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CD-Besprechung

L.v. Beethoven • D. Schostakowitsch

Warner Classics 2 CD 2564 61949-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 3

Klangqualität:
Klangqualität: 5

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Besprechung: 20.12.05

Warner Classics 2564 61949-2

2 CD • 82min • 2004

Den Verriß hatte ich schon fertig. Dann fiel mein Blick auf Julian Rachlins Biographie, der ich entnehmen mußte, daß er sich „zu einem der charismatischsten und interessantesten Geiger seiner Generation“ entwickelt habe. Und ich wurde unsicher. Schlug also vorsichtshalber nach, was denn Charisma bedeute („Gnadengabe”) und mußte feststellen, daß es wohl doch mein mangelndes Verständnis gewesen war, dessentwegen ich die vorliegende Produktion auch nach wiederholtem Abhören für eine Aneinanderreihung egomanischer Absurditäten gehalten hatte.

Die egomanischen Absurditäten und rücksichtslosen Entgleisungen, in denen mir der Notentext nur wie eine Orientierungshilfe der Selbstdarstellung vorkam – das ist in Wirklichkeit also Charisma. Da muß ich die Waffen strecken und alles nochmal überdenken. Es ist also kein mittelmäßiger Scherz, wenn Rachlin und sein Begleiter sich dergestalt über zehn der 24 Préludes op. 34 von Dmitri Schostakowitsch in der (ohnehin schon überflüssigen) Duobearbeitung von Dmitri Tziganow hermachen, so daß aus den genialen Miniaturen eine Kette süßlich-klebriger Plombenzieher entsteht. Vielmehr muß ich, da ich es endlich verstanden habe, in dieser pomadigen Caféhaus-Attitude tiefere Geheimnisse ahnen, die sich mir als Durchschnittshörer bislang nicht offenbaren wollten.

Noch ärger muß ich mißverstanden haben, was das Duo Rachlin-Golan mit Beethovens c-Moll-Sonate hat sagen wollen. Die hysterisch durchgepeitschten Ecksätze bringen den latenten Wahnsinn eines sich selbst weit überschätzenden Komponisten zum Ausbruch; die völlig überzogen herausgestrichenen und -gehämmerten Akzente des Scherzos, denen praktisch jede Linienführung zum Opfer fällt, machen ihn zum Fabrikanten Fritz Kreislerscher Petitessen; und das Adagio, das hier zu einer restlos zerrissenen Meditation gedehnt wird, ist anscheinend auch nicht als Karikatur gemeint, sondern vielmehr das Gegrübel eines Besessenen über die Sinnlosigkeit jeglicher Form.

Wenn das nicht interessant ist! In einer über die Maßen halligen Akustik herumzuwüten, zu juchzen und zu stolpern, jede Phrase auf den Kopf zu stellen, bis es garantiert keinen Zusammenhang mehr gibt – das stellt uns einen Beethoven vor Ohren, der seinesgleichen sucht und vermutlich auch lange nicht finden wird.

Was soll man danach noch über die Bratschensonate von Dmitri Schostakowitsch sagen? Auch hier bemühen sich Rachlin und Golan eindeutig darum, ein bewegendes Werk interessant zu gestalten – weshalb es denn auch zehn Minuten länger als jede herkömmliche Darstellung dauert: Bei so viel künstlerischem Charisma muß der Hörer förmlich gezwungen werden, länger vor den Lautsprechern zu sitzen.

Rasmus van Rijn [20.12.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Schostakowitsch 24 Preludes op. 34 für Klavier (Bearb. für Violine und Klavier)
2 L.v. Beethoven Sonate Nr. 7 op. 30 Nr. 2 für Violine und Klavier
3 D. Schostakowitsch Sonate C-Dur op. 147 für Viola und Klavier

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Julian Rachlin Violine, Viola
Itamar Golan Klavier
 
2564 61949-2;0825646194926

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