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CD-Besprechung

Mozart Piano & Winds

Markus Becker & Ma'alot Quintet

CAvi-music 8553043

1 CD • 67min • 2021

28.11.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Bearbeitungen beliebter Melodien sind zu Mozarts Zeit gängige Praxis. Populäre Opernarien sind die Hits („Gassenhauer“), aber auch Sinfonien oder Kammermusiken werden in allen möglichen Konstellationen geträllert, gefiedelt, gezupft und geblasen. Wer es sich leisten kann, unterhält eine Harmoniemusik, zumeist ein Bläseroktett, bestehend aus je zwei Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten, die mit entsprechenden Arrangements versorgt, das gerade Angesagte zum Besten gibt. Da es das Urheberrecht noch nicht gibt, wird das Geld mit dem Notenverkauf verdient, die tüchtigsten Bearbeiter liefern in Serie und verdienen sich eine goldene Nase, während der Komponist leer ausgeht.

Das Bläserquintett als gleichwertiges Pendant zum Streichquartett

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kommt die klassische Harmoniebesetzung im Zuge des sich wandelnden Musikgeschmacks und der Innovationen im Instrumentenbau aus der Mode. Vor allem die Flöte, die aufgrund ihrer seinerzeitigen Mängel in der Harmoniemusik nicht vorkam, erweist sich nun als vollwertiges Mitglied der Holzbläserfamilie. Das ist die Geburtsstunde des klassischen Bläserquintetts mit Flöte, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott, einer Formation, die ein gleichwertiges Pendant zum Streichquartett darstellt. Der in Paris lebende böhmische Komponist Anton Reicha und der Stuttgarter Hofkapellmeister Franz Danzi beweisen das jeweils mit einer ganzen Serie von Kompositionen, die aber nach kurzem Erfolg vorerst in der Versenkung verschwinden. Bläsermusiken gelten seinerzeit generell als veraltet.

Renaissance des Bläserquintetts im 20. Jahrhundert

Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebt das Bläserquintett eine Renaissance, das gleichermaßen staunende wie begeisterte Publikum feiert die vergessenen Schätze von Reicha und Danzi, und auch die Neutöner des 20. Jahrhunderts entdecken die vielfältigen Möglichkeiten der Formation. Was den etablierten Ensembles jedoch fehlt, ist der „klassische Unterbau“ des Repertoires. Und da kommen wieder die tüchtigen Bearbeiter ins Spiel, die die Tradition der Bläserbearbeitungen erfolgreich wiederbeleben. So ist es für das Ma’alot Quintett ein Glücksfall, mit seinem Klarinettisten Ulf-Guido Schäfer ein diesbezüglich begnadetes Talent in den eigenen Reihen zu haben.

Mozart für Bläserquintett

Seine vorliegenden Mozart-Adaptionen klingen in der Tat derart überzeugend, dass man meint, dieser habe das Bläserquintett schon gekannt. Allerdings hat Mozart mit seinem Quintett Es-Dur KV 452 für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott den Weg gewiesen. Auch wenn Mozart aus den genannten Gründen die Flöte ausgespart hat, erweist sich sein meisterhafter Bläsersatz als Vorstufe des späteren Bläserquintetts. Das Stück bildet sozusagen das Fundament, des vorliegenden Programms. Schäfers Adaption des Klavierkonzerts G-Dur KV 453 für Klavier und Bläserquintett zeigt geradezu verblüffend logisch auf, was Mozart mit einer derartigen Formation wohl getan hätte. Die Ouvertüre zu Der Schauspieldirektor und die kurz-knappe Es-Dur-Sinfonie Nr. 26 erklingen in erfrischend-„moderner“ Harmoniemusik-Tradition.

Markus Becker zelebriert die schnellen Ecksätze virtuos mit fröhlich-perlender Leichtigkeit. In den langsamen Mittelsätzen lässt er zusammen mit den Bläsern die Kantilenen herrlich ausschwingen. Das Ma’alot Quintett beweist auch nach über dreißig Jahren mit ausbalanciertem Ensembleklang und perfektem Zusammenspiel seine preisgekrönte Meisterschaft.

Holger Arnold [28.11.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Der Schauspieldirektor KV 486 (Ouvertüre; bearb. für Bläserquintett: Ulf-Guido Schäfer) 00:04:17
2Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur KV 453 (bearb. für Klavier und Bläserquintett: Ulf-Guido Schäfer) 00:30:07
5Sinfonie Nr. 26 Es-Dur KV 184 (bearb. für Klavier und Bläserquintett: Ulf-Guido Schäfer) 00:07:44
8Quintett Es-Dur KV 452 für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott 00:25:04

Interpreten der Einspielung

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