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CD/SACD stereo-Besprechung

Channel Classics CCS SA 20003

1 CD/SACD stereo • 70min • 2002

04.09.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Mit dieser Super-Audio-CD-Aufnahme erweitert der aus Holland stammende Cellist Pieter Wispelwey sein Re-pertoire um ein Kompendium aus drei der gewichtigsten Cellosonaten des 20. Jahrhunderts. Der zu einem großen Teil von Wispelwey selbst verfasste Booklettext, in dem dieser sehr subjektive Gedanken über die drei Werke entwickelt, lässt stark persönliche, ja exaltierte Interpretationen erwarten. Der erste Höreindruck schiebt diese Ahnung jedoch sofort zur Seite.

Wispelwey und sein Partner am Klavier, der junge kroatische Pianist Dejan Laziæ, musizieren fein aufeinander abgestimmt, von der Tongebung und von der Auslotung des Notentextes her gesehen in beinahe klassischem Ebenmaß. Der feine, perlende Anschlag Laziæs und das sehr behende und virtuose Spiel Wispelweys präsentieren die drei Werke gleichsam ganz aus sich heraus, ohne besondere Zutaten, als Werke eines vergangenen, neu zu entdeckenden Jahrhunderts.

Im Kopfsatz von Schostakowitschs 1934, also zu Beginn des Stalin-Terrors entstandener Sonate heben Wispelwey und Laziæ bewusst den seltsamen Kontrast zwischen der Schwere der Melodie und der Leichtigkeit der Begleitung hervor. Fein abgestimmt zwischen romantisch gefärbter Kantabilität und einer glasklar die Zeit teilenden Rhythmik wird hier musiziert, ein Ansatz, der sich im wie ein kreisender Kegel dahinwirbelnden zweiten Satz fortsetzt. Bohrend und sehr fein die leisen Töne auslotend präsentiert sich das Largo, gefolgt von einem pointiert musizierten und voll von schwarzem Spielwitz schimmernden Finale.

Die Interpretationen von Prokofieffs und Brittens Sonaten setzen diesen ebenso süffisanten wie Klischees vermeidenden Ansatz fort, bei Prokofieff mit einem sehr sonoren und elegant glänzenden Ton sowie einer bewusst die Kapriziösität dieses Werkes betonenden Offenheit, bei Britten verhaltener und zurückgenommener. Geheimnisvoll, burlesk oder grotesk waren die Adjektive, die mir hier beim Hören als erstes in den Sinn kamen.

Diese Einspielung, die aufnahmetechnisch ein etwas breites Raumspektrum sowie sehr schöne Klangfarben kennzeichnen, gibt ein diszipliniertes, vor allem aber kultiviertes Spiel wieder; vielleicht sogar zu kultiviert. Vergleicht man etwa diese Schostakowitsch-Interpretation mit jener des Duos Monighetti/Lobanov, so fällt letztere durch eine wesentlich trockenere Tongebung, zugleich aber auch härter an den inneren Widersprüchen dieser Komposition nagenden Interpretationsphilosophie auf. Wispelwey und Laziæ dagegen bewegen sich auf bereits historisch gesichertem Boden. Das 20. Jahrhundert ist Geschichte.

Robert Spoula [04.09.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dimitri Schostakowitsch
1Sonate d-Moll op. 40 für Violoncello und Klavier
Sergej Prokofjew
2Sonate C-Dur op. 119 für Violoncello und Klavier
Benjamin Britten
3Sonate C-Dur op. 65 für Violoncello und Klavier

Interpreten der Einspielung

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