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CD-Besprechung

cpo 777 379-2

1 CD • 55min • 2007

27.07.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Klassik Heute
Empfehlung

Es war bestimmt keine Liebe auf den ersten Blick, die mich für die beiden hier eingespielten Sinfonien des deutsch-französischen Grenzgängers Théodore Gouvy (1819-1898) eingenommen hat. Zu sehr verblüffte mich anfangs der vermeintliche Modeschmuck, den mir der wohlhabende Komponist aus bestem saarländischen Hause nach weit berühmteren Vorlagen gefertigt zu haben schien: Schumann und Mendelssohn mit gewissen durchführenden Zutaten aus dem Beethovenschen Motiv-Musterkatalog, hin und wieder mit einem eher französisch getönten Flair versehen (immerhin hatte sich der Mann in Paris ausbilden lassen) – das wirkte anfangs gar nicht so persönlich wie das große Requiem, das ich bislang als einzige Tonschöpfung aus der Feder dieses Herrn Gouvy kannte.

Es blieb dabei jedoch wieder einmal dieses wunderliche Gefühl, den Stab nicht vorzeitig brechen, sondern lieber noch das eine oder andere Mal hinhören zu sollen. Und mit jeder der inzwischen fünf oder sechs Durchgänge offenbarten die Sinfonien eine größere Eigenständigkeit von jener Art, die einen zwar nicht gleich anspringt, weil sie sich mit äußerster Natürlichkeit der Sprachen ihrer Zeit bedient, sich dafür aber desto nachdrücklicher und angenehmer eingräbt: Die feine, leuchtende, phantasievolle Orchestration, die zum großen Teil sehr zündend erfundenen Themen (der Nebengedanke aus dem Kopfsatz der dritten Sinfonie ist ein Wunder musikalischer Spannkraft, das jedem noch so großen Bau zur Ehre gereichte), die kapriziöse, irgendwo zwischen Berlioz, Schumann, Mendelssohn und Raff umhergeisternden Scherzi und die schön ausgezirkelten Dimensionen der beiden Schöpfungen prägen sich mit wachsendem Behagen ein, bis man sich plötzlich dabei ertappt, die eine oder andere Melodie „behalten“ zu haben und nicht mehr hergeben zu wollen.

Dann erst werden wir auch wirklich zu würdigen wissen, welche Leistung der Dirigent Jacques Mercies am Pulte der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern vollbracht und mit wie großem Einfühlungsvermögen er das kostbare Leben der beiden Sinfonien aufgespürt hat. Daß dabei meines Erachtens dem hinreißend schönen, weit gespannten Bogen des Larghetto con moto aus der dritten Sinfonie op. 20 die Krone gebührt, bitte ich als eine gänzlich subjektive Wertung zu betrachten: Dieser Satz war es als erster, der mich in die Musik hineingezogen und auf die Juwelenkollektion hingewiesen hat, die sich in diesen beiden Partituren verbirgt. Daß ich jetzt wissen will, wie’s weitergeht, versteht sich von selbst.

Rasmus van Rijn [27.07.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Louis Théodore Gouvy
1Sinfonie Nr. 3 C-Dur op. 20 00:31:45
5Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 30 00:23:21

Interpreten der Einspielung

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