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CD-Besprechung

Wolfgang Amadeus Mozart The Violin concertos

Glossa GCD 921108

2 CD • 2h 16min • 2002, 2000, 2005

06.03.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

In den Jahren 1990/91 hat Thomas Zehetmair erstmals die fünf Mozart-Violinkonzerte eingespielt, damals mit dem Londoner Philharmonia Orchester und ergänzt durch das in seiner Echtheit angezweifelte Konzert KV 271a. Nun legt er zusammen mit dem Orchestra of the Eighteenth Century seine zweite Gesamtaufnahme vor, die sich auf die zweifelsfreien Werke beschränkt und dazu die Sinfonia concertante KV 364 für Violine und Viola enthält. Bei der Neuveröffentlichung handelt es sich durchweg um Liveaufnahmen, die zwischen 2000 und 2005 in verschiedenen Sälen in Holland und Brasilien entstanden sind. In der alten Aufnahme hatte Zehetmair durchgehend in Personalunion als Solist und Ensembleleiter fungiert, in der Neuveröffentlichung überließ er für die Sinfonia concertante und die Konzerte Nr. 2 und 3 die Leitung dem Chefdirigenten des Ensembles, Frans Brüggen.

Schon die früheren Aufnahmen machten deutlich: Zehetmair verfügt über eine saubere Grifftechnik und einen klaren, schlanken Ton, der ihn zum hervorragenden Mozart-Spieler prädestiniert. Zehetmairs Ansatz bei der Wiedergabe der Soloparts hat sich nicht grundsätzlich verändert, jedoch spiegelt er mit einer Zurücknahme des Vibratos und einer etwas kleinteiligeren Artikulation die Hinwendung zur historisierenden Aufführungspraxis wieder, die sich bereits in der Wahl des Begleitensembles ausdrückt. Dabei treten verstärkt musikalische Eigenheiten hervor, die eher iritierend wirken. Die durchweg straffen Tempi nehmen den Ecksätzen einiges an Charme, zudem sind sie (Tribut an den Livemitschnitt ?) nicht immer kontinuierlich durchgehalten. In den Mittelsätzen findet keine charakterliche Unterscheidung zwischen Adagio und Andante statt. Aufgepfropfte Crescendi können ebensowenig überzeugen wie maniriert langsam angesetzte Triller oder Zehetmairs penetrante Neigung, den Abschlußton einer Phrase zu betonen (wobei simple Gegebenheiten wie das Verhältnis Vorhalt-Auflösung schlichtweg ignoriert werden).

Der Orchesterklang fällt in der Neueinspielung erheblich rauher und kantiger aus als in der früheren Aufnahme. Im Piano erfreut die Durchhörbarkeit, die manch reizvolles Wechselspiel zwischen den Streicherstimmen ungetrübt zur Geltung bringt. Das Forte hingegen erscheint – auch unter Frans Brüggens Dirigat – unstrukturiert, hier bleibt die motivische Arbeit vielfach unterbelichtet und oft decken liegende Synkopen die Thematik in den anderen Stimmen zu. Mozartsche Eleganz und Geschmeidigkeit findet man wenig, und hinter der Eloquenz von Kremer/Harnoncourt bleibt diese Version im Ausdruck um einiges zurück.

Am besten gelungen erscheint auf der ersten CD das B-Dur-Konzert KV 207, aufgenommen 2002 in Curitiba/Brasilien. Auf der zweiten CD kann die Wiedergabe der Sinfonia concertante – einer höchst willkommenen Ergänzung des Programms – mit dem Vorzug punkten, dass die ausgezeichnete Bratscherin Ruth Killius mit scordatura spielt, d.h. wie von Mozart vorgeschrieben mit einer um einen Halbton höher gestimmten Viola, was den Klang brillanter macht und dem der Violine annähert. Hier ist im Presto-Finale das schnelle Tempo einmal wirklich gerechtfertigt und absolut überzeugend.

Insgesamt also eine Einspielung mit Licht und Schatten, sicherlich nicht das letzte Wort in Sachen Mozart-Konzerte. Vielleicht auch nicht von Zehetmair.

Sixtus König † [06.03.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Violinkonzert Nr. 1 B-Dur KV 207 00:19:45
4Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 00:20:35
7Konzert Nr. 5 A-Dur KV 219 für Violine und Orchester 00:25:50
CD/SACD 2
1Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 für Violine, Viola und Orchester 00:28:03
4Konzert Nr. 3 G-Dur KV 216 für Violine und Orchester 00:22:19
7Violinkonzert Nr. 2 D-Dur KV 211 00:18:47

Interpreten der Einspielung

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