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CD-Besprechung

K. Weill

Chandos 1 SACD CHSA 5046

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 11.08.06

Klassik Heute
Empfehlung

Chandos CHSA 5046

1 SACD • 72min • 2004

Diese Neueinspielung der beiden Sinfonien Kurt Weills ist für die Weill-Discographie ist aus verschiedenen Gründen unverzichtbar. Der Dirigent, Musikwissenschaftler und Autor Antony Beaumont hat sich darauf nicht weniger gründlich vorbereitet als auf seine großartige Gesamt-Einspielung der Zemlinsky-Sinfonien bei Chandos. Dies bedeutet bei Beaumont eine akribische Aufarbeitung der Quellen, die in diesem Fall zu einer gründlichen Korrektur der Druckausgaben nach den Original-Handschriften Weills führt. Das Ergebnis ist eine konsequent “historisch informierte Aufführungspraxis”, ausführlich im ebenfalls von Beaumont verfaßten Booklet-Text dokumentiert, anhand der Einspielung hörend nachvollziehbar und musikalisch rundum überzeugend.

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen macht ihrem Namen alle Ehre und spielt Weill “kammerphilharmonisch”, also mit einer kleinen Besetzung (Streicher 6-6-4-4-3 nebst Bläsern), doch so klangvoll wie ein Sinfonieorchester. Vergleicht man die zweite Sinfonie beispielsweise mit der Interpretation durch die Berliner Philharmoniker unter Mariss Jansons (EMI 5.56573), dann klingt ungeachtet der Verschiedenheit der Besetzung das Orchester aus Bremen nicht weniger opulent, doch weitaus farbiger und viel besser durchhörbar. Zugleich verdeutlicht die kleinere Besetzung die Nähe dieser Werke zum Bühnenschaffen Weills viel besser: Die Kammerphilharmonie klingt mühelos mal wie eine verruchte Band, mal wie eine Militärkapelle, dann wieder wie ein Opern- oder Sinfonieorchester – ein beeindruckendes Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten, das überdies die intensive Beschäftigung der Musiker mit alter wie auch neuer Musik verrät. Das Orchester nimmt von sich aus das Vibrato (das zur Entstehungszeit der Werke noch nicht durchgängig in Orchestern üblich war) an vielen Stellen zurück, doch ohne aus der Sache ein Dogma zu machen. Die Intonation ist blitzsauber – nicht zuletzt, weil die Streicher darauf verzichten – wie heute vielfach üblich –, Töne mit Kreuz-Vorzeichen zu hoch, solche mit B-Vorzeichen zu niedrig zu intonieren. Zusammenspiel und Balance sind ebenso vorbildlich wie der Interpretations-Ansatz: Anders als beispielsweise vor kurzem Marin Alsop nimmt Beaumont diese Werke wirklich ernst, betrachtet sie nicht als heiter-ironische Parodien. Er legt im Booklet beispielsweise nahe, die Stationen der Berliner Sinfonie (Tr. 1 bis 7) mit entsprechenden Passagen aus dem Festspiel Arbeiter Bauern Soldaten von Robert Becher zu assoziieren, an dessen Bühnenmusik Weill zeitgleich arbeitete. Das dramatische Moment der Sinfonie wird auf diese Weise trefflich unterstrichen.

Im sinfonisch anmutenden Quodlibet op. 9, das Weill 1923 aus seiner Kinderpantomime Zaubernacht zusammenstellte, gibt es geradezu magische Momente. Die zweite Sinfonie wird hier endlich einmal nicht als Parodie interpretiert und erhält dadurch Gelegenheit, die ihr innewohnende Tragik und Größe voll zu entfalten. Im ohne jede Larmoyanz genommenen Mittelsatz gibt es geradezu bestürzende Kontraste zwischen unter die Haut gehenden Klagen und erschreckend realen Passagen unmittelbar daneben. Zum vorzüglichen Gesamteindruck dieses Werkes trägt wesentlich auch das in der Weill-Ausgabe von David Drew eigenmächtig entfernte, von Beaumont nach dem Autograph wieder eingesetzte Schlagzeug bei. Man darf hier ohne Übertreibung von einer Referenz-Einspielung sprechen: Der Sendesaal von Radio Bremen erweist sich einmal mehr als außergewöhnlich guter Aufnahmeort. (Es ist völlig unverständlich, daß dieser Bau politischen Interessen geopfert werden soll und vom Abriß bedroht ist!) Tonmeister Andreas Heintzeler und sein Team von Radio Bremen haben mit dieser SACD Maßstäbe in Sachen Natürlichkeit, Präsenz, Farbigkeit, Räumlichkeit und Durchhörbarkeit gesetzt, die nicht so leicht zu überbieten sein dürften. Und die Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen und Antony Beaumont war von beiden Seiten aus so hörbar hingebungsvoll und fruchtbringend, das hoffentlich noch weitere gemeinsame Aufnahmeprojekte folgen.

Dr. Benjamin G. Cohrs [11.08.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K.  Weill Sinfonie Nr. 1
2 Quodlibet op. 9 (Eine Unterhaltungsmusik. Vier Stücke aus der Pantomime "Zaubernacht" op. 4, 1923)
3 Sinfonie Nr. 2 (Sinfonische Fantasie)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen Orchester
Antony Beaumont Dirigent
 
CHSA 5046;0895115504628

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