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Besprechung CD

Quartette für Violine, zwei Violen und Violoncello

Antes BM319329

8 CD • 64min • 2022

02.10.2023

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Streichquartette gelten heute als der Gipfel seriösester Kammermusik. Das war nicht immer so. Als sich die Besetzung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. zu etablieren begann, entstand ein Entwicklungsstrang, der vom unterhaltsamen Divertimento ausging und mit Besetzungen experimentierte. So kam es zur ungewöhnlichen Variante, in der anstatt der heute kanonischen zwei Violinen stattdessen zwei Violen notiert werden. Drei dieser Werke stellt das Quatuor Avium auf seiner fünf Jahrhunderte umspannenden CD vor.

Streichquartette mit zwei Bratschen

Streicherkammermusik beginnt im 16. Jahrhundert mit den englischen Gambenconsorts von Christopher Tye, William Byrd und John Dowland und wurde auf der Insel bis zu den Fantasien Henry Purcells, die um 1680 entstanden, gepflegt. Hier besetzt man die vierstimmigen Werke mit Diskant-, 2 Alt- und Bass-Gambe. Die Gambe verlor ab 1740 ihre Bedeutung, wobei diese Entwicklung von Italien und Deutschland ausging. In Frankreich hielt sie sich länger und so ist es durchaus denkbar, dass eine der beiden Bratschenpartien der in Paris erschienenen Quartette von Carl Stamitz und Giuseppe Cambini auf einer noch vorhandenen Diskantgambe gespielt wurde. Zudem sind beide Werke zweisätzig, weshalb man sie der Unterhaltungsmusik für begabte Amateure zurechnen darf. Dies gilt gleichermaßen für das dreisätzige Werk von Franz Anton Hoffmeister, dem Mitbegründer der heutigen Edition Peters, der natürlich wusste, was damals auf dem Markt ankam.

Ausflüge ins 20. und 21. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert kommt mit einem Arrangement der jazzigen 3 Preludes von George Gershwin zu Gehör; das 21. mit einem viersätzigen Quartett des Geigers und international anerkannten Komponisten Felix Treiber. Dieses Werk hebt sich durch seine Klangsprache, die ein wenig an die drei späteren Quartette Béla Bartóks gemahnt, von der ansonsten überwiegenden, leicht konsumierbaren Serenadenseligkeit ab. Man sollte es ruhig zweimal hintereinander anhören.

Gelungene Interpretation

Das Quatuor Avium aus Karlsruhe mit Felix Treiber (Vl), den beiden Bratscherinnen Akiko Sato und Sibylle Langmaack sowie Norbert Ginthör (Vc) macht seine Sache ausgezeichnet. Durch die Doppelbesetzung der Alt-Lage entsteht ein sehr warmer, runder, vollmundiger Klang. Artikulation und Intonation sind makellos. Die beiden Engländer werden historisch informiert, mit minimalem Vibrato gespielt. Hier hätte ich mir zusätzliche Ornamente, analog zu den teilweise existierenden Virginal-Fassungen, vorstellen können. Der Serenadenton in den klassischen Quartetten wird sicher getroffen. Der Gershwin swingt. Das Booklet ist informativ, die Aufnahme gelungen.

Fazit: Interessante CD mit einer alternativen Besetzung für vier Streichinstrumente, die ich gern angehört habe.

Thomas Baack [02.10.2023]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Anton Hoffmeister
1Quartett Es-Dur op. 20 Nr. 5 00:16:19
Henry Purcell
4Fantasia Nr. 8 (à 4) 00:03:23
Carl Stamitz
5Quartett g-Moll op. 2 Nr. 2 00:10:53
Felix Treiber
7Quartett 00:12:03
William Byrd
11Fantasia à 4 Nr. 5 00:02:50
Giuseppe Maria Cambini
12Quartett D-Dur op. 21 Nr. 3 00:11:04
George Gershwin
14Rubato (Prelude; arr.: Felix Treiber) 00:01:03
15Sleepless Night (Prelude; arr.: Felix Treiber) 00:02:10
16Spanish Prelude (arr.: Felix Treiber) 00:01:21

Interpreten der Einspielung

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