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CD-Besprechung

Gaetano Donizetti: Il diluvio universale

Opera Rara 2 CD ORC31

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 15.11.06

Opera Rara ORC31

2 CD • 2h 09min • 2005

Bei seiner ungemein verdienstvollen Ausgrabungstätigkeit auf dem Feld verschollener und vergessener Opernschätze hat das kleine, aber feine britische Label Opera Rara einen weiteren wertvollen Fund geborgen: Gaetano Donizettis „Azione tragico-sacra“ Il diluvio universale. Es ist Donizettis einziger Versuch in diesem zwitterhaftem Genre zwischen Oper und Oratorium, komponiert für das neapolitanische Teatro San Carlo und dort in der Karnevalssaison 1830 uraufgeführt. Nach dem wegen bühnentechnischer Pannen „gemischten“ Erfolg der Premiere kam das Werk dann nur noch zweimal zur Aufführung: in revidierter Fassung – die Grundlage dieser Einspielung – 1834 in Genua und dann nochmals 1837 in Paris. Dann wurde die Partitur von Il diluvio universale für das ganze weitere 19. und den weitaus größten Teil des 20. Jahrhunderts geschlossen. Erst 1985 kam es in Genua zur ersten Wiederaufführung, deren künstlerische Berechtigung durch diese CD-Produktion eindrucksvoll bestätigt wird. Das Werk nimmt in Donizettis Opernschaffen insofern einen signifikanten Platz ein, als der Komponist hier auch als Ideengeber und Vorbereiter des Librettos eine wichtige Rolle gespielt hat und noch mehr, weil er große Anstrengungen darauf verwendet hat, einen neuen, „seriöseren“ musikalischen Stil zu kreieren, der der Eigenart des ernsten Stoffs – Noah und die Sintflut – auch tatsächlich entsprechen konnte. Seine Suche nach mehr Ernst und Majestät des Ausdrucks konzentrierte sich insbesondere auf die Hauptfigur des Noè (Noah). Unverkennbar lehnte sich Donizetti hier an Rossinis Mosè in Egitto an, in der ebenfalls eine bedeutende Bass-Partie im Zentrum steht. Vor allem Noès Finalarie im 2. Akt „Dio tremendo“ mit ihrer feierlichen Harfenbegleitung und ausdrucksvoll-getragenen Melodielinie erinnert an Mosès „Dal tuo stellato soglio“. Ein weiteres Beispiel für Donizettis Akzentuierung der zeremoniös-seriösen Züge seiner Oper ist die Eingangsnummer, die „Preghiera a cinque voci“, die sich wie aus einem Oratorium entlehnt ausnimmt. Von ähnlicher hochwertiger musikalischer Qualität ist die „Preghiera-sestetto“ am Anfang des 2. Akts. Ein wichtiges Indiz für Donizettis innovativen Ansatz ist, dass fast jede Arie gleichsam offen gehalten wird, dazu tendiert, sich zum Ensemble auszuweiten. Ziel dessen ist die kontinuierliche Entwicklung einer komplexeren musikalischen Textur und gleichzeitig die Steigerung des dramatischen Ausdrucks. Unbestritten bleibt freilich, dass Il diluvio universale trotz aller musikalischen Neuerungen ein unausgeglichenes Werk bleibt, ein Werk des Übergangs. Eines der treffendsten Beispiele dafür ist Noès Arie „In quell’arca sospettate“, für die Donizetti eine Melodie verwendete, die er zehn Jahre später wieder für Maries „Chacun le sait“ in der Opéra-comique La fille du régiment gebraucht hat. Ohne Frage ist sie dort wesentlich besser am Platz als in einer „Azione tragico-sacra“, wo sie sich wie ein Fremdkörper ausnimmt. Die gesangliche Realisierung dieser Ersteinspielung, die von Giuliano Carella kompetent geleitet wird, liegt in den Händen eines durchweg jungen Sängerensembles von ausgesprochen respektablem Niveau. Die einzige bekanntere Solistin ist die Sopranistin Majella Cullagh, die in der heiklen Partie der Sela gute Figur macht. Auch der Mezzsopranistin Manuela Custer gelingt ein intensives Porträt ihrer Gegenspielerin Ada. Mit den vertrackten Koloraturen der Tenore-di-grazia-Partie des Cadmo kommt der elegant und geschmeidig intonierende Colin Lee souverän zurecht. Besonderen Eindruck macht der Bass Mirco Palazzi, der trotz seiner Jugend dem Noè eine erstaunlich imponierende vokale Statur verleiht.

Walter Fritz [15.11.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Donizetti Il diluvio universale

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Mirco Palazzi Noè - Baß
Simon Bailey Jafet - Bariton
Mark Wilde Sem - Tenor
Dean Robinson Cam - Baß
Irina Lungu Tesbite, Jafets Gemahlin - Sopran
Ivana Dimitrijevic Asfene, Sems Gemahlin - Mezzosopran
Anne-Marie Gibbons Abra, Cams Gemahlin - Mezzosopran
Colin Lee Cadmus - Baß
Majella Cullagh Sela - Sopran
Manuela Custer Ada, Selas Vertraute - Mezzosopran
Roland Wood Artoo, Anführer der Brahminen von Atlantide - Bariton
Geoffrey Mitchell Choir Chor
London Philharmonic Orchestra Orchester
Giuliano Carella Dirigent
 
ORC31;0792938003122

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