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Besprechung CD

Bach

Die Geheimnisse der Harmonie
Eine Hörbiographie von Jörg Handstein (CD 1-3)

BR Klassik 900936

4 CD • 4h 24min • 2023

08.07.2023

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Jetzt gibt es die neueste Musiker-Hörbiographie des Bayerischen Rundfunks auch auf drei CDs. Diesmal beschäftigt sich Jörg Hanstein mit Johann Sebastian Bach und versucht in neun Kapiteln die „Geheimnisse der Harmonie“ zu lüften. Tatortkommissar Leitmayr – alias Udo Wachtveitl – erzählt die Geschichte, Albrecht Schuch gibt den Maestro. Dazwischen und darunter erklingen als Jingles Fragmente aus dem musikalischen Œuvre.

Schulfunk für Erwachsene

Beim Hören der gut dreieinhalbstündigen Hörspiel-Serie glaubte ich mich in selige Kinderzeiten versetzt. Hatte ich doch als 6-12jähriger Knabe ein ausgesprochenes Faible für die Schulfunk-Sendungen des NDR, weil man dort Informationen aufschnappen konnte, die erst viel später im Unterricht dran waren. Das ist durchaus als Kompliment für die lebendige Umsetzung des Stoffs zu verstehen. Wie in jeder Bach-Biographie geben Johann Nikolaus Forkel und Philipp Spitta das Gerüst. Neuere Forschungen von Christoph Wolff und Siegbert Rampe finden ihren gebührenden Niederschlag. Ergo: eine Biographie auf dem Forschungsstand der heutigen Zeit.

Spannend erzählt, doch unvollständig

Und doch fehlt mir so einiges. Anstatt das Heldenlied des Johann Sebastian zu singen, wäre es nützlich gewesen, die rein biographischen Kapitel auf sieben Folgen zu verteilen und sich in einer Folge mit den damals berühmteren Kollegen Georg Philipp Telemann – immerhin der Pate des Zweitgeborenen Carl Philipp Emanuel – , Georg Friedrich Händel und Christoph Graupner zu beschäftigen, um die Positionierung Bachs in der Historie zu verdeutlichen. In diesem Zusammenhang ist auch die Darstellung des Streits zwischen dem späteren Dänischen Hofkomponisten Johann Adolf Scheibe und Johann Abraham Birnbaum deutlich zu unterkomplex.

Ebenso wäre es ein Leichtes gewesen, eine Folge „Bach unterrichtet die Composition“ klingend ein wenig vom „Geheimnis der Harmonie“ zu lüften. Derek Remes hat nachgewiesen, dass Bach erst den Generalbass unterrichtete und dabei Choralmelodien und den zugehörigen Bass vorgab, wobei die Mittelstimmen nur durch die Bezifferung angegeben waren. Zudem waren Generalbässe schriftlich in strengem vierstimmigen Satz auszusetzen. Wie man aus diesen Strukturen dann Organistenpräludien, Choralvorspiele oder auch Tanzsätze entwickeln kann, wird heute an den Hochschulen wieder im Fach Historische Improvisation gelehrt. Schließlich galt die praktische Musik damals genau wie Goldschmiedekunst und Malerei vornehmlich als Handwerk.

Darf es noch etwas mehr sein?

Weil noch ein Fach in der Box frei war, griff man ins Archiv und legte eine Bonus-CD bei, auf der der Chor des Bayerischen Rundfunks unter Howard Arman Singet dem Herrn BWV 225 und das BR-Symphonieorchester die C-Dur-Orchestersuite BWV 1066 interpretieren. Das ist professionell gemacht und niemand wird bezweifeln, das Deutschlands wohl bester Rundfunkchor die doppelchörige Motette bravourös, wenngleich mit zu vielen Aspirationen (Gahahahahaheist) bewältigt. Sie nur ist nach dem originalen Stimmenmaterial leider kein Chorstück mit Basso continuo, sondern ein Werk für 8 Solisten – meinethalben auch 16 – und jeweils 4 Streicher, 3 Oboen plus Fagott. Ebenso gekonnt ist die Orchestersuite, bei der mich allerdings wundert, dass Giovanni Antonini als Barockspezialist, den exzellenten Oboisten keine Verzierungen in den Wiederholungen gestattet.

Aufnahmetechnisch haben wir es mit guter Rundfunkqualität zu tun. Das Booklet listet getreulich alle nur als Jingles und Hintergrundmusik genutzten Werke auf.

Fazit: Insgesamt betrachtet, ein nettes Propädeutikum bezüglich des Komponisten Johann Sebastian Bach. Hätte man die Hörbiographie auf eine MP3-CD gepackt, die sich leicht aufs Mobilgerät überspielen ließe, wäre eine sympathische Auflockerung für lange Flug- oder Bahnreisen daraus geworden. Ich hätte mich dabei allerdings fortlaufend über die zur Hintergrundmusik degradierten Werke geärgert.

Thomas Baack [08.07.2023]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 4
Johann Sebastian Bach
1Singet dem Herrn ein neues Lied BWV 225 (Motette) 00:17:07
5Orchestersuite Nr. 1 C-Dur BWV 1066 00:24:06

Interpreten der Einspielung

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