Johann Stamitz
Darmstädter Sinfonien
Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Timo Handschuh
cpo 555 121-2
1 CD • 77min • 2019
12.02.2026
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Gesamteindruck:![]()
Timo Handschuh und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim widmen sich in ihrer aktuellen Einspielung den sechs frühen in Darmstadt überlieferten Sinfonien von Johann Stamitz (1711-1757), der als einer der Väter der Mannheimer Schule gilt. Diese dreisätzigen, sich an der italienischen Opernsinfonia orientierenden Werke legen Zeugnis davon ab, dass es dem Darmstädter Hofkapellmeister wichtig war, mit seinem Ensemble stets am Puls der Zeit zu bleiben.
Ein Böhme in Kurpfalz
Johann Wenzel Stamitz entstammte einer musikalisch engagierten Familie aus Deutsch Brod in Ost-Böhmen. Sein Vater war Organist und Ratsherr, sodass er schon früh eine musikalische Bildung genoss. Diese konnte er auf dem Jesuitengymnasium von Iglau von 1728-34 erweitern, sodass er später sämtliche Streichinstrumente von Violine bis Kontrabass virtuos beherrschte. 1735 studierte er Philosophie in Prag, wo er die Gelegenheit hatte, das Spiel der durchreisenden italienischen Violin-Virtuosen zu studieren. Es wird gemutmaßt, dass er sein Spiel unter der Anleitung von Antonio Vivaldis Schüler Carlo Tessarini (1690-1756) vervollkommnete, der damals Hofkapellmeister in Brünn war. Hierfür wird aber nur die räumliche Nähe als Argument angegeben. Somit könnte es genauso gut möglich sein, dass er sich die damals als führend erachtete Dresdner Hofkapelle näher angeschaut hat und womöglich von Johann Georg Pisendel unterwiesen wurde. Nachdem ich vor geraumer Zeit dessen Konzerte besprach, erscheint dies mir aus stilistischen Gründen zumindest als möglich. Ab 1741 finden wir ihn als Konzertmeister der Mannheimer Hofkapelle, wo er einen Stil des Streicherspiels etablierte, der von den Zeitgenossen – darunter Leopold Mozart – in den höchsten Tönen gepriesen wurde. Sein Sohn Anton wurde später der Lehrer von Rodolphe Kreutzer, der die französische Violinschule des 19. Jahrhunderts prägte.
Workout für Violinisten
In seiner Rolle als Konzertmeister hatte Stamitz vorrangig die Geigengruppe zu trainieren. Darauf scheinen diese frühen Sinfonien ausgerichtet zu sein. Während Bratschen und Bässe gemütlich in Vierteln dahinspazieren, werden den Geigen schnelle 16tel-Figuren und flirrende Tonwiederholungen abverlangt, die erhebliche Ansprüche an eine präzise Bogenführung und genaues Zusammenspiel stellen. Da erste und zweite Violine häufig im Einklang geführt sind oder sich mit den Figuren ein Frage-und-Antwort-Spiel liefern, ist es denkbar, dass Stamitz hier auf bereits früher komponierte Sonaten für Violine und Basso Continuo zurückgegriffen hat. Dies macht – besonders wenn zwei Hörner für zusätzliche Farbe sorgen – durchaus erhebliches Vergnügen.
Historisch informiert auf modernen Instrumenten
Das Südwestdeutsche Kammerorchester unter Timo Handschuh löst die gestellte Aufgabe souverän mit schlanker, vibratoarmer Tongebung und dem nötigen Feuer. Da hört man gern zu. Allerdings sind die Werke nicht gewichtig genug, um hier die vollen 10 Punkte zu vergeben.
Die Aufnahmetechnik bildet das Geschehen transparent ab. Der Booklet-Text klärt mehr als ausreichend über die Hintergründe von Komponist und Werken auf.
Fazit: Vergnügliche galante Musik, die die Oberstimmendominanz auf die Spitze treibt. Ideal als hübsche Einführung in klassische Musik für junge Leute oder zur Aufheiterung trüber Tage.
Thomas Baack [12.02.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johann Stamitz | ||
| 1 | Sinfonie A-Dur | 00:10:12 |
| 4 | Sinfonie D-Dur (D 21) | 00:15:34 |
| 7 | Sinfonie G-Dur (G 8) | 00:12:27 |
| 10 | Sinfonie D-Dur (D 23) | 00:14:17 |
| 13 | Sinfonie D-Dur (D 24) | 00:13:53 |
| 16 | Sinfonie B-Dur (B 4) | 00:10:11 |
Interpreten der Einspielung
- Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim (Orchester)
- Timo Handschuh (Dirigent)
