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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244

Teldec 3 CD 8573-81036-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.06.01

Teldec 8573-81036-2

3 CD • 2h 42min • 2000

Wie sich die Zeiten ändern: Als Nikolaus Harnoncourt vor 30 Jahren die Matthäus-Passion vorlegte, plädierte er engagiert für Knabenstimmen. "Nicht, daß ein Knaben-Männer-Chor technisch besser sänge als ein gemischter Chor - er eignet sich viel besser klanglich für diese Musik, und deshalb musizieren wir die großen Oratorien Bachs in dieser Zusammensetzung, wo immer wir können. Auch die schönsten Frauenstimmen mischen sich niemals so ideal mit den alten Instrumenten wie Knabenstimmen." Heute setzt er einen großen gemischten Chor ein, die Knaben kommen nur in den cantus-firmus-Sätzen zum Einsatz. Damals: "Es fällt schwer, sich vorzustellen, daß dieses Werk, das wir so oft in wunderschönen Aufführungen von 150 bis 200 Sängern und Instrumentalisten gehört haben, eigentlich Kammermusik ist - was die Besetzung betrifft. Es ist nicht leicht zu verstehen, daß nichts weggenommen wird von der Größe dieses Werkes, wenn es von nur Wenigen musiziert wird, daß seine Vielfalt und sein Reichtum gerade in der kleineren Besetzung viel stärker hervortreten." Heute setzt Harnoncourt wesentlich mehr Sänger ein, obwohl historisch inzwischen einiges eher für eine noch stärkere Reduzierung des "Chores" auf zweimal acht bis zehn Sänger spricht.

Niemand wird Harnoncourt einen Vorwurf daraus machen, daß er seine Meinung geändert hat, zumal er sich immer dagegen verwahrt hat, historische Treue um ihrer selbst willen anzustreben. Und in der Tat ist die vorliegende Einspielung der beste Beweis dafür, daß Frauenalte der bessere Ersatz für Knabenalte sind als Kontratenöre. Was die Chorstärke betrifft, vertritt der Rezensent eine grundsätzlich andere Überzeugung als Harnoncourt, und er hält die Transparenz der Turba-Szenen hier für nicht rundum überzeugend. Zugleich zollt er aber einer Darbietung Respekt, die nicht nur technisch souveräner ist als vor 30 Jahren, sondern vor allem eine sehr reife Erfahrung spüren läßt. Stand damals die Frage nach dem richtigen Klang im Vordergrund, so ist es heute die Suche nach dem geistigen (und geistlichen) Gehalt der Matthäus-Passion. Was früher oft zu harsch klang, entfaltet heute seinen Sinn und läßt die eigentliche Funktion der konturenscharfen Gestaltungsmittel erkennen. Und obwohl Harnoncourt heute über zwölf Minuten weniger für das ganze Werk braucht, wirkt seine Interpretation paradoxerweise ruhiger, weil sie die einzelnen Teile besser integriert. Nicht alles deckt sich mit jenen eindringlichen Vorstellungen vom barocken Klang, die uns vor allem niederländische und japanische Musiker inzwischen vermitteln konnten. Harnoncourt bietet eine moderne Interpretation mit alten Instrumenten. Nichts anderes wollte er schon vor 30 Jahren.

Dr. Matthias Hengelbrock [01.06.2001]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Matthäus-Passion BWV 244

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bernarda Fink Sopran
Dorothea Röschmann Ein junger Hirt - Sopran
Christine Schäfer Sopran
Elisabeth von Magnus Alt
Christoph Prégardien Tenor
Michael Schade Don Ottavio - Tenor
Markus Schäfer Giob - Tenor
Matthias Goerne Bariton
Dietrich Henschel Bariton
Oliver Widmer Baß
Arnold Schönberg Chor Chor
Wiener Sängerknaben Chor
Concentus Musicus Wien Orchester
Nikolaus Harnoncourt Dirigent
 
8573-81036-2;0685738103621

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