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CD-Besprechung

Elena Kolesnitschenko

»Concert Sans Orchestre«

GWK Records 152

1 CD • 77min • 2020

11.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

„Ein wahrer Lobgesang auf mein Instrument“ – so bezeichnet die Ukrainerin Elena Kolesnitschenko ihre Einspielung von Werken Saint-Saëns‘, Wolfgang Amadeus Mozarts, Skrjabins, Johann Sebastian Bachs und Schumanns. Und weiter: „Bei der Auswahl habe ich versucht, […] die gewaltige Bandbreite an Möglichkeiten bzw. Facetten des Klaviers zu präsentieren […] Das Programm bietet eine breite Palette an unterschiedlichen Stilen, kompositorischen und pianistischen Ansätzen.“ Es ist ein wahrhaft spannendes und ambitioniertes, auch die ganze Konzentration des Publikums einforderndes Programm abseits des mainstream, das die im Jahr 2000 als Achtzehnjährige nach Deutschland übergesiedelte Pianistin unter dem Titel Concert sans orchestre hier vorlegt. Tatsächlich spielen alle Werke jeweils auf ihre eigene Weise mit dem konzertanten oder dialogisierenden Prinzip, mit einer von intimen Momenten durchzogenen orchestralen Anlage, mit dem Gegenüberstellen und Verschmelzen von Solo und Tutti. Mit welcher Klarheit und Leidenschaft Elena Kolesnitschenko dies auf einem Bechstein D282 herausarbeitet und dabei auf beeindruckende Weise in mannigfaltige Farben taucht, das zeugt von einer durchdachten und stets nachvollziehbaren Gestaltungskunst.

Konzentrierter Ausdruck und farbkräftige Stimmungsmalereien

Als uneitel oder unaffektiert möchte ich die Herangehensweise der Pianistin bezeichnen, die zudem eine fortwährende Freude an der klanglichen und stimmungsmalerischen Gestaltung offenbart. Bereits das einleitende Allegro d’après le 3e Concerto op. 29 von Camille Saint-Saëns – des Komponisten eigenhändige Bearbeitung des Kopfsatzes seines 3. Klavierkonzerts – macht dies deutlich: In dem unablässigen Wogen der Arpeggien, der Oktav- und vollgriffigen Akkordpassagen sowie in den poetischen Binnenteilen, selbst in den dort enthaltenen Diskant-Trillerketten paaren sich eine schattierungsreiche Klangregie und eine jederzeit überzeugende Anschlagskultur mit hoch konzentriertem Ausdruck. Wie zielsicher Elena Kolesnitschenko Spannung und Entspannung einsetzt, im Aufbrausenden und Meditativen oder im Glänzenden und Düsteren nie überzeichnet und bei allen virtuosen Herausforderungen nie das Innige und Sinnliche aus den Augen verliert, das demonstriert sie eindrücklich in Alexander Skrjabins Allegro de concert b-Moll op. 18 und in dem Concert sans orchestre f-Moll op. 14 von Robert Schumann (ursprüngliche Fassung der 3. Klaviersonate).

Präzision auf Kosten eines natürlichen Flusses

Dass gestalterische Feinarbeit allerdings auch ihre Tücken haben kann, macht sich in Elena Kolesnitschenkos Lesart der Sonate B-Dur KV 333 von Wolfgang Amadeus Mozart und des Italienischen Konzerts F-Dur BWV 971 von Johann Sebastian Bach bemerkbar. Mir scheint, als sei die Pianistin in erster Linie auf eine präzise Artikulation und eine besondere dynamische Staffelung fixiert, um die Faktur beider Werke, ihren konzertanten Habitus und ihr dialogisierendes Prinzip überzeugend darzustellen. Für meine Ohren klingt das auch aufgrund einiger agogischer Ungereimtheiten gelegentlich ziemlich durchbuchstabiert, worunter der natürliche Fluss der Musik beider Kompositionen etwas leidet.

Christof Jetzschke [11.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Camille Saint-Saëns
1Allegro d'après le 3e Concerto op. 29 00:12:18
Wolfgang Amadeus Mozart
2Klaviersonate Nr. 13 B-Dur KV 333 KV 315c 00:21:40
Alexander Scriabin
5Allegro de concert h-Moll op. 18 00:06:30
Johann Sebastian Bach
6Italienisches Konzert F-Dur BWV 971 (aus: Clavierübung 2. Teil) 00:12:21
Robert Schumann
9Concert sans orchestre f-Moll op. 14 (Originalfassung 1836) 00:24:18

Interpreten der Einspielung

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