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CD/SACD stereo-Besprechung

Theodor Leschetitzky

Morceaux pour Piano

BIS 2518

1 CD/SACD stereo • 59min • 2019

17.09.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Großes Lob fährt das Booklet auf: Theodor Leschetitzky (1830-1915) sei „ein Gigant der Klavierspielgeschichte“, sei neben Liszt zum „berühmtesten und bedeutendsten Klavierpädagogen“ geworden, „der einflussreich und prägend für ganze Pianistengenerationen wurde“, und Burkard Muth, der Vorsitzende der Deutschen Leschetitzky-Gesellschaft und Initiator dieser CD, fragt in einer seiner Publikationen, ob Leschetitzky „der bedeutendste Klavierlehrer, den die Welt je gesehen hat“, sei. Immerhin findet Leschetitzky auch Erwähnung in Dieter Hildebrandts Kompendium „Das Pianoforte. Der Roman des Klaviers im 19. Jahrhundert“. Der zitiert eine von Leschetitskys Schülerinnen: „Man könnte fast sagen, er habe für jeden Schüler eine andere Methode gehabt, und ich habe oft zitiert, Leschetitzkys Methode bestehe darin, keine zu haben…“. Und auch Dieter Hildebrandt stellt Leschetitzky als Lehrer in eine Reihe mit Franz Liszt und Clara Schumann. Die Stadt Wien gwährte ihm, der zwar in Łancut (Polen) geboren, in St. Petersburg gelehrt, aber seit seinem 12. Lebensjahr in Wien gelebt hat, ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof sowie die Benennung einer Gasse. Bad Ischl ehrte ihn mit einem Denkmal und der Leschetitzky-Höhe, auf der Johannes Brahms sein Lied Guten Abend, gut Nacht komponiert hat. Hildebrandt vergisst nicht zu erwähnen, dass dieser berühmte und anscheinend auch sehr beliebte Klavierlehrer nacheinander vier seiner Schülerinnen geheiratet hatte.

Elegante „Encores“

Dass Leschetitzky auch komponiert hat, will diese CD deutlich machen. Es ist ein Querschnitt durch sein pianistisches Œuvre. Es erweist sich als oft erfindungsreich, elegant und meist gefällig: „hübsch“ könnte man sagen. Alles bleibt aber im konventiellen Bereich, nichts ist zukunftsweisend, wie man das beispielsweise vom Œuvre seines Lehrer-Kollegen Liszt behaupten kann. Insgesamt sind es Charakterstücke, „Encores“, als Zugaben in einem Klavierabend gut geeignet, die einen Kritiker zur Verzweiflung bringen, weil er sie nirgends einordnen kann.

Als besonders einprägsam erweist sich La Source aus Quatres morceaux op. 36, eine quirlig-quellende Etüde, aus Deux morceaux op. 43 erfreut der arpeggierende Mittelteil der Serenata, der eine Serenaden-Gitarre imitiert, sowie eine geschäftig-hurtig dahineilende Perpetuum-mobile-Etüde namens La Piccola, im Booklet zutreffend als „delikat-diffiziles Finger-Exercitium“ geschildert. Wirkungsvoll ist das Intermezzo en octaves, aus Pastels op. 44, eine donnernde Oktaven-Etüde. Leschetitzky beweist stilistische Gewandtheit, verwendet barocke Formen und baut perfekte Gigues, die dem Rezensenten als die gefälligsten Werke erscheinen.

Makellos sauber gespielt

Tobias Bigger spielt auf einem Bösendorfer – den auch Leschetitzky bevorzugt hat. Dabei verharrt Bigger in seiner Rolle als Leschetitzky-Prophet, als bloßer Verkünder des Werkes, spielt alles makellos, sauber und hinreichend virtuos. Wenn er sich aber expressiver in den Vordergrund spielen würde, mehr den Tastenlöwen gäbe, würde er diesen hübschen „Encores“ wesentlich mehr Glanz und funkelnden Esprit verleihen und damit sein Ziel, Leschetitzky bekannter zu machen, umso besser erreichen.

Rainer W. Janka [17.09.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Theodor H. Leschetizky
1Menuetto capriccioso op. 38 Nr. 1 00:07:22
2Mazurka-Impromptu op. 38 Nr. 2 00:07:08
3Aria op. 36 Nr. 1 00:04:00
4Gigue op. 36 Nr. 2 (Canon à deux voix) 00:02:11
5Humoresque op. 36 Nr. 3 00:02:12
6La Source op. 36 Nr. 4 00:03:12
7Serenata op. 43 Nr. 1 00:05:18
8La Piccola op. 43 Nr. 2 (Étude) 00:02:08
9Pastels op. 44 (Quatre morceaux pour piano) 00:11:27
13Nocturne op. 47 Nr. 1 00:06:12
14Scherzo op. 47 Nr. 2 00:06:24

Interpreten der Einspielung

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