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CD-Besprechung

Mendelssohn

String Quintets

CAvi-music 8553030

1 CD • 65min • 2019

19.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Warum gibt es weniger feste Streichquintettformationen als Streichquartettensembles? Einerseits ist das Repertoire zu begrenzt, um für ständige Gruppen genügend Stoff zu bieten. Andererseits ist es praktischer, einen kammermusikerfahrenen Kollegen – je nach Bedarf an Bratsche oder Cello – in eine bestehende Quartettformation zu integrieren.

Warum finden sich die beiden Quintette Felix Mendelssohn Bartholdis relativ selten auf CD oder im Konzert? Bei beiden Quintetten handelt es sich um ausgesprochen konzertant-virtuose Werke, die auch für die Mittelstimmen höchst anspruchsvolle Aufgaben bereithalten. So bietet das flirrende Spiccato-Thema des Scherzo aus op. 18, das als fünfstimmiges Fugato durchgeführt wird, den beiden Bratschen die Herausforderung mit federleichtester Bogenführung zu glänzen.

Konzertante Eleganz

Beide Werke zeigen Mendelssohn sowohl von seiner extrovertierten als auch von seiner selteneren tiefgründigen Seite. Das A-Dur-Quintett op. 18 entstand 1826 für die Sonntagnachmittagskonzerte der Mendelssohn-Familie, zu denen die bedeutendsten Musiker Berlins oder auch gastierende Virtuosen eingeladen wurden, und die bis zum Tode Fannys 1847 zu den kulturellen Highlights der Preußenmetropole zählten. Dafür stand im Anwesen ein Gartensaal zur Verfügung, der bis zu 300 Personen fasste. Der ursprüngliche langsame Satz, ein Menuett, wurde 1832, nachdem Mendelssohn vom Tode seines Freundes und Geigenlehrers Eduard Rietz erfuhr, gegen ein Intermezzo ausgetauscht, dessen elegischer Mittelteil die Trauer über diesen Verlust bekundet.

Das posthum veröffentlichte B-Dur Quintett op. 87 zählt zu den reifsten und gültigsten Kammermusikwerken Mendelssohns. Es bietet der ersten Violine, die – wie in den Quartetten op. 44 – auf die Fähigkeiten des Mendelssohn-Freundes Ferdinand David zugeschnitten wurde, fast ein zweites Violinkonzert. Im Adagio e lento gelang dem Komponisten einer der wenigen vollends überzeugenden langsamen Sätze, in Form eines trauermarschähnlichen Epitaphs.

Vollständig und nach dem Autograph

Das Bartholdy-Quintett hat seiner Aufnahme die Neuausgabe des Henle-Verlags zugrunde gelegt, die von der gängigen Druckfassung an manchen Stellen abweicht. Außerdem bietet es als Ersteinspielung das später aus op. 18 ausgesonderte Menuett und das Finale von op. 87 einmal im Original und dann in der Fassung von Julius Rietz, des Herausgebers der alten Mendelssohn-Gesamtausgabe. Interpretatorisch geht die Begeisterung für die beiden Werke in den schnellen Sätzen manchmal mit dem Ensemble durch. Das „Allegro con moto“ von op. 18 und auch dessen Scherzo und Finale wirken gehetzt, sodass Phrasen nicht immer optimal kantabel und im Tempo flexibel gestaltet werden können. Manches könnte man sich transparenter und mit weniger Vibrato subtiler abgetönt vorstellen. Freilich ist dieser betont konzertant-überrumpelnde Interpretationsansatz bei diesen auf Glanz angelegten Werken durchaus legitim.

Das Klangbild ist direkt und dadurch transparent, wenngleich tendenziell kühl. Der Booklet-Text informiert über die Intention der Interpreten. Er hätte vielleicht etwas mehr Anleitung für Ersthörer vertragen können.

Fazit: Einzige von späteren Bearbeitungen freie Aufnahme der Streichquintette Felix Mendelssohns. Deshalb eine klare Repertoirebereicherung. Interpretatorisch weniger subtil als die Deutung der Archibudellis, die es unter ihrem spiritus rector Anner Bylsma ruhiger angehen lassen, der dafür jedoch die Alternativsätze fehlen.

Vergleichsaufnahme: L’Archibudelli (Sony).

Thomas Baack [19.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Felix Mendelssohn Bartholdy
1Streichquintett Nr. 1 A-Dur op. 18 00:28:22
5Minuetto op. 18 (ursprünglich 3. Satz des Streichquintetts) 00:04:14
6Streichquintett Nr. 2 B-Dur op. 87 00:26:58
10Streichquintett op. 87 (4. Satz, Alternative) 00:05:36

Interpreten der Einspielung

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