Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

Schubert Franz: Die Winterreise op. 89 Nr. 1-24 D 911 (Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller)

Calliope 1 CD CAL 9339

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 09.07.04

Klassik Heute
Empfehlung

Calliope CAL 9339

1 CD • 76min • 2003

Frauen zählen unter den Interpreten von Franz Schuberts Winterreise noch immer zu den Ausnahmen. Obwohl Lotte Lehmann schon 1940/41 zu den Wegbereiterinnen zählte (diese Aufnahme ist soeben von Pearl wiederveröffentlicht worden), ist der Zyklus erst von der Sängerinnen-Generation nach ihr wiederentdeckt worden: 1976 legte Lois Marshall gegen Lehmanns von sentimentalem Überschwang überfrachtete Deutung einen modern, kraftvoll und diszipliniert gestalteten Gegenentwurf vor; 1986 konnte Christa Ludwigs schwerblütig-statische Interpretation weit weniger überzeugen als 1988 Brigitte Fassbaenders seismographisch sensible und 1989/90 Mitsuko Shirais intellektuell verfeinerte Aufnahmen. Mit Nathalie Stutzmann wagt sich nun die erste Altistin an diese Herausforderung. Und Stutzmanns volles, pastoses, dunkel-samtiges Timbre ist es auch, das diesen Gang durch die einsame, kalte, trostlose Winterlandschaft zum faszinierenden Hörerlebnis macht. Ebenso aufhorchen lässt von Anfang an das aufmerksame, präsente, sensibel „antwortende“ Spiel der Pianistin Inger Södergren.

Nathalie Stutzmann geht diese „24 Stationen der Verzweiflung“, wie man die Winterreise genannt hat, vorsichtig an, sie tastet sich gleichsam im Nebelgrau zögernd voran. Aber etwa ab der Mitte des Liederkreises, wenn das 13. Lied Die Post erreicht ist, riskiert sie mehr emotionalen Einsatz, sowohl im – seltenen – Aufbegehren als auch im verzweifelten Leidakzent, im Versinken in Melancholie und Hoffnungslosigkeit. In Nr. 21 Das Wirtshaus frieren die beiden Interpretinnen das Tempo geradezu ein, verlangsamen es bis fast zum Stillstand. Umso krasser dann der Kontrast zum darauffolgenden trotzigen Lied Mut. Dennoch gilt insgesamt für Stutzmanns interpretatorische Grundhaltung die Maxime, die schon Schuberts Freund Leopold von Sonnleithner in seinem Aufsatz „Über den Vortrag des Lieds, mit besonderer Beziehung auf Franz Schubert“ aufgestellt hat: „... der Sänger soll sich nur nicht erheben, soll nicht pathetischer und geistreicher sein wollen als der Tondichter ...“ Demgemäß hält die Altistin mehr oder weniger die Distanz eines Beobachters, sucht nicht die rückhaltlose Identifikation mit dem einsamen Winterreisenden. Sie unterscheidet sich damit von Brigitte Fassbaenders emotionalisierter, dramatisierender Gestaltung, teilt eher Mitsuko Shirais Haltung eines visionär beschworenen Erinnerns.

Kurt Malisch † [09.07.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Die Winterreise op. 89 Nr. 1-24 D 911 (Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nathalie Stutzmann Alt
Inger Södergren Klavier
 
CAL 9339;0794881746828

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Entschleunigte Feinfühligkeit, forsche Damenpranke

Edition Stefan Askenase

Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konzertierte der aus dem galizischen Lemberg stammende Pianist Stefan Askenase reglemäßig in den europäischen Konzertsälen. Das ältere Publikum hatte den Chopin-Interpreten gleichsam abonniert, bei den Jüngeren und im abgehobenen Kreis des deutschsprachigen Kritikernachwuchses galt der zierliche belgisch-polnische Theodor Pollak- und Emil von Sauer Schüler als Vertreter einer konservativen Handhabe, als ein leibhaftiges Fossil vergangener Chopin-Stilistik.

→ weiter...

Neue CD-Besprechungen

Giacomo Puccini
François Campion
Felix Mendelssohn Bartholdy
Colors
Carlo Graziani

Interpreten heute

  • Armoniosa
  • Stefano Cerrato

Neue CD-Veröffentlichungen

Richard Heuberger
A Lute by Sictus Rauwolf
Visions
Christoph Graupner

CD der Woche

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Aus dunkler Tiefe steigen schwärzeste Bass-Töne auf, formen eine Tonskala und vereinigen sich mit einer weiteren Stimme zur strengen Fuge. Die ewige ...

Heute im Label-Fokus

Thorofon

... und sie dreht sich doch!
Auf dem Meer der Lust in hellen Flammen
Erich J. Wolff
Pervez Mody plays Scriabin Vol. 5

→ Infos und Highlights

Thema Klavier Solo

TYXart 1 CD TXA14040
Svjatoslav Richter<br />Piano Recital 1994
transcendental journey
Volodos plays Brahms
Passion
Franz Schubert<br />Piano Works Vol. 12

 

Weitere 52 Themen

Klassik Heute Zahl des Tages

Bei Klassik Heute finden Sie

39641

Interpreten
• 242 Kurzbiographien
• 1099 tabellarische Biographien

→ mehr Zahlen und Infos

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc