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CD-Besprechung

Sony Classical SK 64087

1 CD • 80min • 1999, 2000

23.03.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der Fortschrittsglaube des 20. Jahrhunderts feiert hier fröhliche Urständ: Ein opulenter Hollywood-Breitwandklang, jede Menge Dezibel von einem typischen amerikanischen Orchester mit absurd lauten Blechblas-Instrumenten, die gut miteinander verschmelzen, aber wenig Eigenfarbigkeit haben, allerdings durch die Kunstgriffe einer sehr guten Tontechnik in eine annehmbare, wenn auch künstliche Balance zum restlichen Klangkörper gebracht werden; man addiere die typisch Außenstimmen-betonte „amerikanische“ Orchesteraufstellung hinzu – wer diese Dinge akzeptiert, wird hier auf seine Kosten kommen. Esa-Pekka Salonen und sein bestens aufgelegtes Los Angeles Philharmonic nutzen die Kapazität der randvollen CD für ein ganzes Konzertprogramm mit einem sympathisch musikantisch dargebotenen Hindemith. Die Sinfonischen Metamorphosen erklingen nicht wie häufig in dem typischen, gezähmt-trockenen Hindemith-Tonfall, sondern so hemmungslos eklektizistisch und parodistisch, wie sie gemeint sind. Die jazzigen Passagen im ersten Satz tönen wirklich nach Jazz, die Mahler-Satire im Finale wird wirklich grotesk überspitzt, und das Ganze zeigt unwiderstehlichen Drive – vielleicht das gelungenste der hier versammelten drei Werke. Man hört überdies, daß mit Salonen jemand am Pult stand, der selbst ein anerkannter Komponist ist – einer der wenigen Dirigenten überhaupt, die heutzutage noch aus diesem Geist heraus ihre Kunst auszuüben verstehen.

Die selten zu hörenden Vier Temperamente mit konzertantem Klavier – sehr spielfreudig, aber etwas blaß: Emanuel Ax – erfahren ebenfalls eine insgesamt ausgesprochen liebevolle, charakterlich in allen vier Sätzen gut treffende Interpretation, auch wenn Salonen sich für meinen Geschmack etwas zu sehr zurückhält (und man sich mitunter Bernstein zurückwünscht): Der Melancholiker (Tr. 6) könnte noch etwas grüblerischer sein, der Sanguiniker (Tr. 7) noch kapriziöser, der Phlemagtiker (Tr. 8) noch verworrener, und nur der Choleriker (Tr. 9) – sicherlich ein Charakterportrait Beethovens, wenn man dem Zitat des Schicksals-Themas aus der Fünften Glauben schenken darf – kommt dem Orchester und dem Dirigenten offenbar besonders entgegen.

Diese beiden Werke aus der amerikanischen Periode Hindemiths werden im Finale der Produktion mit der noch in Deutschland entstandenen Sinfonie Mathis der Maler kontrastiert. Salonen arbeitet diese sorgsam aus, erfüllte die ruhigeren Partien mit großer Weite, hetzt nicht über die belebten Partien hinweg, kontrolliert auch Dynamik und Balance sehr sorgsam. Allerdings ist die Grablegung (Tr. 11) gut ein Drittel langsamer als von Hindemith bezeichnet, dafür das Finale (ab Tr. 12, 1’58) eine Spur zu treibend. Gelegentlich hat man den Eindruck, dass insbesondere die Violinen über manche Problemzonen diskret hinweggleiten (z. B. Tr. 10, 5’06), und für das hysterisch enge Vibrato und einige kleine Wackeleien bei Überleitungen kriegt die erste Flöte möglicherweise einst einen Klaps von Hindemith im Himmel ... Insgesamt jedoch ist dies eeine klangschöne, intensive, von innen glühende Darstellung.

Dr. Benjamin G. Cohrs [23.03.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Paul Hindemith
1Sinfonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber
2Die vier Temperamente für Streichorchester und Soloklavier
3Sinfonie Mathis der Maler

Interpreten der Einspielung

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