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CD-Besprechung

Telarc 80609

1 CD • 72min • [P] 2003

24.03.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Reinhold Glière (1875-1956) spielte eine eigenartige Rolle in der russischen Musik. Einerseits folgte er der Tradition und setzte die russische nationale Schule fort, zum anderen nahm er insbesondere die Einflüsse deutscher Komponisten wie Wagner und Strauss stark auf. Er war ein auch in Sowjetrussland geachteter Lehrer, überstand die russische Revolution ohne Schaden oder Korrumpierung seiner künstlerischen Arbeit.

Glière widmete seine dritte Sinfonie einer der berühmtesten Figuren russischer Mythen, die man mit Wagners Siegfried vergleichen könnte: Ilya Murometz heißt der unschuldige Held mit der außerordentlichen physischen Kraft, der gegen das Böse kämpft, die einfachen Menschen verteidigt und sich gegen Autoritäten auflehnt. Zunächst führt er 30 Jahre lang ein unscheinbares Leben auf (sic!) dem heimischen Herd, ehe er animiert von den Weissagungen zweier Pilger zu seinen Heldentaten aufbricht.

Leon Botstein setzt das eigenwillige, eklektizistische Werk, in dem sich Einflüsse der russischen Schule (Borodin, Mussorgsky) wie von Strauss und Scriabin finden, mit dem vorzüglich disponierten LSO großartig in Szene. Zart, geheimnisvoll, schwermütig hebt der erste Satz an und setzt sich dann in einem resoluten Allegro fort. Im zweiten Satz darf man sich an schierem Klangzauber delektieren – mit schwirrenden Streichern, schwebenden Holzbläsern und Harfen. Die Farbigkeit und Pracht des Klangs erinnert an Strauss und noch mehr an Scriabin, auch impressionistische Einflüsse sind unüberhörbar. Der dritte Satz ist der konventionellste, er klingt als wär’s ein Stück von Borodin. Das Finale schließlich endet nach sehr heroischen Passagen leise wie die Sinfonie begann.

Ob die vorliegende Aufnahme wirklich die vollständige Fassung des Werkes bietet – wie behauptet wird –, konnte ich ohne Partitur nicht nachprüfen. Die zum Teil beträchtlichen zeitlichen Differenzen der Satzlängen zu der 1979 erschienenen vollständigen Einspielung von Harold Faberman – Gesamtzeit Botstein: 72’, Gesamtzeit Faberman: 92’ – legen indes nahe, dass es sich nicht um eine wirkliche komplette Fassung handelt. Das schmälert indes den Wert der vorliegenden Aufnahme nicht.

Dr. Helge Grünewald [24.03.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Reinhold Glière
1Sinfonie Nr. 3 h-Moll op. 42 (Ilya Muromez)

Interpreten der Einspielung

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