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CD-Besprechung

Thorofon CTH 2402

1 CD • 63min • 1997-98

01.11.1999

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Peter Ruzicka (Jg. 1948) ist einer der Ältesten in jener Generation von Komponisten, für die das Strukturdenken der "Darmstädter Schule" schon Geschichte war, nicht mehr aktuell verpflichtende Maxime. Allerdings war Ruzicka niemals ein Mann banaler "neuer Einfachheit"; sein von den ersten Stücken an (Esta Noche, Todesfuge) expressiv aufgeladenes Musizieren erschien stets hochkomplex in der Faktur und anspruchsvoll in den technischen Mitteln. Und dies, obwohl seine Musik deutlicher und hörbarer als die Anderer an bestimmte Traditionen anknüpft, ja deren Klanggestus assoziiert oder gar zitiert – es sind die Traditionen des frühen Expressionismus und vor allem diejenigen Gustav Mahlers. Auch bei der vorliegenden Einspielung hört man immer wieder durch Ruzicka hindurch Mahler, ja man meint, Thematisches zu erkennen, um dann festzustellen, daß dies keineswegs etwa einmontiert wäre, sondern sich aus der Klangfantasie und -palette Ruzickas ganz logisch und fast beiläufig ergibt.

Ein quasi-Violinkonzert von Instrumenten und Chor "begleiten" zu lassen ist zwar nicht ganz neu, aber hier sehr überzeugend gelöst: die Chorstimmen (nach Celan-Texten) wirken vollkommen in den Orchesterklang integriert. Auch Vorgefühle vermittelt immer wieder eine Art Dejà-entendu-Eindruck in Richtung Mahler, aber auch hier verschmilzt dieses Gefühl am Ende mit der Erkenntnis eines "echten Ruzicka" – Vorgefühle ist übrigens ganz im Sinne des Titels ein Vorgriff auf eine Paul-Celan-Oper, an der Ruzicka gerade arbeitet. Mögen manche Werktitel Ruzickas etwas prätentiös klingen, so verschwindet dieser Eindruck doch gegenüber einer starken schöpferischen Persönlichkeit und der überzeugenden klanglich-gehaltlichen Annäherung an literarische Vorbilder. Die Interpretationen sind klangsinnlich und technisch tadellos, das Booklet ist informativ und bringt auch alle zugrundeliegenden literarischen Texte; man hätte sich lediglich gewünscht, im Text den Namen des Komponisten nicht falsch "Ruzik-ka" zu trennen, was ja der Aussprache nicht entspricht.

Dr. Hartmut Lück [01.11.1999]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Peter Ruzicka
1... Inseln, Randlos ... für Violine, Kammerchor und Orchester
2Die Sonne sinkt für Bariton und Klavier (Acht Gesänge nach Fragmenten von Nietzsche)
3Gestalt und Abbruch (Sieben Fragmente für Stimmen, 1979)
4"... Vorgefühle ..." für Orchester

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