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CD-Besprechung

Jean-Baptiste Lully: Roland (Tragédie en musique en un prologue et 5 actes, 1685)

ambroisie 3 CD AMB 9949

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 13.12.04

Klassik Heute
Empfehlung

ambroisie AMB 9949

3 CD • 2h 40min • 2004

Roland gehört dem Spätwerk von Lully an. Die Oper entstand 1685, zwei Jahre vor seinem Tod, in einer Epoche, die als Spätzeit der langen Herrschaft Ludwigs XIV. durch markante Änderungen im Kosmos des Versailler Hofes gekennzeichnet ist. 1683 hatte der Sonnenkönig seine Gemahlin Marie-Thérèse verloren; er hatte sie unaufhörlich betrogen, und auf dem Sterbebett soll die Königin Gott um die Bekehrung des Königs angefleht haben. Tatsächlich trat diese Konversion ein: Ludwig XIV. wurde fromm, nahezu bigott, und wurde dabei unterstützt von Madame de Maintenon, seiner jahrelangen Maitresse, die er binnen kurzer Zeit und in aller Heimlichkeit als neue Ehefrau legalisiert hatte.

Nicht mehr der Sonnenkönig, Abbild Gottes auf Erden, stand im Mittelpunkt der monarchischen Selbstdarstellung, als bescheidenere Alternative der Selbstinszenierung rückte jetzt der Herrscher von Gottes Gnaden in den Mittelpunkt des höfischen Lebens. Folglich kamen antike Götter und Heroen als Vergleichspunkte nicht mehr in Frage, für die Neuorientierung erwies sich vielmehr niemand geeigneter als Karl der Große, der Begründer des Abendlandes? Tiefstapeln stand immer noch nicht auf der Agenda! Ludwig XIV. wird also vom Sonnenkönig zum neuen Charlemagne, der Europa den Frieden schenkt, das geschah aus französischer Sicht zum Beispiel 1684 mit dem Regensburger Waffenstillstand zwischen Frankreich und Spanien sowie dem Deutschen Reich, der als dauerhaften Gewinn immerhin Straßburg in französischen Besitz brachte.

Mit seinem Roland, der Oper über den treuesten Gefolgsmann Karls des Großen, greift Lully einen Stoff auf, der perfekt zu der neuen Ideologie paßt. Er gestaltet ihn „schön, groß und erhaben“, wie es die Epoche liebte, und entfaltet alle Gestaltungsmittel der tragédie lyrique mit außerordentlicher Souveränität.

Christophe Rousset ist längst zu einem ebenbürtigen Kollegen seiner Lehrmeister geworden, wie diese hervorragende Einspielung von neuem beweist. Er folgt der dramatischen Entwicklung der Oper mit absoluter Stilsicherheit und liebevollem Feingefühl, mit seinem hervorragenden Orchester und einer perfekt aufeinander abgestimmten Sängerbesetzung gestaltet er die lyrischen und affektiven Szenen ebenso souverän wie die temperamentvollen. In diesen 160 Minuten sinkt die Spannung nicht einen Augenblick!

Detmar Huchting [13.12.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.-B. Lully Roland (Tragédie en musique en un prologue et 5 actes, 1685)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nicolas Testé Bass
Anna Maria Panzarella Sopran
Olivier Dumait Countertenor
Monique Zanetti Sopran
Robert Getchell Countertenor
Les Talens Lyriques Orchester
Choeur de l'Opéra de Lausanne Chor
Christophe Rousset Dirigent
 
AMB 9949;3760020170493

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