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CD-Besprechung

Schubert Franz: Die Winterreise op. 89 Nr. 1-24 D 911 (Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller)

OehmsClassics 1 CD OC 810

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 22.07.08

OehmsClassics OC 810

1 CD • 65min • 2007

Roman Trekel und sein Klavierbegleiter Oliver Pohl schlagen gleich im ersten der 24 Lieder (Gute Nacht) eine erfreulich rasche Gangart ein, die sie auch im Folgenden durchhalten. Die Unrast des Wanderers, der geradezu panikartig Vergangenes hinter sich zu lassen versucht und unbeirrt in eine Zukunft eilt, die sich ihm wie ein großes schwarzes Loch darstellt, wird dem Hörer bezwingend vermittelt.

Trekel lotet den Gefühlsreichtum der Lieder aus, bleibt aber zugleich ein nüchterner Betrachter. Diese Distanz, die Verweigerung der völligen Identifikation, bringt interpretatorisch enormen Gewinn, weil nirgends Selbstmitleid und weltschmerzliches Pathos aufkommen kann. „Ich bin zu Ende mit allen Träumen”: Das könnte hier gleichsam das Motto des ganzen Zyklus sein. Da ist ein Mann, der seiner Realität mit klarem Blick und illusionslos ins Auge schaut, aber zugleich noch die Kraft hat, seinen Schmerz hinauszuschreien. Diese Dialektik wird vokal durch starke Kontraste ausgedrückt – piani in allen Abschattierungen auf der einen Seite, geradezu schneidende Crescendi auf der anderen. Doch wird diese Gesangsdramaturgie nirgends zur Manier. Trekel geht nicht äußerlich an die Liedinhalte heran, sondern erschließt ihren Sinn aus der Verinnerlichung und einem hohen Maß an künstlerischer Konzentration.

Auch nach rein gesanglichen Kriterien kann seine Deutung neben den besten auf Tonträgern überlieferten Interpretationen bestehen. Er gewinnt seinem hellen, schlanken Bariton, der bei dieser Gelegenheit schwerer klingt als in seinen früheren Aufnahmen, sehr viele Bassnuancen ab und erfasst damit das gesamte musikalische Farbenspektrum dieses Zyklus. Gesangstechnisch wird alles souverän bewältigt, etwas störend sind lediglich einige sinnentstellende Aspirierungen (z. B. bei „Bis ich die (h)Erde she”). Oliver Pohl ist auf den Sänger bestens eingespielt, er ist nicht Begleiter, sondern wirklicher Partner, der das gedankliche Konzept mitträgt und am Klavier prägnante Akzente setzt, ohne sich aufzudrängen. – Eine Winterreise, die man sich mit Erkenntnisgewinn mehr als einmal anhören kann.

Ekkehard Pluta [22.07.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Die Winterreise op. 89 Nr. 1-24 D 911 (Liederzyklus nach Gedichten von Wilhelm Müller)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Roman Trekel Bariton
Oliver Pohl Klavier
 
OC 810;4260034868106

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