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CD-Besprechung

... o sink hernieder, Nacht der Liebe

Avi-music 8553077

1 CD • 61min • 2016

14.06.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Auch wenn in einigen Gedichten Else Lasker-Schülers von Tristan die Rede ist, mit Richard Wagners Oper hat dieses Recital, das Lyrik des 20. Jahrhunderts und drei Shakespeare-Sonette mit Klaviertrios von Schubert und Chopin konfrontiert, so gut wie nichts zu tun. Der angesprochene Tristan (und zugleich „Gralprinz“) der Dichterin war der 1915 in Russland gefallene, platonisch geliebte Kollege Hans Ehrenbaum-Degele. Auch mit Gottfried Benn verband sie eine Liebesbeziehung, die sich mehr noch als in der Realität in beider Dichtungen auslebte. Lasker-Schüler und Benn stehen im Zentrum des Programms, das mit Schuberts Notturno (1827) und Gedichten von Ingeborg Bachmann und Rainer Maria Rilke eingeleitet wird und mit drei von Karl Kraus übersetzten Shakespeare-Sonetten und Bertolt Brechts „Die Liebenden“ abgeschlossen wird. Chopins viersätziges Klaviertrio op. 8 (1829), in drei Sektionen aufgeteilt, strukturiert den Ablauf des Recitals, in dem das Thema Liebe mit vielen Facetten literarisch verarbeitet wird.

Die von der Dramaturgin Brigitte Landes formulierte Absicht, die Gedichte „lyrisch mit der Musik in einen Dialog treten“ zu lassen, lässt sich auf dem Podium, wo Rezitatorin und Musiker voneinander abnehmen können, möglicherweise besser umsetzen als es in dieser Studio-Produktion gelungen ist, in der Text und Musik getrennt - zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Räumen - aufgenommen wurden. Hier sind die einzelnen Blöcke nur aneinander montiert, stehen willkürlich nebeneinander und bilden kein organisches Ganzes. Die Musik knallt jedes Mal mit Vehemenz in die Stille hinein, die sich nach den Gedichten einstellen sollte.

Katharina Thalbach, Tochter von Benno Besson und Meisterschülerin Helene Weigels, ist eine Schauspielerin alten Schlages, die noch ein feines Gespür für Melodie und Rhythmus der deutschen Sprache und für ihre zahllosen Farbvaleurs hat. Sie findet für jede dieser Miniaturen, von denen einige durch aphoristische Kürze auffallen, einen ganz persönlichen Ton, frei von jeder Gefühligkeit und Betroffenheit; da blitzt oft schalkhafter Witz auf, der den emotionalen Momentaufnahmen erst die richtige Würze gibt. Thalbachs unaufdringlicher, aber pointierter Vortragsstil schafft eine intime Atmosphäre, die in einem gewissen Kontrast steht zu der extrovertierten Bravour, mit der das Trio Feininger Schubert und Chopin exekutiert (wobei die Aufnahmetechnik den Klavierpart mehr als nötig hervorhebt).

Ekkehard Pluta [14.06.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Adagio Es-Dur D 897 op. posth. 148 (Notturno) 00:08:22
Frédéric Chopin
5Klaviertrio g-Moll op. 8 00:10:25
11Klaviertrio g-Moll op. 8 00:17:36

Interpreten der Einspielung

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