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CD-Besprechung

Erkin & Khachaturian

Piano Concertos

Aldilà Records ARCD 025

1 CD • 49min • 2011

30.11.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Bei Veröffentlichungen von Aldilà Records kann man stets mit interessanten Programmen rechnen. Wurden auf mehreren der in den letzten Jahren erschienenen CDs Streifzüge durch die Musikgeschichte unternommen, die teils Jahrhunderte überspannen und Beziehungen zwischen Werken verschiedener Epochen und Kulturräume deutlich machten, so widmet sich das vorliegende Album zwei Komponisten, die beide im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zur Welt kamen und in den 70er Jahren starben: dem Türken Ulvi Cemal Erkin und dem Armenier Aram Chatschaturjan. Ihre 1936 (Chatschaturjan) beziehungsweise 1942 (Erkin) entstandenen Klavierkonzerte werden von der Pianistin Gülsin Onay gemeinsam mit dem Bilkent Senfoni Orkestrası (dem akademischen Orchester der Bilkent-Universität Ankara) unter der Leitung von José Serebrier dargeboten.

Verwandte Stile

Während von Chatschaturjans Werk zahlreiche Aufnahmen vorliegen, erscheint Erkins Konzert hier zum ersten Mal auf einer kommerziellen CD. Es hat im Gegensatz zum dreisätzigen Chatschaturjan-Konzert vier Sätze, ist jedoch mit einer Spieldauer von knapp 23 Minuten deutlich kürzer. Einem verhältnismäßig ausgedehnten, von starken Kontrasten geprägten ersten Satz lässt Erkin ein Andante folgen, das sehr zart beginnt, aber im fff schließt. Das knappe Scherzo steht in konsequent durchgehaltenem 7/8-Takt (2+2+3). Das Finale beginnt langsam, entpuppt sich dann aber als Wirbelwind.

Angesichts der unterschiedlichen Ausbildungswege – Erkin studierte in Paris bei Nadia Boulanger, Chatschaturjan in Moskau bei Nikolai Mjaskowskij – erstaunt, wie sehr der türkische und der armenische Meister einander stilistisch nahegekommen sind. Wie Chatschaturjan aus der kaukasischen Folklore schöpfte Erkin aus der anatolischen. Bei allen Unterschieden im Einzelnen zeigen die beiden Klavierkonzerte sehr schön die Gemeinsamkeiten der Musikkulturen auf, welchen ihre Komponisten entstammen. Beide Werke sind geprägt von modalen Melodien, Dreiklangsharmonien mit beigemischten Reizdissonanzen, die weniger funktional als farblich wirken, einer farbenfrohen Instrumentation mit Tendenz zu gleißender Helle, und einer Vorliebe für die abrupte Gegenüberstellung von stark und sparsam instrumentierten Abschnitten.

Con anima

Den Ausführenden gebührt höchstes Lob. Chatschaturjans Konzert ist unter Onays Händen und Serebriers Dirigat nicht die flott bewältigte Virtuosennummer, als die man es zur Genüge von oberflächlichen Interpreten gehört hat, sondern ein großes, tiefes Werk, das in seiner Vielschichtigkeit erfasst und adäquat präsentiert wird. Gülsin Onay lässt es, wo der Komponist es verlangt, an physischer Kraft nicht fehlen, und José Serebrier, der seinem Ruf als besonders sorgfältiger Orchesterleiter einmal mehr gerecht wird, genießt es hörbar, das Orchester die dissonanten Reibungen in Chatschaturjans Akkorden betonen zu lassen, wodurch die Tutti-Stellen ein sehr kerniges Klangbild erhalten. Was man anhand der vorliegenden Darbietungen aber besonders deutlich merkt, ist, wie Chatschaturjan in diesem Werk immer wieder den Blick nach innen richtet, die prunkvoll auftrumpfenden Klänge in introvertierte, ja feierliche überführt. So erweist sich der langsame Satz als das Zentrum des Werkes: Die Zeit scheint stillzustehen, jeder Ton wird wichtig. Wie Onay die langen Melodielinien entfaltet, das ist wahrlich con anima gespielt!

Der gleiche Gestaltungswille prägt die Aufnahme des Erkin-Konzerts. Glücklich das Werk, das in einer solchen Aufführung erstmals auf den Markt gebracht wird! Das Zusammenwirken von Solistin und Orchester ist vorbildlich. Onay zeigt sich allen Situationen, in die sie von den Komponisten gebracht wird, vollauf gewachsen. Sie weiß das Geschehen anzuführen, aber auch mit dem Tutti wie mit einzelnen Instrumenten zu dialogisieren. Wenn das Klavier Orchesterinstrumente begleitet oder als Orchesterinstrument behandelt wird (Erkins Scherzo) drängt sie sich nicht in den Vordergrund und lässt den anderen Spielern das ihnen zugedachte Wort. Das Orchester selbst spielt in Hochform. Die CD dokumentiert somit auch, welch hohe Orchesterkultur an der Bilkent-Universität herrscht.

Ein nicht zu langer, auf den Punkt gebrachter Begleittext von Holger Sambale rundet die hervorragend gelungene Produktion ab.

Norbert Florian Schuck [30.11.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ulvi Cemal Erkin
1Klavierkonzert 00:22:43
Aram Khatchaturian
5Klavierkonzert Des-Dur 00:35:33

Interpreten der Einspielung

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