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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

BIS BIS1484

1 CD/SACD stereo/surround • 71min • 2004

13.05.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Nikos Skalkottas ist noch immer einer der großen Unbekannten der neueren Musikgeschichte. Der 1904 in Chalkis geborene, 1949 in Athen gestorbene Komponist studierte früh zunächst am Athener Konservatorium und dann in Berlin. Von 1927 bis 1931 war er Kompositionsschüler bei Arnold Schönberg, und Schönberg war auch der Komponist, der den Griechen am meisten beeinflusst haben dürfte.

Skalkottas Stil ist streng und oft sehr komprimiert, das zeigen die Werke der vorliegenden CD. Im dreisätzigen zweiten Klavierkonzert von 1937 praktiziert Skalkottas seine eigene Methode der Komposition mit 12 Tönen; im Unterschied zu seinem Lehrer Schönberg arbeitet er jedoch mit mehreren Reihen. Das Werk ist kompliziert und erschließt sich kaum beim ersten Hören. Tema con variazioni (1949), Skalkottas letztes Werk und eigentlich der fünfte Satz seiner unvollendeten zweiten Orchestersuite, bietet eine sehr eigene Lesart der Variationsform (ein Thema, das bereits Variationen enthält und drei Variationen) und basiert auf einer Gruppe von 16 Zwölftonreihen. Hier faszinieren die Prägnanz und der klangliche Reichtum. Die knapp achteinhalb Minuten dauernde Kleine Suite für Streicher (1942), dreisätzig, frei atonal geschrieben, erinnert in Ton und Dramaturgie an Alban Bergs Lyrische Suite, manchmal auch an Bartóks Divertimento für Streicher. Es ist ein kurzes Stück, sehr dicht, spannend und intensiv im Ton.

Die Vier Bilder, tänzerische Sätze aus dem Jahr 1948, führen in eine gänzlich andere Klangwelt. In seinen letzten Lebensjahren komponierte Skalkottas fast nur noch tonal. Die Bilder nehmen aber nicht die Klangsprache der früheren Griechischen Tänze auf. Hier finden sich einfachere Muster, die zu den ländlichen Sujets passen: Ernte, Aussaat, Weinlese, Kelter. Der Ton ist populärer, mal fühlt man sich an volkstümliche griechische Lieder erinnert, mal denkt man eher an ungarische, osteuropäische (zweiter Satz) oder an russische Musik (dritter Satz). Die Bilder sind farbig instrumentiert, mal moderat im Rhythmus, mal heftiger, ja vorwärtsstürmend und ausgelassen (vierter Satz).

Zu hören sind durchweg sehr gute bis brillante Leistungen des BBC Symphony Orchestra. In Geoffrey Douglas Madge, der schon Busoni, Sorabij, Medtner und Skalkottas’ Erstes Klavierkonzert einspielte, hat das komplizierte zweite Klavierkonzert einen ebenso virtuosen wie idiomatisch spielenden Solisten. Nikos Christodoulou erweist sich als suggestiver Streiter für Skalkottas; er steuerte auch ausführliche Werkerläuterungen bei.

Nicht genug zu rühmen ist die Pioniertat der Firma BIS, das Werk von Nikos Skalkottas bekannt zu machen. Bislang sind bei dem schwedischen Label sechs CDs mit Orchestermusik und weitere acht CDs mit Kammer-, Instrumental- sowie Vokalmusik erschienen. So kann sich der interessierte und aufgeschlossene Musikfreund reichhaltig mit der Musik eines der interessantesten Komponisten des 20. Jahrhunderts vertraut machen. Die Entdeckung lohnt sich!

Dr. Helge Grünewald [13.05.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Nikos Skalkottas
1Klavierkonzert Nr. 2 (1937)
2Tema con variazioni (1949)
3Kleine Suite Nr. 1 für Violine und Klavier (1946)
4Four Images (1948)

Interpreten der Einspielung

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