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CD-Besprechung

Rossini Gioachino: Adelaide di Borgogna (Dramma per musica in zwei Akten)

Opera Rara 2 CD ORC32

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 16.01.07

Klassik Heute
Empfehlung

Opera Rara ORC32

2 CD • 2h 09min • 2005

ln der Rossini-Literatur wird dieses Werk meistens nur ganz nebenbei erwähnt: Erfolglos, unbedeutend, schwache Komposition, nicht auf der Höhe der Meisterwerke; Urteile aus alter Zeit, seither hundertmal wiederholt. Für das Label Opera Rara spielen solche Bewertungen keine Rolle, denn dort gilt das Motto: die Kenntnis der Werke ist besser und wichtiger als sämtliche tradierten Meinungen. Wieder einmal muß man dem mutigen Label zu einer gelungenen Opernausgrabung gratulieren. Rossinis zweiaktigeOper Adelaide di Borgogna wurde am 19. August 2005 beim Edinburgh Festival konzertant aufgeführt, der Live-Mitschnit steht nun den Freunden von Opernraritäten zur Verfügung.

Gewiß gehört diese Adelaide nicht zu den Geniewerken Rossinis, insofern haben die kritischen Einschränkungen Berechtigung. Die Oper, am Ende des Jahres 1817 im römischen Teatro Argentina erstmals aufgeführt, steht in unmittelbarer Nähe von Glanzstücken wie La Cenerentola und La gazza ladra. Wenn man zu den genannten Werken auch noch Armida hinzufügt, dann hat man Rossinis Opernquartett aus dem Jahre 1817 vollständig beisammen. Wen kann es bei solcher Herkulesarbeit verwundern, daß der Strom der Erfindung bei diesem Werk dann und wann aussetzt und der Komponist sich über weite Strecken mit reiner Handwerksarbeit, mit kompositorischer Meterware weiterhalf? Schon die Zeitgenossen warfen Rossini vor, sich allzusehr aufs Rekapitulieren zu verlegen: Ein musikalischer Pelikan, der sich vom eigenen Fleisch ernährt. Das Werk verschwand bald von den italienischen Bühnen und erst in neuerer Zeit, zuletzt 2006 in Pesaro, läßt sich ein Aufleben feststellen. Als möglicher Grund für den damals geringen Anklang könnte man die zentrale Tenorpartie des Adelberto ansehen, denn der gehört ins Reich der Finsterlinge und Intriganten. Tenöre erlebt man gerne als schwärmerische Liebhaber, nicht aber als Negativ-Gestalten.

Ein schwaches Werk? Auf einzelne Passagen mag das zutreffen: es finden sich jedoch auch in dieser Partitur immer wieder musikalische Perlen, brillante Ensembles, furiose Finalstücke, bravouröse Arien und zahlreiche Chöre, kurzum: immer wieder Rossini auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Reminiszenzen an frühere Opern gibt es in Hülle und Fülle, aber auch musikalische Vorausblicke auf das Spätwerk, bis zum Wilhelm Tell. Wer Rossinis sanguinisches Temperament schätzt, wird in dieser Oper auf viele kostbare Fundstücke stoßen, sogar an pfiffigen Motiven aus der Welt der Buffo-Oper herrscht kein Mangel, obwohl es sich hier um ein ernsthaftes „dramma per musica“ handelt.

Adelaide di Borgogna ist eine Historienoper (Libretto: Giovanni Federico Schmitt), spielt im dunklen zehnten Jahrhundert, und hat den Sieg Otto des Großen (Ottone) über Berengar (Berengario) und seine Vermählung mit Adelheid (Adelaide) zum Thema. Ottone ist ein Fixstern der alten italienischen Oper. In der Barockzeit wurde die Rolle von Kastraten gesungen, bei Rossini hat sich bereits eine Art Wachablöse vollzogen und der Part wurde für die Mezzosopranstimme gesetzt.

Adelaide und Ottone sind die beiden großen Bravourpartien der Oper, sie sind mit Majella Cullagh und Jennifer Larmore absolut zufriedenstellend besetzt. Majella Cullaghs lichter Sopran besticht weniger durch Brillanz als durch sympathischen, warmherzigen Vortrag. Und Jennifer Larmore bietet mit ihrer dunklen, flüssigen Mezzostimme, die nur in der tieferen Lage einen hohlen Klang annimmt, den passenden Widerpart. Beide Sängerinnen werden vom Publikum mit reichem Beifall bedacht. Wie oft bei opera rara hat auch diesmal Bruce Ford den Tenorpart inne. Dieser Adelberto ist gewiß kein „Fressen“ für Tenöre, doch sind ihm mehrere ausgiebige Kantilenen anvertraut. Was Bruce Ford kann – und das ist, wie man weiß, sehr viel – bekommt man hier neuerlich zu hören. Von einem Sänger mit dieser Stimmbeherrschung, mit diesem fabelhaften Tonumfang auch noch bestrickenden Wohllaut einzufordern, wäre pure Anmaßung. Mit Mirco Palazzi stellt sich ein neuer basso profondo von beachtlichen Qualitäten vor, Rebecca Bordone läßt eine angenehme Sopranstimme vernehmen, beide klingen jedoch zu jugendlich für Mütter- bzw. Väterrollen. Eine ausgezeichnete Leistung bietet das Scottish Chamber Orchestra unter Giuliano Carella, die Instrumente funkeln und blitzen, die Wiedergabe besitzt Feuer und Vitalität. Etwas eckig klingen die Männerstimmen im Chor.

Hervorragend die Ausstattung der Kassette: es gibt einen umfassenden Kommentar von Jeremy Commons zur Werkgeschichte (englisch) sowie eine Inhaltsangabe auf deutsch, dazu den kompletten Text (italienisch/englisch) einschließlich jener Stellen der Rezitative, die in der Aufführung gestrichen wurden.

Clemens Höslinger [16.01.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Rossini Adelaide di Borgogna (Dramma per musica in zwei Akten)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Majella Cullagh Adelaide, Witwe Lotarios, des Königs von Italien - Sopran
Jennifer Larmore Ottone, Deutscher Kaiser (Otto I.) - Mezzosopran
Bruce Ford Adelberto, Berengarios Sohn - Tenor
Mirco Palazzi Berengario - Baß
Rebecca Bottone Eurice, Beregarios Gattin - Sopran
Ashley Catling Ernesto, ein Offizier Ottones - Tenor
Mark Wilde Iroldo, ehemaliger Statthalter von Carnoso - Tenor
Scottish Chamber Orchestra Chorus Chor
Scottish Chamber Orchestra Orchester
Giuliano Carella Dirigent
 
ORC32;0792938003221

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