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CD-Besprechung

Pēteris Vasks

Piano Works

Ondine ODE 1361-2

1 CD • 81min • 2021

10.07.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Pēteris Vasks (geb. 1946), der wohl bekannteste zeitgenössische Komponist Lettlands, studierte – noch zu Sowjetzeiten – zunächst in Vilnius, später Komposition in Riga. Immer schon war für ihn die Verbindung zur Natur von zentraler Bedeutung. So verwundert es nicht, dass es in seiner Klaviermusik sowohl Naturdarstellungen gibt, die vom Kantschen Mimesis-Begriff geprägt sind, der eben keine allzu naturalistische Ästhetik postuliert, als auch anti-mimetische Elemente, die auf rein musikalischen Konstrukten aufbauen.

Kontrastreicher Zyklus

Vasks erstes umfangreicheres Klavierwerk Zyklus schrieb der Komponist 1976 für seinen gleichaltrigen Freund, den Pianisten Tālivaldis Deksnis. In vier Sätzen werden hier extreme Kontraste herausgearbeitet, pianistisch höchst virtuos. Das geht von schnellen, komplexen Klangkaskaden über brutale Cluster bis zum Spiel „im“ Instrument: direktes Anreißen beziehungsweise manuelles Abdämpfen von Saiten etc. Reinis Zariņš (Jahrgang 1985) produziert hier ein eindrucksvolles Klangpanorama, dessen wohldosierte Spannung über 16 Minuten trägt.

Lettische Jahreszeiten

Über einen längeren Zeitraum entstand der großangelegte Zyklus der vier Jahreszeiten, der bei einer Gesamtaufführung mit dem Winter (Weiße Szenerie) beginnen soll. Die Kompositionsreihenfolge war jedoch Winter (1980), Herbst (1981), Frühling (1995) und Sommer (2008). Hier finden sich, fast erwartungsgemäß, zahlreiche mimetische Naturbezüge, vom Schnee über Herbststürme bis hin zu ganz eigenwilligen, tief bewegenden Vogelgesängen, die ein wenig an Messiaen erinnern mögen, ohne dessen Faktur zu kopieren. Gerade in der Frühlingsmusik, mit alleine 20 Minuten der längste Satz, fordert Vasks von seinen Interpreten Höchstleistungen. Dabei überzeugt Zariņš, der das Stück mühelos bewältigt, noch mehr durch seine überbordende Emotionalität, die sich direkt auf den Hörer überträgt: eine grandiose Leistung. Das Verständnis für Resonanzen, aber ebenso die Dramaturgie der einzelnen Stücke, scheint bis ins Detail vollkommen. Zudem wird der Klavierklang von Ondine mal wirklich perfekt eingefangen: Wieder zeichnet hierfür Normunds Šnē verantwortlich.

Beeindruckende Fantasie über den Kuckucksruf

Extra für diese Veröffentlichung schrieb Vasks 2021 Cuckoo’s Voice. Spring Elegy, eine in der Tat wunderschöne Fantasie über den Kuckucksruf; bei Vasks übrigens meistens eine große Terz, die hier fast allgegenwärtig ist. Zwölf Minuten leicht verständliche, ein wenig nostalgische, zugleich äußerst kunstvoll gestrickte Musik, die beweist, dass Vasks nicht nur großartige Orchestermusik, sondern genauso souverän und zeitgemäß für das Klavier schreiben kann. Und mit Reinis Zariņš scheint er nun seinen idealen Pianisten gefunden zu haben – ausdrückliche Empfehlung!

Martin Blaumeiser [10.07.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Pēteris Vasks
1Cuckoo's Voice (Spring Elegy) 00:12:19
2Cycle 00:15:57
6The Seasons 00:52:05

Interpreten der Einspielung

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