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CD-Besprechung

Matthias Weckmann

Eleven Sonatas for the Hamburg Collegium Musicum

cpo 555 217-2

1 CD • 58min • 2018

09.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Als Matthias Weckmann (1621–1674), Organist an der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi, starb, war die einhellige Meinung, dass mit seinem Dahinscheiden eine glanzvolle Epoche in der Musikgeschichte der Hansestadt zu Ende gegangen war. Die Zeitgenossen maßen Weckmann als Komponisten einen außerordentlich hohen Rang zu, verband er doch in seinem Schaffen die unterschiedlichsten Traditionen zu einer höchst eigenwilligen und zugleich expressiven Musiksprache. 1621 als Sohn eines Pfarrers im thüringischen Niederdorla geboren, trat er im Alter von zehn Jahren als Diskantist in die kursächsische Hofkapelle in Dresden ein, wo Heinrich Schütz als Hofkapellmeister wirkte, den Weckmann zeitlebens als seinen „väterlichen Freundt“ verehrte. In Dresden lernte er die prachtvolle Musik der berühmtesten mitteldeutschen Hofkapelle kennen; vor allem aber gewann er einen Eindruck von der soliden und ernsthaften Gründlichkeit einer Kompositionslehre, die Schütz mustergültig vertrat. Nach dem Stimmbruch sandte der „väterliche Freundt“ seinen Schützling nach Hamburg, damit er dort bei Jacob Praetorius, dem berühmten Sweelinck-Schüler, das Orgelspiel und die strenge kontrapunktische Komposition erlerne. Darauf folgten Aufenthalte in Kopenhagen und Dresden: An beiden Höfen lernte er die allerneueste italienische Musik kennen, die er eifrig sammelte. Ein Treffen mit Johann Jacob Froberger um 1650 machte ihn mit der französische Suitenkunst bekannt und vermittelte ihm so einen breiten musikalischen Horizont.

Weltoffener Musiker in einer weltoffenen Stadt

Seine Lebensstellung fand Weckmann im Jahr 1655 als Organist der Hamburger Jacobikirche. 1660 gründete er ein Collegium musicum, das wöchentlich im Remter des Hamburger Doms auftrat und zeitweilig bis zu 50 Musiker umfasste. Dieses Ensemble eröffnete dem Hamburger Publikum ein neues Repertoire mit den „besten Sachen aus Venedig, Rom, Wien, München, Dresden“, wie noch 1740 Johann Mattheson berichtete. Für diesen Kreis von Kennern schuf Weckmann vermutlich einen großen Teil seiner Vokalkonzerte; aber auch seine Sonaten im italienischen Stil gehören in diesen Zusammenhang und bestechen über den kontrapunktisch strengen Satz hinaus auch durch durch ihre phantasievolle Individualität.

Zukunftsmusik

Mit ihrer Auswahl von Kompositionen Matthias Weckmanns versammeln Roland Wilson und sein Ensemble Musica Fiata auf dieser CD Musik, die nicht nur Hamburgs Stellung als eine bedeutende europäische Kulturmetropole im 17. Jahrhundert hervorhebt, sondern auch Weckmanns Bedeutung als erstrangiger Komponist seiner Epoche herausstellt: Die reiche instrumentale Ausstattung seiner Stücke richtet sich am Inventar zeitgenössischer italienischer Instrumentalkompositionen aus – sie liegen diesen Werken als traditioneller Hintergrund zugrunde. So ist hier eine Keimzelle der Instrumentalmusik zu finden, wie sie sich vom Ende des 17. Jahrhunderts bis in die spätbarocke Epoche der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Deutschland weiterentwickeln sollte.

Pracht und Intimität

Nicht ohne besondere lobende Erwähnung sollten auch die Interpreten bleiben: In souveräner musikalischer Darstellung bringen Roland Wilson und seine Musica Fiata die beiden Aspekte dieser Musik zum Klingen, die Weckmanns Ruhm über die Jahrhunderte hinweg bis heute strahlen lassen: Repräsentative Prachtentfaltung und gesangliche Intimität ergänzen sich hier dank eines bedeutenden Meisters und seiner kongenialen Interpreten zu dem musikalischen Porträt einer norddeutschen Metropole, die den Vergleich mit den italienischen Zentren ihrer Zeit nicht zu scheuen brauchte.

Detmar Huchting [09.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Matthias Weckmann
1Sonata II (à 4) 00:05:17
2Sonata VI (à 4) 00:05:01
3Sonata VIII (à 3) 00:02:49
4Sonata I (à 4) 00:04:46
5Sonata III (à 4) 00:05:02
6Fantasia (à 5) 00:04:26
7Sonata XI (à 4) 00:06:14
8Sonata IV (à 4) 00:05:26
9Sonata V (à 4) 00:05:24
10Sonata X (à 3) 00:03:26
11Sonata VII (à 4) 00:03:46
12Sonata IX (à 4) 00:06:12

Interpreten der Einspielung

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