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CD-Besprechung

Mirare MIR 004

1 CD • 78min • 2004

28.10.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auch Boris Berezovsky wechselt CD-medial den „Arbeitgeber“. Seine in Grenoble entstandene Gesamtaufnahme der 24 Préludes von Rachmaninoff erklingt im Zeichen des französischen Labels „Mirare“, von dessen Existenz mir bislang nichts bekannt war. Die Verantwortlichen dieser Firma haben sich mit dem russischen Pianisten – einem Schüler von Elisso Virssaladze – einen der führenden, für alles Virtuose begabten Klaviermusiker unserer Tage geangelt. Und wenn er nun die genannten 24 Stücke interpretiert – bestehend aus dem berühmten cis-Moll-Prélude aus der Werkreihe op. 3 und den beiden Sammlungen op. 23 und op. 32 –, dann darf man auf hohe, wenn nicht auf höchste Kompetenz für eine Musik setzen, die für Berezovsky gewissermaßen längst zur Umgangssprache geworden ist. Und richtig: im Schmeichelnden, im Kantablen, im verworren Lyrischen der eher zurückhaltenden Miniaturen, aber auch im Impulsiven, im verwegenen Donner aller zehn bis zum Letzten strapazierten Finger beweist Berezovsky Einsicht in die klangatmosphärischen Schatten- und Lichtspiele. Er hat das Zeug die großen Linien zu spannen und jene Bögen zu wölben, die uns Hörer – und unter ihnen auch noch letzte Rachmaninoff-Skeptiker – mit der kompositorischen Logik, der spätromantischen Folgerichtigkeit an der Schwelle zur Moderne auf Tuchfühlung halten. Eindrucksvoll ist es, wie mühelos in dieser Studio-Produktion die akkordisch fülligen Schlusspassagen des weitgriffigen Des-Dur-Graves (op. 32,13) kommen, wie sinnvoll organisiert die „Alla Marcia“-Reprise des g-Moll-Préludes op. 23,5 auf den finalen Weg geschickt wird. Doch Berezovsky – und dies ist die einzige Einschränkung – wäre in der Lage, noch packender, noch aufopferungsvoller zu spielen, wenn ihn nicht die Studio-Umgebung zu Sauberkeit verpflichten würde. Dies wage ich vermutend zu äußern, nämlich in Erinnerung von Live-Dokumentationen etwa vom französischen Festival in La Roque d’Anthéron. Das heißt: die sechs von Sviatoslav Richter in Warschau für die Deutsche Grammophon aufgenommenen Préludes, dazu der 1958 in Sofia entstandene Philips-Mitschnitt des Préludes op. 32, 12 bleiben in ihrer Mischung aus Mächtigkeit, Feinnervigkeit und rhythmischer Elastizität unerreicht. Indes im Wettstreit mit den unten angegeben Gesamtaufnahmen bewegt sich Berezovsky auf pianistischer Augenhöhe. Und jedem, der sich mit diesen 24 intimen wie ausufernden Charakterstücken befassen möchte, sei diese Edition empfohlen.

Vergleichsaufnahmen: Weissenberg (RCA), Ponti (Vox), Ashkenazy (Decca), Richter (Auswahl: DG, Philips), R.Laredo (Connoisseur), Ogdon (EMI)

Peter Cossé † [28.10.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Sergej Rachmaninow
1Prélude cis-Moll op. 3 Nr. 2
2Zehn Préludes op. 23
313 Préludes op. 32

Interpreten der Einspielung

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