlud, als Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts nachvollziehen können. Karsten Erik Ose macht sich allerdings mit Virtuosität und Einfühlungsvermögen zum berufenen Dolmetscher der ganzen Skala von Emotionen – von Melancholie und Tiefsinn bis zu Stimmungen gelöster Heiterkeit, die in diesen Stücken aufscheinen. So dürfen wir uns auch heute noch am musikalischen Abendvergnügen ergötzen, mit dem der Sonnenkönig in seinen Privatgemächern seinen Tageslauf abzuschließen pflegte.

Einen Punkteabzug gibt es beim Klangbild, das die Begleitinstrumente wenig differenziert neben dem stets im privilegierten Vordergrund agierenden Soloinstrument in den Schatten stellt und so den Intentionen Oses zuwiderläuft, sich nicht mit brillanter Virtuosenallüre von seinen Ensemblemitgliedern abzusetzen.

Detmar Huchting [29.05.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Visée
1Suite en la mineur 00:12:15
9Suite en sol majeur 00:08:01
15Suite en ré mineur 00:08:36
19Suite en la mineur 00:11:25
26Suite en do mineur 00:11:15
34Suite en mi bémol majeur 00:07:06
39L' erreur fatal (Prélude) 00:00:29
40Suite en mi mineur 00:08:17

Interpreten der Einspielung

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