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CD-Besprechung

harmonia mundi HMC 901865

1 CD • 64min • 2004

21.04.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Nicht gerade vielversprechend ist der Einstimmungstext auf der Rückseite der Pappverpackung, denn hier wird wieder einmal die alte Mär von der „sehr konformistischen” fünften Sinfonie kolportiert, die Schostakowitsch zur Beschwichtigung Stalins und seiner kulturellen Sittenwächter geschrieben habe: Wer heute noch nicht den kunstvollen Kotau des Komponisten und seine raffinierte Gratwanderung zwischen Schein und Sein mitbekommen hat, der verheißt – vermutlich ohne es zu wollen – für die Anhörung der hier eingespielten Streichquartette nichts Gutes. Daß dann auch noch der Kopfsatz des ersten Quartetts in den Geigen recht dürr und schmalbrüstig klingt, gibt den Befürchtungen, es könne sich um eine völlig überflüssige Produktion handeln, vollends Nahrung: Daß die Naivität, die Schostakowitsch hier an den Tag legt, wie ein Schutzfilm die gefährliche Binnenlandschaft nur notdürftig verhüllt, ist den Musikern offenbar verborgen geblieben. Alles ist schön und lieblich, nur wenige Schritte vom Lied von den Wäldern entfernt. Dasselbe ist im Trio des an sich mit recht geisterhaftem Anstrich exekutierten Scherzos zu beobachten, und der verhaltene Anprall, mit dem das Finale losbrechen sollte, wirkt selbst in den bohrendsten Momenten merkwürdig beschwichtigt. Doch allmählich wendet sich das Blatt. Schon zu Beginn des vierten Quartetts entsteht aus einem anscheinend bewußt angestrebten Akkordeongedudel eine deutlich höhere Griffigkeit und Explosivkraft; die ersten Kanten und Widerhaken treten hervor, um sich ins Gemüt zu bohren. Und in den galoppierenden Allegro-Sätzen des Neunten stürzen sich die Vier so beherzt ins Getümmel, daß bei der Aufnahme wahre Kolophoniumschwaden durchs Studio gezogen sein müssen. Sollte das Jerusalem Quartet womöglich eine Gesamtaufnahme ins Auge gefaßt haben, wäre es nicht von Schaden, noch einmal die Zeugenaussage durchzugehen und vor allem dort, wo der Mann mit der dicken Brille seine sarkastischen Masken fallen läßt, vor echten Intensitäten nicht zurückzuschrecken. Wenn sie das schaffen, könnten sie eines Tages im oberen Feld der Schostakowitsch-Interpreten mitspielen.

Rasmus van Rijn [21.04.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dimitri Schostakowitsch
1Streichquartett Nr. 1 C-Dur op. 49
2Streichquartett Nr. 4 D-Dur op. 83 (1949)
3Streichquartett Nr. 9 Es-Dur op. 117

Interpreten der Einspielung

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