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CD-Besprechung

Boten der Liebe

Wagner Mahler
Voyager Quartet

Solo Musica SM 358

1 CD • 68min • 2020

25.04.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Mit „Boten der Liebe“ legt das Voyager Quartett ein Konzeptalbum mit Eigenbearbeitungen von Orchesterwerken und Klavierliedern für Streichquartett über (meist unglückliche) Liebeserfahrungen vor. Diese führte beim Rezensenten zu einigem Nachdenken.

Sinn und Unsinn von Bearbeitungen

Folgende Parameter lassen Bearbeitungen fremder Werke sinnvoll erscheinen:

• die geistige und haptische Aneignung eines Werks (Klavierauszug, Sinfonien für

Klavier 4-händig)

• die Anpassung an äußerliche Gegebenheiten (wenige Originalkompositionen für eine bestimmte Besetzung, nicht genügend Platz im Orchestergraben wegen Corona)

• Transfer von Virtuosität auf ein anderes instrumentales Medium (Bach- oder Paganini-Bearbeitungen von Liszt und Busoni)

• Verdeutlichung von Strukturen der Großwerke durch Rückführung auf den Kern in kleiner Besetzung (Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen)

• Keine Möglichkeit zur Wiedergabe via Tonträger (Grundproblem des 19. Jhds.)

Dies rechtfertigt jedoch keine Bearbeitung von Orchesterwerken für Streichquartett, denn folgende Punkte fallen bereits heraus: Wiedergabemöglichkeit, Strukturverdeutlichung (hierfür bräuchte es zumindest ein Septett mit Harmonium und den 2 wichtigsten Bläsern), Repertoiremangel, Aneignung. Die Anpassung an äußere Umstände könnte man für einzelne Sätze als Zugabe gerade noch geltend machen.

Das Streichquartett als Cover-Band

Unzulässig ist es jedoch, ein vermeintliches Streichquartett von Gustav Mahler zu erfinden, indem man Sätze unterschiedlicher Entstehungszeit zusammenwürfelt. Dabei gerät der Kopfsatz nach dem fragmentarischen Klavierquartett noch am überzeugendsten. Das Adagietto aus der 5. Sinfonie wird verschleppt und dadurch sentimentalisiert. Danach dieselbe Prozedur mit dem Adagio aus der 10. Woher stammt das Finale? Die Wesendonck-Lieder leben vom Kontrast durch die Singstimme. Warum hat man sich hier nicht ein Pendant zu Schönbergs fis-moll-Quartett geschaffen? Das von Wagner raffiniertest instrumentierte Tristan-Vorspiel verliert bereits am Anfang durch das unkontrollierte Vibrato auf den langen Tönen in bester amerikanischer Orchestermanier.

Gegen die Ausführung, die durchaus ein Lehrstück darüber ist, welch Farbvielfalt einem Streichquartett zur Verfügung steht, lassen sich allerhöchstens ein paar ganz wenige zweifelhaft intonierte Stellen vorbringen.

Der Booklet-Text ist rein konzeptbezogen dürftig und erinnert eher an ein Pop-Album. Abgesehen davon fehlt eine Angabe der Provenienz für den letzten eingespielten – angeblich von Mahler stammenden – Satz, der eher auf eine Entstehungszeit in den zwanziger Jahren hindeutet. Die Aufnahmetechnik geht in Ordnung.

Fazit: Das Streichquartett als Cover-Band mit doppelt dickem Trauerrand. Düstere Musik in nicht eben sinnvollem Arrangement. Zwar virtuos und mit Intensität dargeboten, aber reicht das wirklich?

Thomas Baack [25.04.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Richard Wagner
1Tristan und Isolde (Vorspiel) 00:09:53
2Der Engel (aus: Wesendonck-Lieder) 00:03:44
3Stehe still! (aus: Wesendonck-Lieder) 00:04:35
4Im Treibhaus (aus: Wesendonck-Lieder) 00:05:30
5Schmerzen (aus: Wesendonck-Lieder) 00:02:25
6Träume (aus: Wesendonck-Lieder) 00:04:51
Gustav Mahler
7Streichquartett Nr. 1 a-Moll 00:36:53

Interpreten der Einspielung

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