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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Anton Edvard Pratté

Grand Concert • Theme and Variations • Souvenir de Norvège

BIS 2570

1 CD/SACD stereo/surround • 74min • 2020

21.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Kaum jemand in der Musikszene kennt heute den Namen Anton Edvard Pratté, es sei denn, er oder sie wäre auf Harfenmusik spezialisiert. Seine Lebenszeit währte von 1796 bis 1875, und zu Lebzeiten gehörte er zu den berühmtesten Harfenvirtuosen. Geboren wurde Pratté im böhmischen Haida (heute Nový Bor in Tschechien) unter dem Namen Johann Georg Pratte als Sohn von Anton Pratte, der seinen tschechischen Namen Antonín Brát bereits eingedeutscht hatte und ein reisendes Puppentheater betrieb.

Europareise mit wechselnden Namen

Johann Georg wurde bald Teil der familiären Aufführungen, nicht zuletzt als Musikant auf der Davidsharfe zur Unterhaltung des Publikums während der Pausen. Schließlich gelangte die Familie nach Skandinavien, und als Johann Georg 18 Jahre alt war, ertrug er die Prügel seines gewalttätigen Vaters nicht mehr und setzte sich während eines Aufenthalts in Dänemark von seiner Familie ab. Nach einiger Zeit der Armut erlangte er unter dem französisierten Namen Antoine Édouard Pratté als Harfenist Erfolg und fand in Schweden für den Rest seines Lebens eine neue Heimat. Hier änderte er abermals seinen Namen, hieß jetzt Anton Edvard Pratté und verließ das Land nur noch für einige europäische Konzertreisen.

Aus dem Archiv geborgene Schätze

Als die Französisin Delphine Constantin-Reznik ihre Stelle als Harfenistin im schwedischen Norrköping Sinfonieorchester antrat (dessen Vorgängerensemble Pratté selbst eine Zeit lang geleitet hatte), machte sie sich auf die Suche nach schwedischer Harfenmusik. Ihre Forschungen führten zu Pratté, dessen Musik sie mit dieser SACD aus Staub der Archive befreit und ihr zu neuem Leben verhilft.

Das Grand concerto in g-Moll zirkulierte auch unter dem Titel Concerto appassionato und dürfte in den 1850er Jahren entstanden sein. Formal folgt die Komposition den großen virtuosen Konzerten ihrer Epoche: Einem ausladenden und majestätischen ersten Satz folgt eine innige, melodiöse Romanze, der sich direkt der dritte Satz Polacca alla Svedese als leidenschaftliches Rondo anschließt.

Zwei Solowerke ergänzen das Grand concerto: Die Variationen über eine schwedische Weise, denen das Volkslied Katten och killingen (Die Katze und das Kätzchen) zugrunde liegt, führte Pratté bei einem Konzert 1818 auf, das er in der Universität Uppsala gab. Die Fantasie Souvenir de Norvège, die spätestens 1849 uraufgeführt wurde, thematisiert vier norwegische Volkslieder – Pratté hielt sich häufiger in dem damals mit Schweden in Personalunion verbundenen Nachbarkönigreich auf. Souvenir de Norvège gehörte zu Prattés Lieblingsstücken und stand häufig auf dem Programm seiner Konzerte; nach Zeugnis der Zeitung Aftonbladet löste es tosenden Beifall beim Publikum aus.

Makellos in Virtuosität und Einfühlung

Pratté hütete seine auf Darbietung seiner außerordentlichen Virtuosität angelegte Musik eifersüchtig und veröffentlichte kein einziges Werk zu seinen Lebzeiten. So ist Delphine Constantin-Rezniks editorischer Leistung erheblicher Spürsinn zu bescheinigen, mit dem sie die virtuose Harfenliteratur des 19. Jahrhunderts maßgeblich bereichert. Ihren bemerkenswerten Fähigkeiten als Solistin und ihrem künstlerischen Feingefühl ist zuzuschreiben, dass sich die kompositorisch vielleicht nicht erstrangige Qualität der Stücke kaum bemerkbar macht und man sich nie als Publikum in einer musikalischen Zirkusveranstaltung wähnt.

Detmar Huchting [21.01.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Edvard Pratté
1Grand Concert G-Dur für Harfe und Orchester 00:42:58
4Thema und Variationen über ein schwedisches Volkslied 00:12:46
12Souvenir de Norvège (Fra Fjelle og Dale, Fantaisie romantique) 00:16:55

Interpreten der Einspielung

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