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CD-Besprechung

L.v. Beethoven

Warner Classics 2 CD 3984-25249-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 4

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 2

Besprechung: 01.02.00

Warner Classics 3984-25249-2

2 CD • 2h 38min • 1999

Völlig überflüssige Opernaufnahmen wie diese sind vor allem ein Symptom für den kranken Schallplattenmarkt, aber keineswegs Dokument einer seriösen Kunstanstrengung im Dienst eines der bedeutendsten musikalischen Bühnenwerke. Die eklatanten Fehlbesetzungen der beiden Hauptrollen verfolgen ebenso ausschließlich absatzstrategische Zwecke wie die Präsentationsform. Man mag von den schwachen Dialogen halten, was man will – Vergleichbares gilt auch für die der Zauberflöte oder des Freischütz –, ein völliges Beiseitelassen wie hier trägt keineswegs dazu bei, wie im Booklet behauptet wird, die musiktheatralische Wirkung des Fidelio für ein internationales, nicht deutsch verstehendes Publikum zu steigern; das Gegenteil ist der Fall. Waltraud Meier ist wie stets eine farbige, emotionale Gestalterin, aber ihre stimmlichen Probleme mit der Titelpartie sind so offenkundig, daß ihr darstellerisches Engagement in den Hintergrund gedrängt wird. Schon die Mittellage klingt verspannt und die Töne über dem Notensystem gewinnen mit steigender Höhe an unangenehmer Säure und schriller Schärfe. Plácido Domingos Annäherung an die Partie des Florestan kommt schon bei den artikulatorischen Hürden so gewaltig ins Stolpern, daß die Erklärung für die weggelassenen Dialoge damit unfreiwillig gegeben wird. Kein Wunder, daß das Unaussprechliche für ihn auch Unbegreiflich bleibt und somit eine differenzierte, textbezogene Vermittlung des Gesungenen auf Zufallstreffer angewiesen ist oder im Vorfeld der Pauschalität hängen bleibt. Als Pizarro präsentiert Falk Struckmann einen zwar markigen, stimmgewaltigen Heldenbariton, aber nur sehr begrenzte schurkische Glaubwürdigkeit, zu monochrom ist sein Dauerforte, zu wenig Gefährlichkeit lauert zwischen den Zeilen. Als braves, unauffälliges Buffopaar geben sich Werner Güra und Soile Isokoski, letztere mit eher fraulichen als jungmädchenhaften Zügen. Der einzige Sänger, der wirklich überzeugt, ist der Prachtbaß von René Pape, in dieser Stimmlage das derzeit hochkarätigste Talent weit und breit. Allerdings wirkt er mit den nicht eben hohen Anforderungen der Rocco-Partie eher unterfordert. Daniel Barenboim leistet sich einmal mehr ein lauwarmes, lasches Dirigat ohne Profil und Charakter und ohne jeglichen individuellen Wiedererkennungswert – zu wenig für jemand, der als Pultstar gehandelt wird und viel zu wenig für eine innovative Sicht von Beethovens Meisterwerk.

Walter Fritz [01.02.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Fidelio op. 72 (Oper in zwei Aufzügen)
2 Ouvertüre zu "Fidelio" op. 72
3 Leonoren-Ouvertüre Nr. 1 C-Dur op. 138
4 Leonoren-Ouvertüre Nr. 2 C-Dur op. 72a
5 Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 C-Dur op. 72b

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Waltraud Meier Leonore - Sopran
Plácido Domingo Florestan - Tenor
Falk Struckmann Don Pizarro - Bariton
René Pape Rocco - Baß
Soile Isokoski Marzelline - Sopran
Werner Güra Jaquino - Tenor
Kwangchul Youn Don Fernando - Bariton
Chor der Deutschen Staatsoper Berlin Chor
Staatskapelle Berlin Orchester
Daniel Barenboim Dirigent
 
3984-25249-2;0639842524926

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