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CD-Besprechung

Victor Ullmann Der zerbrochene Krug

Orfeo C 419 981 A

1 CD • 53min • 1998

01.01.1999

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 6
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Das erfreuliche Engagement von Orfeo für den in Auschwitz ermordeten Viktor Ullmann (1889–1944) findet hier seine Fortsetzung. Gleich sympathisch ist diese CD durch die kundenfreundliche Geste der Hersteller, angesichts des dicken Booklets die Einzel-CD in eine Doppelbox zu stecken.

Gerd Albrecht hat sich des Operneinakters nach Kleist angenommen, der lange als verschollen galt und erst 1996 von Israel Yinon ausgegraben, aufgeführt und ediert wurde. Aufgrund seiner Kürze und Konzentration auf die Dialoge – der intelligente Covertext von Albrecht Riethmüller nennt es nach Strauß zu Recht ein „Konversationsstück“ – ist Ullmans Zerbrochener Krug für die CD bestens geeignet. Das 1942 komponiert Stück mit seiner bösen Kritik an der Gerichtsbarkeit („Richter soll keiner sein, ist nicht sein Herze rein“) heißt es am Ende mit deutlichem Blick auf Volksrichter Freisler) zog die Verhaftung des Komponisten nach sich.

Gerd Albrecht hat nicht nur den Ruf eines Spezialisten für Musik der Kriegsjahre, sondern auch ein Händchen dafür, Entdeckungen von Dirigentenkollegen mit seinem eigenen Namen auf dem CD-Markt unterzubringen. Bei allen Qualitäten dieses erfahrenen Kapellmeisters hat man mitunter doch den Eindruck, daß die entsprechenden Werke (z.b. Zemlinskys König Kandaules, herausgegeben von Anthony Beaumont) in den Händen ihrer Entdecker besser aufgehoben wäre – in diesem Fall bei Israel Yinon, der fairerweise im Covertext genannt wird und sich auf CD höchst erfolgreich selbst für Ullmann eingesetzt hat. Albrecht, das Orchester und sein potentes Sängerensemble stürzen sich zwar mit Akribie und Raffinesse auf die ironische Musik. Dennoch wirkt das Ganze bei aller sprühenden Rhythmik mitunter nüchtern. Das liegt wohl zum einen am Streicherklang, der nicht immer zum Blühen kommt und mitunter unangenehm scharf ist, zum anderen an den manchmal zu forschen Tempi. Bei aller gebotenen Dramatik der Entwicklung überschlägt sich der Text über das erträgliche Maß hinaus und wird dann ganz unverständlich (z.B. Tr. 3, nach 8’13). Freichlich sind die Hauptrollen superb besetzt, allen voran Roland Hermann als Dorfrichter Adam und Claudia Barainsky als Eve. Nur Tenor Thomas Dewald als Schreiber Licht wirkt manchmal etwas überdreht; sein scharfes Timbre ist nicht jedermanns Sache.

Die Slawische Rhapsodie schließlich ist eine Repertoirebereicherung – ein glänzend komponiertes Werk im Stil einer Liszt- bzw. Dvorák-Parodie, versetzt mit Elementen aus der Saxophonrhapsodie von Debussy/Roger-Ducasse.

Dr. Benjamin G. Cohrs [01.01.1999]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Viktor Ullmann
1Slawische Rhapsodie op. 23 für Saxophon und Orchester
2Der zerbrochene Krug op. 36

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