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CD-Besprechung

naïve V4992

1 CD • 74min • 2004

09.11.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Schon Fazil Says erste Mozart-Einspielung noch für die französische Warner-Abteilung erregte meine Begeisterung und die all jener Hörer, denen ich diese ungemein frischen, vorwitzigen, superbrillanten, aber auch sterbensschön kantablen Interpretationen vorspielte (u.a. die Variationen KV 265, die Sonate KV 331 mit dem „Türkischen Marsch“). Es dauerte freilich eine Weile, die Verantwortlichen bei der firmenverwandten deutschen Teldec zu interessieren, das heißt: sie waren interessiert, trauten sich aber nicht. Die Geschichte der folgenden Jahre ist bekannt. Kurt Masur half etwas nach – und schon kamen die ersten Aufnahmen (Tschaikowsky, Liszt, Gershwin, Strawinsky). Aber auch das ist schon wieder Medienhistorie, denn Fazil Say ist nun bei „naive“ unter Vertrag, und er startet mit einer Mozart-Leistung, die hinsichtlich Temperament, Feinstufigkeit, Red- und Sangesseligkeit sowie eigenwilliger Text- und Kadenzauslegung nichts zu wünschen übrig läßt. Ich zögere nicht, diese Zusammenstellung mit den Konzerten KV 414, 467 und 488 zu den (wenigen) wirklich geglückten, über Tag und Jahr hinaus weit in die Zukunft weisenden Mozart-Darbietungen zu zählen, die in letzter Zeit erschienen sind. Und wenn ich von „letzter Zeit“ spreche, dann bezieht sich das durchaus auf die letzten zwei, drei Jahrzehnte. Nichts, aber auch nichts, was Say hier im frühen, noch konzertant etwas schüchternen A-Dur-Konzert KV 414, im Folgenden dann im majestätischen Gepränge des C-Dur-Werkes anfasst, erinnert an Vorläufer-Darbietungen. Es ist in aller Frische des nachschöpferischen Enthusiasmus ein freches, gleichwohl kontrolliertes Suchen nach neuen Beleuchtungen, nach neuen Übergangsfinessen, nach kleinen und größeren Botschaften, die Mozart in der Fülle seiner Fantasie in die Themen und in das verarbeitende Gewebe eingespeist hat. Dabei bleibt e, wie sich denken lässt, nicht beim Suchen, sondern die drei Partituren erweisen sich als Fundgrube. Diese Goldgräberstimmung bestätigt Say im C-Dur-Konzert, wenn er – selber ein hochbegabter Komponist – seinen eigenen Kadenzen Hintersinn, diskantverliebte Spitzfindigkeit auf die kurze Reise mitgibt, als ob er es sich vorgenommen hätte, die Welt der Mozartschen Briefe improvisatorisch einzufangen.

Es wäre ungerecht, die erstaunliche Leistung des Zürcher Kammerorchesters zu verschweigen. Unter der Leitung von Howard Griffiths bietet es ein forsches, dabei elastisches, hellhörig auf Says Ideen reagierendes Mozart-Spiel, wie ich es von diesem Ensemble nicht in Erinnerung habe. Schon gar nicht, wenn es in alten Tagen unter de Stoutz und mit Benedetti Michelangeli konzertierte oder im Studio operierte (etwa Haydn-Konzerte/EMI 1 C 065-02614). Mein Fazit: diese 74 Minuten Mozart sind eine Labsal für Ohren und Herz. Der einzige Makel dieser Edition: die völlig unleserliche Beschriftung der CD!

Peter Cossé † [09.11.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Konzert Nr. 12 A-Dur KV 414 für Klavier und Orchester
2Konzert Nr. 21 C-Dur KV 467 für Klavier und Orchester
3Konzert Nr. 23 A-Dur KV 488 für Klavier und Orchester

Interpreten der Einspielung

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