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CD-Besprechung

»Friendship«

Brahms – Joachim

GWK Records 150

1 CD • 50min • 2020

20.05.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Den Begriff „Beziehungszauber“ hat Thomas Mann für die vielfältig-verschlungene Symbolik des Ring des Nibelungen von Richard Wagner geprägt. „Beziehungszauber“ heißt ein Buch von Reinhard Piechocki über Clara Schumann und Johannes Brahms und mit „Beziehungszauber“ war die Ausstellung im Jahr 2011 am Brahms-Institut an der Musikhochschule Lübeck betitelt, das von Prof. Dr. Wolfgang Sandberger geleitet wird, der für die vorliegende CD auch im Booklet den Begriff „Beziehungszauber“ verwendet. Wahrscheinlich ist dieser Begriff zu deutsch, zu wenig international, weswegen man als Titel für diese CD über die Freundschaft von Johannes Brahms zu dem Geiger Joseph Joachim den englischen Titel „Friendship“ gewählt hat – obwohl er viel weniger aussagekräftig und weniger poetisch ist.

Eine Konzept-CD zum Mitdenken

Es ist eine Konzept-CD, beim Hören muss man das Konzept mitdenken, dann erst entfaltet sich der „Beziehungszauber“. Dann erst genießt man die musikalische, motivische Anspielung in dem Geistlichen Wiegenlied, wenn zu Beginn die Bratsche ganz deutlich das weihnachtliche Wiegenlied Joseph, lieber Joseph mein anstimmt: eine Anrufung und Mahnung an den Freund mit demselben Vornamen und ein musikalischer Versöhnungsversuch nach dem zeitweiligen Bruch ihrer Freundschaft. Außerdem hat Brahms dezidiert diese beiden Lieder einer Altstimme zugeordnet: Amalie Joachim hatte eine tiefwarme Altstimme, die Brahms immer an eine altitalienische Bratsche erinnerte. Brahms war ja überhaupt ein Meister der Anspielung, ja ein „Beziehungszauberer“, der sehr viel Außermusikalisches und Persönliches in seiner Musik versteckte, diese gleichsam als Sprechmitteilung gebrauchte. Mit den Hebräischen Melodien op. 9 revanchierte Joachim sich für die Widmung von Brahms‘ Klaviersonate op. 1, die Bratschen-Sonate op. 120 Nr. 1 spielten beide oft hintereinander zusammen: beglückende Beziehungs-Zauberei!

Umspielendes Geranke

Beziehungszauber herrscht auch bei den Interpretinnen: Hörbar sind die drei Musikerinnen befreundet und musizieren im interpretatorischen Einklang. Die gut geführte, volle und frauliche, gut gedimmte, jedoch auch der Entflammung fähige Altstimme von Sophie Harmsen mischt sich gut mit dem wohlgeformten Klavierton der Pianistin Simone Wolff, vor allem aber mit dem die Singstimme umrankenden warmen Viola-Ton der Bratschistin Lena Eckels, besonders gut im Geistlichen Wiegenlied. Da intoniert die Viola das Joseph-Thema redend, ja mahnend und Viola und Singstimme bilden ein sich verschränkendes und sich umspielendes Geranke.

Breit und wohlig singt sich die Viola aus in den Hebräischen Melodien von Joseph Joachim, gleichwohl diese Melodien insgesamt etwas Verinnerlichtes, Versonnenes, Nachdenkliches und Meditatives an sich haben – nur der 3. Satz wendet sich gleichsam nach außen. Und sehr kantabel geführt ist die Viola in der f-Moll-Sonate, in der vor allem die graziöse Anmut des 3. Satzes gut herausgespielt ist.

Das lebendig artikulierende Klavier hält sich merklich zurück, scheint vom Tonmeister auch in den Hintergrund gerückt zu sein: eine etwas stärkere akustische Eingebundenheit hätte das Geranke noch besser zum Ausdruck gebracht.

Rainer W. Janka [20.05.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Gestillte Sehnsucht op. 91 Nr. 1 00:05:55
2Geistliches Wiegenlied op. 91 Nr. 2 00:05:55
Joseph Joachim
3Hebräische Melodien op. 9 für Viola und Klavier (Nach Eindrücken der Byron'schen Gesänge) 00:16:04
Johannes Brahms
6Sonate f-Moll op. 120 Nr. 1 für Viola und Klavier 00:22:26

Interpreten der Einspielung

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