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CD-Besprechung

Ch. Ives

col legno 1 CD WWE20074

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 30.04.04

Klassik Heute
Empfehlung

col legno WWE20074

1 CD • 75min • 1998, 1999

Wer ist Michael Stern? Das Beiheft gibt leider keine Auskunft – der Amerikaner war von 1996 bis 2000 Chef des RSO Saarbrücken –, aber mit dieser Einspielung präsentiert sich eine musikalische Begabung unter den Dirigenten, wie ich sie lange nicht mehr gehört habe – soweit man das anhand eines Tonträgers beurteilen kann, und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es sich bei dieser Referenz-Einspielung der zweiten Sinfonie um eine Studioproduktion handelt. Gleichwohl: Diese Darbietung steckt sogar die Aufführungen von Leonard Bernstein mühelos in die Tasche, der sich seit der Uraufführung immer wieder für dieses Werk eingesetzt hat, zumal Stern alle Striche wieder aufmacht, die Bernstein eingeführt hat und die von manchen Dirigenten unbesehen übernommen wurden (vielleicht war Ives vor allem deshalb so entsetzt, dass er beim Anhören der Uraufführung im Radio kein Wort herausbrachte, wie Christoph Schlüren im Beiheft mitteilt.) Man kann hier geradezu von „informierter Aufführungspraxis“ sprechen: Stern weiß um die Wurzeln von Ives in der amerikanischen Kirchenmusik und ihren Hymnen, lässt sehr beredt und plastisch artikulieren, zugleich aber immer inbrünstig singen, ohne es jedoch mit dem Vibrato zu übertreiben. Die kecken Bläserstellen kommen erklingen unübertrefflich charaktervoll, auch die Blechbläser halten sich ungeachtet ihrer großen Instrumente – die auch in Amerika zum Zeitpunkt der Komposition um ein Drittel kleiner waren als heute – angenehm zurück; nur in wenigen Tutti übertönen sie die Holzbläser, die hier vielleicht doch hätten verdoppelt werden sollen. Selbstverständlich musiziert Stern in der bei Ives natürlich angebrachten amerikanischen Orchesteraufstellung mit beiden Violingruppen links und den Violen rechts außen.

Das Rundfunksinfonieorchester Saarbrücken zeigt einmal mehr, dass es zu den derzeit besten Klangkörpern in Deutschland gehört. Jeder Dirigent kann sich glücklich schätzen, wenn ein Orchester ihm so hingebungsvoll und doch selbstbewußt folgt wie es die Saarbrückener bei Michael Stern tun. Wohl selten ist diese oft unterschätzte Sinfonie mit mehr Engagement musiziert worden. Wenn sich der Saarländische Rundfunk und col legno zu einer Fortsetzung mit den Sinfonien Nr. 1, 3 und 4 unter dem gleichen Dirigenten entschließen könnten, wäre das eine einmalige Bereicherung der schmalen Ives-Discographie.

Und mit dem als Mitschnitt der deutschen Erstaufführung der Universe Symphony liegt noch ein zweites diskographisches Dokument ersten Ranges vor. Dieses gewaltige Werk, das Ives selbst nicht mehr abschließen konnte, aber ausdrücklich Komponisten der Nachwelt dazu aufforderte, etwas aus den umfangreichen Entwürfen zu machen, ist atemberaubend. Der amerikanische Komponist Larry Austin, der als Co-Dirigent fungiert, hat das Stück in verschiedenen Realisationen einzelner Teile zwischen 1974 und 1993 zu einem 37-minütigen Ganzen für sieben Orchestergruppen ausgearbeitet. Die recht sterile Ersteinspielung durch das Cincinnati Symphony Orchestra unter Gerhard Samuel (Centaur CRC 2205) wurde in Europa vergleichsweise wenig beachtet; bis zur hier vorgelegten deutschen Erstaufführung brauchte es noch fünf Jahre.

Diese Einspielung hat eigentlich nur ein Manko: Die herkömmliche CD-Aufnahmetechnik stößt an ihre Grenzen. Das Erlebnis der sieben Gruppen im Raum ließe sich allenfalls in einer Surround-Wiedergabe adäquat einfangen; dennoch weist auch diese CD-Produktion einen geradezu phänomenal räumlichen Klang auf, wie man schon an den kleinen Störgeräuschen aus dem Publikum zu Beginn erkennen kann, die räumlich genau ortbar sind. Auch das Panorama des Klangs ist so breit wie nur irgend möglich. Die Aufführung war ein künstlerisches Ereignis ersten Ranges. Diese CD wird voraussichtlich bis zum Jahresende der bedeutendste Beitrag im 50. Todesjahr von Charles Ives bleiben. Und auf den Dirigenten Michael Stern sei neugierig und aufmerksam gemacht!

Dr. Benjamin G. Cohrs [30.04.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Ch. Ives Universe Symphony (vervollständigt von Larry Austin)
2 Sinfonie Nr. 2

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken Orchester
Michael Stern Dirigent
Larry Austin Dirigent
Johannes Kalitzke Dirigent
Michael Schmidtsdorff Dirigent
Christian Voß Dirigent
 
WWE20074;4099702007420

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